Pödelwitz im Leipziger Süden wird weggebaggert: Lippendorf verschlingt nächstes Dorf
Matthias Weidemann
07.05.2012
Die Mibrag bei Pödelwitz.
Foto: Matthias Weidemann
Das Schicksal der Pödelwitzer ist besiegelt. Mit Beschluss des Groitzscher Stadtrates vom Donnerstag, der den Umsiedlungsvertrag für das Dorf im Süden von Leipzigs Neuseenland verabschiedete, ist es beschlossene Sache: Der 130 Einwohner zählende Ort muss der Braunkohle weichen.
Anzeige
Das alles kam nicht unerwartet, hatten sich doch 80 Prozent der Pödelwitzer schon Ende letzten Jahres für eine Umsiedlung ausgesprochen. All das ist aber auch einer Entwicklung geschuldet, von der offenbar selbst die Mitteldeutsche Braunkohlegesellschaft (MIBRAG) überrascht wurde: Der Kraftwerksgigant Lippendorf verschlingt mehr Kohle als ursprünglich geplant und genehmigt. Innerhalb von zehn Jahren wurde die eigentlich für elf Jahre ausgelegte Menge an Braunkohle durch die (nicht mehr vorhandenen) Schlote gejagt.
Und wenn der Riese hungrig ist, dann gibt man ihm eben etwas zu fressen. Dann müssen im Interesse der Allgemeinheit gewachsene Ort- und Landschaften immer noch den scharfen Zähnen der Abraumbagger weichen. Sehr viel geändert hat sich also nicht gegenüber Vorwendezeiten. Höchstens, dass die Art und Weise, wie das geschieht, nicht mehr so brachial ist, wesentlich subtiler und, wie es sich für den Bergbau gehört, subversiver daherkommt.
Der Ortseingang von Pödelwitz.
Foto: Matthias Weidemann
Dazu gehört natürlich auch die Unterstützung durch die Politik. Hier in Person des sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich, der erst im Februar beim „Braunkohlegipfel“ in Leuna den verbalen Schulterschluss mit der MIBRAG übte. Da bezeichnete er eine langfristige, kontinuierliche und verlässliche Energiepolitik zur Energieversorgung in Sachsen als unverzichtbar. Solche Aussagen seitens der herrschenden politischen Kaste zaubern natürlich ein zufriedenes Lächeln auf die Gesichter der Bosse des Braunkohleriesen, der nun munter weiter schaufeln darf was das Zeug hält.
So sieht der Braunkohleplan für den Tagebau im Leipziger Süden die Fortsetzung der Abbauflächen Schleenhain sowie Peres zwischen Pödelwitz und Kieritzsch vor. 2014 will man mit der Braunkohlegewinnung im Tagebaugebiet Peres beginnen, während Schleenhain im Jahr 2015 fortgesetzt werden soll. Und noch einmal 15 Jahre später will man aus dem Groitzscher Dreieck die „Restkohle“ rauskratzen.
Was das für die umliegenden Gemeinden in letztendlicher Konsequenz bedeutet, ist natürlich heute noch nicht abzusehen. Aber wenn man bedenkt, dass die Laufzeit für den Lippendorfer Giganten bis 2040 ausgelegt ist, sollten sich die Einwohner der umliegenden Gemeinden im wahrsten Sinne des Wortes warm anziehen. Schließlich gilt nicht zuletzt auch für einen Konzern wie die MIBRAG das Prinzip der Wirtschaftlichkeit. Sprich: Das Kraftwerk muss bis zum Ende seiner „Amtszeit“ bis auf das letzte Gramm Braunkohle möglichst wirtschaftlich genutzt werden.
Von der Wirtschaftlichkeit zur Menschlichkeit. Und da sieht es wesentlich komplizierter aus. Denn obwohl eine Mehrheit der Pödelwitzer für die Umsiedlung gestimmt hat, will eine Minderheit den Ort nicht verlassen. Dem gegenüber steht der unstillbare Hunger der Energieversorger. Der schielt nämlich nach 34 Millionen Tonnen Kohle, die man sich von der Umsiedlung von Pödelwitz verspricht. Und dieser Hunger ist immer noch wichtiger als jedes menschliche Grundrecht. Sagen wir mal zum Beispiel: das Recht auf eine eigene Heimat. Demgegenüber steht ein Konzern, der sich seit der Wende nur insofern geändert hat, als dass er sich in einem demokratischen Umfeld inzwischen vollends autark bewegt und die Politik beherrscht und nicht wie früher von ihr beherrscht wird. Das um so effektiver, je mehr Umsatz er macht.
Nachdem das Saisonziel erreicht ist, versuchen Fans und Präsidium des 1. FC Lok weiter an allen Fronten, Geld für den Verein zu beschaffen. Während die Fans auf gutem Wege sind, ein Benefizspiel gegen den FC Schalke 04 zu erwetten, bittet das Präsidium Fans und Sympathisanten um ihr reichlich vorhandenes Herzblut. mehr…
Hakenkreuzarmbinden an Uniformen im Audimax am Augustusplatz. Und es ging nicht in aller Theorie um das Godwin-Gesetz, wonach alle Chats irgendwann zum Thema Hitler kommen. Nein, es waren Theaterkostümteile, passend, weil Wagners Werk als Familienchronik dargeboten werden sollte. mehr…
Am 21. Mai ist mal wieder „Report Mainz“-Zeit im ersten deutschen Fernsehen. Und erneut ist ab 21:55 Uhr Sachsen ein Thema. Besser der Lauf der Behörden im Jahre 2000, eine Zeit, in der es noch keine Mordserie gab, dafür ein flüchtiges Trio aus Jena, welches sich in Sachsen herumtreiben sollte. Und Unterstützer, die ihnen dabei hilfreich zur Seite standen. Alles in allem also eine Gruppe. Bis heute wird darum gestritten, wie und wann den Behörden welche Einschätzungen zur Verfügung standen. Ein Zeit-Dokument dazu liege nun der „Report“-Redaktion vor. Und das Sächsische Innenministerium reagierte heute erstaunlich schnell. mehr…
Fußball ist in Deutschland längst keine Nebensache mehr. Ganz akademisch werden Nachwuchstalente auf ihre Profikarriere vorbereitet. So auch in Berlin bei Hertha BSC. Die F-Jugend des SV Lindenau 1848 schaute sich zu Pfingsten die Nachwuchsakademie auf dem Berliner Olympiapark an. Und unterlag der U9 von Hertha in einem Freundschaftsspiel mit 4:7. mehr…
Er war eigentlich noch nicht so alt, was die Sache irgendwie noch ein wenig unerklärlicher macht. Jedenfalls fuhr der 46-jährige LVB-Mitarbeiter die Straßenbahn der Linie 10 auf der Karl-Liebknecht-Straße stadteinwärts, als er wohl gemerkt haben muss, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Jedenfalls brachte er auf der Höhe Steinstraße seine Straßenbahn zum stehen und brach anschließend im Fahrgastraum zusammen. mehr…
Über die aktuellen Gründe liegen noch keine Erkenntnisse vor, als MDR Info am Dienstag, 21. Mai, meldet: „In einem Leipziger Jobcenter ist eine Mitarbeiterin brutal angegriffen worden. Wie die Polizei mitteilte, schlug ein Mann mit einem Hammer auf die Frau ein. Sie wurde dabei schwer verletzt.“ Der Angreifer habe bereits Hausverbot gehabt und sei „bereits mehrfach auffällig geworden“. mehr…
Im Jahr 2013 begeht Leipzig nicht nur den 200. Jahrestag der Völkerschlacht oder den Geburtstag Richard Wagners, 2013 jährt sich auch die Gründung der Schola Cantorum zum 50. Mal. Dies ist Grund und Anlass für die Mitglieder und Mitarbeiter des Kinder- und Jugendchores der Stadt Leipzig, einen Blick in die spannende und wechselvolle Geschichte des Ensembles zu werfen. Und natürlich zu feiern. Die wichtigsten Festkonzerte in Leipzig sind im Juni. mehr…
Wagner kann einen närrisch machen. Oder besonnener. Am 22. Mai werden eine Reihe Leute in Leipzig wieder ganz närrisch, schütteln sich die Hände, enthüllen ein Denkmal, lauschen im strengen Anzug einem Festkonzert oder klatschen Beifall, wenn im Opernhaus der Schriftsteller Friedrich Dieckmann den ersten Richard-Wagner-Preis bekommt. mehr…
Der 1. August naht. Es sind nur noch etwas mehr als zwei Monate. Und ziemlich sicher ist schon abzusehen, dass Leipzig den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für die unter Dreijährigen nicht wird erfüllen können. Die Stadtverwaltung gab sich im November 2012 zwar sehr ambitioniert, die Bedarfsdeckung durch Neubauten, Kapazitätserweiterungen und Modul-Kitas doch noch zu erfüllen. Aber die meisten geplanten Einrichtungen stehen 2013 nicht zur Verfügung. Die Eltern zeigen sich natürlich entsprechend besorgt. mehr…
Am 15. Mai wurde im Sächsischen Landtag der CDU/FDP-Antrag "Polizeipräsenz im Internet erhöhen - Soziale Netzwerke zur Polizeiarbeit nutzen!" behandelt. Ein Antrag wie aus der Wunschkammer des braven Bürgers, der das Internet sowieso für eine gefährliche Welt hält und sich jetzt auch dort ein paar präsente Ordnungshüter wünscht. Und so eine Art Kooperation zwischen wachsamem Bürger und aufmerksamer Polizei. Und der naive Glaube an die "sozialen Netzwerke". mehr…
Diese emotionale Aufwallung schaffte es längst zum Klassiker im reichlich gefüllten, goldenen Spruchbeutel der City-Tunnel-Prosa: "Ich will die Milliarde nicht sehen!", entfuhr es Ende der 1990er Jahre dem damaligen Sächsischen Staatsminister für Wirtschaft und Arbeit, Kajo Schommer. Gemeint war, die geplante Investitionssumme für den City-Tunnel auf eine Milliarde zu begrenzen - D-Mark, wohlgemerkt, denn in einer anderen Währung rechnete damals auch ein Mitglied des Dresdner Kabinetts nicht. mehr…
Am Freitag, dem 24. Mai um 20:15 Uhr, ist der Bestsellerautor Martin Walker bei Lehmanns Media zu Gast und liest aus seinem aktuellen Bruno-Krimi „Femme Fatale“. Der im französischen Périgord lebende Ire ist nicht nur Schriftsteller, Historiker und politischer Journalist („The Guardian“), sondern auch ein sehr, sehr sympathischer Zeitgenosse und Medienliebling. mehr…
Am Sonntag, den 26. Mai um 10 Uhr wird es während des beliebten Familienfrühstücksbuffets im Unikatum Kindermuseum spannend, denn Museumsmitarbeiterin Annekatrin Naumann möchte die Gäste ab 4 Jahren zu Zeitjägern machen und sie mit auf eine aufregende Schatzsuche durch die aktuelle Ausstellung „Ach du liebe Zeit!“ und den Hofgarten nehmen. mehr…
Der letzte Rundgang der Reihe „Sanierungs- und Fördergebiete“ des Stadtforums Leipzig findet am Montag, 27. Mai, um 17:30 Uhr am Platz der Biedermannstraße/Ecke Bornaische Straße, gegenüber der Litfaßsäule, statt. Es handelt sich um einen Rundgang durch das Sanierungsgebiet Connewitz, mit Standpunkten an der Biedermannstraße und Auerbachstraße, dem Herderplatz und Kronengarten sowie den Stadthäusern Hermannstraße. mehr…
Am Sonntag, 26. Mai, ist um 19 Uhr in der Kirche Panitzsch eine musikalische Annäherung an die romantischen Kompositionen Richard Wagners aus der Richtung des Jazz zu erleben. Unter dem Motto „Wagner in Jazz“ hat Stephan König anlässlich des 200. Geburtstages von Wagner musikalische Themen aus Wagner-Opern für sein Jazz-Trio bearbeitet. mehr…