Kameradschaftsabend im Mehrfamilienhaus? Neonazis schaffen im Leipziger Osten neue Anlaufstellen, Ladenschluss-Bündnis kündigt Protest an
Patrick Limbach
14.01.2012
Drei Wochen lang hing die Fahne in der Langen Straße.
Foto: Aktionsbündnis Ladenschluss
Die Aktivitäten Leipziger Neonazis scheinen sich seit einigen Monaten wieder gen Osten zu verlagern. Seit November nutzen Kameraden aus dem NPD-Umfeld zwei Wohnungen in der Langen Straße 15 (Zentrum-Ost) als Party- und Veranstaltungsraum und halten regelmäßige Treffen ab. Kaum hatten die Rechten ihre neuen Behausungen bezogen, hissten sie eine schwarz-weiß-rote Fahne mit der Parole „My blood is my honour, my race is my pride“ aus dem Fenster.
Anzeige
Das anrüchige Stofftuch wurde nach drei Wochen wieder entfernt. Ob das auf Verlangen des Vermieters geschah, konnte bisher nicht geklärt werden.
Dem Aktionsbündnis Ladenschluss zufolge legt dieser im Umgang mit dem Problem ohnehin ein merkwürdiges Gebaren an den Tag. Die SGK Liegenschaftsverwaltung GmbH, die zur Leipziger "Kling Group" gehört, in deren Besitz sich das Mehrfamilienhaus befinden soll, blieb demnach trotz mehrfacher Beschwerden der übrigen Mieter untätig. Die Neonazis nicht.
Sie weihten ihr neues Domizil am 9. Dezember mit einer ausufernden Party ein. Mehrfach mussten die Ordnungshüter nach dem Rechten sehen. Am nächsten Morgen waren Briefkästen und Klingelschilder demoliert. Anwohner beschwerten sich über laut skandierte Hassparolen. Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Jetzt reagierte die Eigentümerin: Sie tauschte die Hausverwaltung aus, beauftragte eine externe Oschatzer Firma. Geändert hat diese Maßnahme freilich nichts. Die Hintergründe für diesen merkwürdigen Schritt liegen im Dunkeln. "Vielleicht war sie mit unserer Arbeit nicht zufrieden", mutmaßt eine SGK-Mitarbeiterin gegenüber L-IZ.de. Das mutet angesichts der Eigentumsverhältnisse höchst seltsam an.
Zum Jahreswechsel feierten die Kameraden erneut in ihrer Bleibe, in der offenkundig keiner von ihnen wohnt. Auch diesmal artete die Feier aus, rund 30 Gäste wurden laut "Ladenschluss" beim Randalieren beobachtet. Nachbarn sahen, wie sie auf der Straße vor dem Haus mit ungewöhnlich kräftigen Böllern zwei Autos angriffen und diese beschädigten. Außerdem griffen die feiernden Neonazis mit ihren Silvesterknallern Unbeteiligte an. Laut dem Ladenschluss-Bündnis soll die alarmierte Polizei mit Verweis auf silvesterbedingte Überlastung diesmal untätig geblieben sein. Pressesprecher Uwe Voigt widerspricht: "Wir hatten einen Anruf im Revier Innenstadt. Die Person war alkoholisiert und nicht zu verstehen. Auf Nachfragen hin hatte sie aufgelegt." Weitere in Frage kommende Anrufe habe es nicht gegeben.
Abermals untätig blieb die "Kling Group". Bei der OZ-Immobilien GmbH, seit Mitte Dezember für die Verwaltung zuständig, regte sich trotz erneuter Beschwerden durch die Mieter nichts. "Ich werde dazu keine Auskunft geben", teilte eine Mitarbeiterin auf Nachfrage mit. "Das müsste ich mit dem Eigentümer absprechen." Die übrigen Bewohner des Hauses fühlen sich durch die stetige Neonazi-Präsenz bedroht und in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt. Sie befürchten, dass die Kameraden hier einen neuen Anlaufpunkt etablieren möchten. "Die ständige Angst vor Beleidigungen und Angriffen macht ein unbeschwertes Leben und Wohnen unmöglich", heißt es seitens des Ladenschluss-Bündnisses. "Wir fordern die Eigentümerin des Hauses Lange Straße 15 – vertreten durch die Geschäftsführerin Frau Nicole Kling – auf, die Bedenken und Ängste der Hausbewohner und Anwohner ernst zu nehmen und das Mietverhältnis mit den Nazis zu beenden." Frau Kling war am Freitag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
Drei Wochen lang hing die Fahne in der Langen Straße.
Foto: Aktionsbündnis Ladenschluss
Die Lange Straße 15 ist nicht der einzige „braune“ Brennpunkt im Leipziger Osten. Ebenfalls im November eröffnete im Täubchenweg (Reudnitz) das Bekleidungsgeschäft "Fighting Catwalk". Neben Sportbekleidung und Boxerbedarf wandert hier das Modelabel "Thor Steinar" über den Tresen. Die Marke erfreut sich unter Neonazis wegen ihrer häufig doppeldeutigen, nordischen Symbolik großer Beliebtheit. Szenekenner vermuten, dass das Geschäft ein neuer Anlaufpunkt der rechten Szene werden könnte. "Unser Angebot ist nicht geprägt von politischen Interessen und unterstützt in keiner Form Gruppierungen", betont Betreiber Christian P. auf der Startseite seines Webshops. Die politische Problematik der Marke scheint dem Boxer keine Kopfschmerzen zu machen. Ganz im Gegenteil. In einer Webcommunity erklärt er das Label zu seiner "Lieblingsmarke".
Schon im August und September griffen Unbekannte mehrfach das alternative Ladenprojekt "Atari" sowie benachbarte Wohnhäuser an. Die Betreiber vermuten einen rechtsmotivierten Hintergrund. Nach Angaben von Innenminister Markus Ulbig (CDU) nutzten "Freie Kräfte" im vergangenen Jahr Räumlichkeiten in der Wurzner Straße als Treffpunkt. Nach L-IZ-Informationen soll es sich hierbei um eine Gaststätte gehandelt haben, die Ende September geschlossen hat. Bereits in den Jahren 2007 und 2008 waren Neonazis im Leipziger Osten verstärkt aktiv. Die "Freien Kräfte Leipzig" organisierten hier Aufmärsche. Ein Mehrfamilienhaus in der Holsteinstraße war wiederholt Ziel rechtsmotivierter Angriffe. "Solche Zustände dürfen sich nicht wiederholen, menschenverachtende Ideologien dürfen nicht geduldet werden", fordert das Ladenschluss-Bündnis. "Wir appellieren, die aktuellen Entwicklungen ernst zu nehmen, sich zu vernetzen und sich an geplanten Protestaktivitäten zu beteiligen."
Der 1. August naht. Es sind nur noch etwas mehr als zwei Monate. Und ziemlich sicher ist schon abzusehen, dass Leipzig den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für die unter Dreijährigen nicht wird erfüllen können. Die Stadtverwaltung gab sich im November 2012 zwar sehr ambitioniert, die Bedarfsdeckung durch Neubauten, Kapazitätserweiterungen und Modul-Kitas doch noch zu erfüllen. Aber die meisten geplanten Einrichtungen stehen 2013 nicht zur Verfügung. Die Eltern zeigen sich natürlich entsprechend besorgt. mehr…
Am 15. Mai wurde im Sächsischen Landtag der CDU/FDP-Antrag "Polizeipräsenz im Internet erhöhen - Soziale Netzwerke zur Polizeiarbeit nutzen!" behandelt. Ein Antrag wie aus der Wunschkammer des braven Bürgers, der das Internet sowieso für eine gefährliche Welt hält und sich jetzt auch dort ein paar präsente Ordnungshüter wünscht. Und so eine Art Kooperation zwischen wachsamem Bürger und aufmerksamer Polizei. Und der naive Glaube an die "sozialen Netzwerke". mehr…
Diese emotionale Aufwallung schaffte es längst zum Klassiker im reichlich gefüllten, goldenen Spruchbeutel der City-Tunnel-Prosa: "Ich will die Milliarde nicht sehen!", entfuhr es Ende der 1990er Jahre dem damaligen Sächsischen Staatsminister für Wirtschaft und Arbeit, Kajo Schommer. Gemeint war, die geplante Investitionssumme für den City-Tunnel auf eine Milliarde zu begrenzen - D-Mark, wohlgemerkt, denn in einer anderen Währung rechnete damals auch ein Mitglied des Dresdner Kabinetts nicht. mehr…
Am Freitag, dem 24. Mai um 20:15 Uhr, ist der Bestsellerautor Martin Walker bei Lehmanns Media zu Gast und liest aus seinem aktuellen Bruno-Krimi „Femme Fatale“. Der im französischen Périgord lebende Ire ist nicht nur Schriftsteller, Historiker und politischer Journalist („The Guardian“), sondern auch ein sehr, sehr sympathischer Zeitgenosse und Medienliebling. mehr…
Am Sonntag, den 26. Mai um 10 Uhr wird es während des beliebten Familienfrühstücksbuffets im Unikatum Kindermuseum spannend, denn Museumsmitarbeiterin Annekatrin Naumann möchte die Gäste ab 4 Jahren zu Zeitjägern machen und sie mit auf eine aufregende Schatzsuche durch die aktuelle Ausstellung „Ach du liebe Zeit!“ und den Hofgarten nehmen. mehr…
Der letzte Rundgang der Reihe „Sanierungs- und Fördergebiete“ des Stadtforums Leipzig findet am Montag, 27. Mai, um 17:30 Uhr am Platz der Biedermannstraße/Ecke Bornaische Straße, gegenüber der Litfaßsäule, statt. Es handelt sich um einen Rundgang durch das Sanierungsgebiet Connewitz, mit Standpunkten an der Biedermannstraße und Auerbachstraße, dem Herderplatz und Kronengarten sowie den Stadthäusern Hermannstraße. mehr…
Am Sonntag, 26. Mai, ist um 19 Uhr in der Kirche Panitzsch eine musikalische Annäherung an die romantischen Kompositionen Richard Wagners aus der Richtung des Jazz zu erleben. Unter dem Motto „Wagner in Jazz“ hat Stephan König anlässlich des 200. Geburtstages von Wagner musikalische Themen aus Wagner-Opern für sein Jazz-Trio bearbeitet. mehr…
Im Rahmen der Festwoche "150 Jahre SPD" macht die Dialog-Box der SPD in Leipzig in der Petersstraße, Höhe Hugendubel, Station. Neben der Bewerbung der Veranstaltungen rund um die Festwoche "150 Jahre SPD" möchte die SPD Leipzig die Dialog-Box nutzen, um mit den Leipzigerinnen und Leipzigern zu verschiedenen Themen ins Gespräch zu kommen. Der Dienstag, 21. Mai, steht dabei ganz im Zeichen der europäischen Bürgerinitiative "Wasser ist Menschenrecht". mehr…
Ein Vortrag am Mittwoch, dem 22. Mai, 19 Uhr, im Ariowitschhaus, Hinrichsenstr. 14, beleuchtet das Verhältnis Martin Luthers zu den Juden. Referent dieser Veranstaltung der Jüdisch-Christlichen Arbeitsgemeinschaft ist Professor Martin Steinhäuser. mehr…
Mit Krebs ist nicht zu spaßen. Krebs ist kein Spaß. Vielleicht ist die moderne Zivilisationskrankheit Krebs die Kehrseite unserer Spaßgesellschaft. Die keine spaßige ist, auch wenn sie alles, was wichtig ist, in einen Spaß zu verwandeln scheint. Nicht nur Regina Rose fragt wohl zu recht, welche Rolle unsere moderne Lebensart für die Ausbreitung der "Volkskrankheit" Krebs hat. mehr…
Es gab ja in letzter Zeit einige verächtliche Bemerkungen von gut bezahlten Politikern gegenüber Bürgern, die auf verschiedene Weise versuchen, ihre Interessen in politische Entscheidungsprozesse einzubringen. "Wutbürger" war so ein arroganter Begriff. Dabei können selbst Großprojekte sinnvoller, nachhaltiger und vor allem zielführender geraten, wenn Politik frühzeitig die Diskussion mit den Betroffenen sucht. Das ist bei den Planungen zur neuen B 87 sogar passiert. mehr…
Am 9. Mai verfügte das Leipziger Umweltdezernat eine Sperrung des Floßgrabens für den Bootsverkehr. Nur noch zu bestimmten Zeiten am Wochenende dürfen Boote den Floßgraben passieren, in dem der seltene Eisvogel brütet. Doch nicht nur die erste Ausnahmeverfügung für eine Bootstouranbieter sorgt für Unmut. Besonders betroffen zeigt sich der Sächsische Kanuverband. In einer Stellungnahme fordert er einen völlig anderen Umgang mit dem sensiblen Gewässer. mehr…
Wie die Polizeidirektion Leipzig in einer gemeinsamen Mitteilung mit der Staatsanwaltschaft übermittelte, wurde am gestrigen 19. Mai gegen 20 Uhr „ein Mann tot im Gleisbett aufgefunden.“ Ort des Fundes war der Bahnhof Leipzig-Leutzsch am Ritterschlösschen in der Gustav-Esche-Straße. Da eine Straftat in solchen Fällen nie ausgeschlossen werden kann, haben auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft die Untersuchungen der Rechtsmedizin begonnen. mehr…
Erst mal großes Tamtam, dann Stille am Wasser. Im Beisein von Umweltminister Frank Kupfer wurde am Samstag, 18. Mai, die Kanupark-Schleuse zwischen dem Markkleeberger und Störmthaler See im Leipziger Neuseenland offiziell freigegeben. „Nach zwei Jahren Bauzeit können wir heute einen wichtigen Schritt zur wassertouristischen Erschließung des Leipziger Neuseenlandes tun“, sagte Frank Kupfer. Er war extra an Bord der "MS Wachau" gestiegen, die künftig die Schleuse Richtung Störmthaler See befahren darf. mehr…
Mieten sind ja ein Thema, das langsam prickelnd wird in Leipzig. Wenn eine Stadt attraktiv ist, füllt sie sich nicht nur mit Bewohnern, auch Mieten und Bauen werden wieder lukrativ. Und wo das Angebot knapp wird, steigen die Mieten. Das ist in Leipzig bislang nur punktuell der Fall, auch wenn einige Spieler auf dem Markt etwas Anderes erzählen. Aber diese Punkte sind natürlich interessant. Auch wer Gewerberaum sucht, muss auf die konkrete Lage achten. mehr…