Badewannen-Aktion im Campus-Innenhof: Studenten fordern mehr Grün in Leipzigs Uni
Ralf Julke
04.06.2010
Drei bepflanzte Wannen bringen erstmals Grün in den Campus der Uni Leipzig.
Foto: Ralf Julke
Mit den Badewannen kam die Sonne raus und im Innenhof des Uni-Campus war endlich mal ein bisschen Grün zu sehen. Am Donnerstag, 3. Juni, verfrachteten Leipziger Studierende drei stilvolle alte Badewannen auf den Campus, füllten sie mit Erde und bepflanzten sie.
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Im Vorfeld wurde eine große Anzahl von Studierenden dazu aufgerufen auch selbst Blumen, Gräser und so weiter mitzubringen und diese einzupflanzen.
"Die Aktion ist ins Leben gerufen worden, weil die Universitätsleitung trotz Vorliegen eines Begrünungsplanes des Architekten, nicht in der Lage ist, diesen umzusetzen", erklärt Katja B. von einer Gruppe Studierender, die sich "PflanzMob" nennt. "Wir fordern den Kanzler und alle Verantwortlichen dazu auf, die Pläne endlich in die Tat umzusetzen."
Erste Grünoase - subversiv - im Campus-Innenhof.
Foto: Ralf Julke
Neben der konkreten Begrünung des Innenhofes geht es jedoch auch darum, Werbung für eine insgesamt ökologisch nachhaltige Hochschule zu machen. Denn die Vernachlässigung der Bepflanzung stelle auch ein Symptom für das mangelnde Bewusstsein für ökologische Themen auf den administrativen und exekutiven Leitungsebenen der Universität dar. Es gehe nicht nur darum, ein paar Pflanzen aufzustellen, um sich an einer schöneren Umgebung zu erfreuen. Die Teilnehmenden möchten, dass sich der Gedanke durchsetzt, dass keine wirtschaftliche und wissenschaftliche Entscheidung mehr getroffen wird, ohne dass dabei Ökologie und Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle spielen.
Das fange beim Ökostrom an, gehe weiter bei biologischem Essen in der Mensa und höre beim Recyclingpapier in den Instituten noch lange nicht auf. "Jeder und jede von uns kann von zu Hause, aus dem Wald, vom Baumarkt, vom Nachbarn, Pflanzen mitbringen und in die aufgestellten Badewannen pflanzen", sagt Patrik T., auch er ein Teilnehmer der Aktion. "Durch dieses Signal verleihen wir unserer Forderung Nachdruck und es gibt schon mal einen kleinen grünen Lichtblick."
Für die Studierenden wird's gleich zur grünen Pausen-Oase.
Foto: Ralf Julke
Rückendeckung bekommt die unangemeldete Begrünungsaktion durch den StuRa der Universität. Der Umbau des Campus sei zwar noch nicht abgeschlossen, doch sei die vorläufig endgültige Innenhofgestaltung bekannt und bereits gut zu erkennen, stellt der in einer Pressemitteilung fest. Dabei falle sofort auf, dass es kein umfassendes Begrünungskonzept und viel zu wenig Sitzgelegenheiten gebe. Lediglich drei Bäume sollen gepflanzt werden.
"Dass dies ein Ort ohne Atmosphäre ist, der in keiner Weise weder Geist noch Kreativität anspricht und inspiriert, liegt auf der Hand. Um dem Abhilfe zu schaffen, muss ein umfassendes Freiflächenkonzept erstellt und umgesetzt werden", erklärt der StuRa.
"Es kann nicht sein, dass eine Unmenge von Geld für große Glasfassaden und sterile Foyers ausgegeben wird und für den eigentlich repräsentativen Innenhof nicht genug übrig bleibt", sagt Robert Wiesen, Referent für Ökologie des StudentInnenRates (StuRa) der Universität Leipzig.
Neben dem StuRa fordern auch andere Nutzer der Campusgebäude schon seit langem einen grüneren Innenhof. So regten der StuRa, die Baukommission der Universität und Dozierende sowie MitarbeiterInnen an, einen entsprechenden Entwurf von den zuständigen Architekten einzuholen.
Dieses Freiflächenkonzept liegt nun vor, erklärt der StuRa. Dessen Finanzierung könne entweder durch den Universitätshaushalt oder durch den Bauherrn geschehen. Der Bauherr des Campus-Neubaus ist das Sächsische Immobilien- und Baumanagement (SIB), das wiederum seine Mittel vom Sächsischen Staatsministerium für Finanzen (SFM) zugeteilt bekommt. Umverteilungen im Finanzhaushalt der Universität dürften freilich nicht zu Lasten der Lehre gehen. Robert Wiesen fordert deshalb: "Universitätskanzler Frank Nolden soll sich beim SIB und SFM endlich für die Interessen der Universität und vor allem der größten NutzerInnengruppe, den Studierenden, einsetzten, um Mittel für einen grüneren Innenhof zu akquirieren."
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