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Geplante Schiffbarkeit im Neuseenland: AHA will Arbeitsgruppe für naturverträglichen Wassertourismus gründen

Ralf Julke
Noch dominiert im Neuseenland die motorlose Schiffahrt.
Noch dominiert im Neuseenland die motorlose Schiffahrt.
Foto: Ralf Julke
Was tatsächlich im nautischen Gutachten steht, das Prof. Dr.-Ing. Jürgen Stamm, Inhaber der Professur Wasserbau an der TU Dresden, für die Gewässer im Neuseenland erstellt hat, wissen auch die Leipziger Umweltverbände noch nicht. Der Ökolöwe hat sich das Werk vor Weihnachten erst einmal schicken lassen. Der AHA schlägt für die ganze mitteldeutsche Seenregion Alarm. Denn die Motorboor-Lobby ist überall aktiv.


Da wird es am Ende vielleicht nicht einmal eine Rolle spielen, dass das Gutachten möglicherweise auch zeigt, dass eine freie Motorbootnutzung ohne Beeinträchtigung der Gewässer nicht möglich ist, wie der Ökolöwe vermutet. Zu deutlich hörbar sind die Begehrlichkeiten insbesondere nach mehr wirtschaftlicher Nutzung der neu entstandenen bzw. wieder nutzbar gemachten Gewässer mit Motorkraft. Stamm hatte sich ja augenscheinlich auch so geäußert, dass er die Einschränkung auf elektrische Antriebe auf den Auwaldgewässern nicht für notwendig halte.

Und auch die erste Studie zum Weiterbau des Elster-Saale-Kanals funktioniert in der vorgelegten Version nur mit einem starken Aufkommen von motorgetriebenen Booten.

"Mit großer Sorge beobachtet der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) das Bestreben, Wassertourismus zu nutzen, um massiv den Motorbootverkehr zu befördern. Ein entscheidender Schritt dahin ist das Bestreben der sächsischen Staatsregierung, im Rahmen der Änderung des Sächsischen Wassergesetzes eine massive Motorisierung der Fließ- und Standgewässer im Freistaat Sachsen zuzulassen, sich massiv für den Ausbau des Floßgrabens in Leipzig einzusetzen und zusammen mit Sachsen-Anhalt die Fortführung des mit etwa 100 – 200 Millionen Euro veranschlagten Elster-Saale-Kanals zu befördern", erklärt dazu Andreas Liste vom AHA.

Neben der massiven Störung des natur- und umweltverträglichen Wassertourismus in Form von Bedrängung der Paddler und Ruderer sei mit der Zunahme von Verlärmung und Luftverschmutzung zu rechnen. Zudem sehe der AHA die Gefahr in einem motorbootgerechten Ausbau der Infrastruktur, welche sich unter anderem in vermehrten Baumaßnahmen wie Fließgewässerbegradigungen, Uferbefestigungen und der Errichtung von großen Steganlagen manifestieren könnte.

Segelboote im Zöbigker Hafen.
Segelboote im Zöbigker Hafen.
Foto: Ralf Julke

"In der Neuseenlandschaft, welche sich unter anderem in den Gemarkungen der Städte Leipzig und Markkleeberg befinden, würde das bedeuten, dass die gegenwärtigen Einschränkungen und Verbote in Sachen Motorbootverkehr aufgehoben wären", stellt Liste fest. "Damit ist eine echte Beeinträchtigung des touristischen Wertes des Gebietes verbunden. Darüber hinaus würde das nach den ursprünglichen massiven bergbaulichen Eingriffen in die Siedlungsstruktur, in die natürliche Umwelt und in das Landschaftsbild, zu einer erneuten umfassenden, durch nichts zu gerechtfertigenden Beeinträchtigung von Lebens-, Erholungs- und Wohnraum der Menschen in Natur, Landschaft und Umwelt führen."

Die Schiffbarmachung ist mit der Novelle des Sächsischen Wassergesetzes vorgesehen, die 2013 im Landtag beschlossen werden soll. Dabei sollen die Bergbauseen im Leipziger Südraum genauso für schiffbar erklärt werden wie die (teilweise noch gar nicht existierenden) Verbindungsgewässer. Sie läuft - wie das bekannte "Baum-ab-Gesetz" - unter dem Slogan "Deregulierung". Die Landesdirektion Leipzig wartet erst einmal auf den Gesetzbeschluss, um überhaupt zu wissen, welche Handlungsoptionen ihr bleiben.

Nur aus einer Perspektive ist das, was jetzt - auch ohne Schiffbarkeitserklärung - im Neuseenland möglich ist, "zu viel Regulierung": aus der Sicht derer, die für ihre Boote keine Ausnahmegenehmigung für die sensiblen Gewässer bekommen.

Aber das sind weder die ärmsten Leute noch die ohne entsprechende Netzwerke. Und sie sind überall aktiv, um für sich "freie Fahrt für freie Bürger" auch auf dem Wasser zu schaffen. Auch auf der benachbarten Seenlandschaft südlich von Halle.

So sieht der AHA die Gefahren für den Geiseltalsee in Sachsen-Anhalt, wo man Motorboote mit 10 Meter Länge und 20 PS-Motoren zulassen möchte.

"Auch hier ist mit zunehmender Verlärmung und Luftverschmutzung, aber auch verstärktem Wellenschlag zu rechnen. Im Interesse einer sauberen Umwelt, Landschaft und Natur sowie eines umwelt- und naturverträglichen Tourismus fordert der AHA den Landtag und die Staatsregierung Sachsens auf, diese Änderung des Wassergesetzes zu unterlassen. An das Land Sachsen-Anhalt und den Landkreis Saalekreis appelliert der AHA, den Geiseltalsee von jeglicher Motorisierung freizuhalten", fordert Liste. "Stattdessen sollten der Freistaat Sachsen und das Land Sachsen-Anhalt alles tun, Umwelt, Natur und Landschaft eine weitere und nachhaltigere gesunde Entwicklung zu ermöglichen und in dem Zusammenhang den Tourismus einzuordnen.

Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, beabsichtigt der AHA nun, eine ehrenamtliche Arbeitsgruppe zur Beförderung eines umwelt- und naturverträglichen Wassertourismus zu bilden.

Wer Interesse hat, im Interesse des nachhaltigen Schutzes und Erhalts sowie einer naturnahen Entwicklung der Auenlandschaften an Weißer Elster, Luppe, Nahle, Pleiße und Parthe sowie des Geiseltalsees daran mitzuwirken, kann sich direkt an die Leipziger Regionalstelle des AHA wenden:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. – (AHA), Regionalgruppe Leipzig und Umland, E-Mail: aha_halle@yahoo.de

www.aha-halle.de



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