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2013 - was kommt? 5. Seenland-Kongress mit gigantomanischem Schiffshebewerk

Ralf Julke
Die für Güterschiffe gedachte Schleuse bei Wüsteneutzsch.
Die für Güterschiffe gedachte Schleuse bei Wüsteneutzsch.
Foto: Gernot Borriss
Wohin es im Leipziger Neuseenland gehen soll, ist noch lange nicht entschieden. Zwar möchte die Steuerungsgruppe Leipziger Neuseenland gern den "sanften Wassertourismus" in ihrem Leitbild verankern. Aber gleichzeitig hegt man weiterhin Pläne für Großinvestitionen, die mit sanftem Tourismus nichts mehr zu tun haben. Man redet mit zwei Sprachen - einer für die Bürger, und einer für die Investoren.


Wachsende Chancen für die Tourismusbranche in den neuen Wassersportrevieren rund um Leipzig und in der Lausitz sollen zwar im Mittelpunkt des 5. Seenland-Kongresses am 14. Februar 2013 in Leipzig sein. Aber auf dem Branchentreff werden eben nicht nur die Potenziale des Kanusports als Wirtschaftsfaktor für Leipziger Neuseenland sowie Lausitzer Seenland beleuchtet.

Denn Kanusport braucht kein Schiffshebewerk, auch nicht am Elster-Saale-Kanal.

Aber wenn es um Investitionen geht, kann es gar nicht groß und teuer genug werden - auch wenn es am Ende Steuergeld ist, das da "Investitionen anschieben" soll.

Zu den Höhepunkten des Kongresses soll deshalb auch der Hauptvortrag über Anziehungskraft und Machbarkeit eines Schiffshebewerks als "architektonischer Leuchtturm" bei Anbindung des Elster-Saale-Kanals an die Saale werden. Mit Kosten von knapp 38 Millionen Euro zählt es zu den zentralen Projektideen der "Potenzialanalyse Elster-Saale-Kanal", die im vergangenen Jahr auf dem Seenland-Kongress exklusiv vorgestellt wurde.

Der Potenzialanalyse soll jetzt zwar erst einmal eine Machbarkeitsstudie folgen. Aber die Grundlagen der Potenzialanalyse hat auch die Steuerungsgruppe Leipziger Neuseenland bis heute nicht in Frage gestellt. Und auch die Kosten dieser Schleuse nicht, dessen Dimension in den 1930er Jahren in Beton gegossen wurde, weil man damals noch plante, auf dem Kanal Güterverkehr fahren zu lassen.

Mit reinem Wassertourismus würde sich ein Hebewerk auch in Jahrzehnten nicht refinanzieren.

Die für Güterschiffe gedachte Schleuse bei Wüsteneutzsch.
Die für Güterschiffe gedachte Schleuse bei Wüsteneutzsch.
Foto: Gernot Borriss

Der Seenland-Kongress am ersten Tag der Wassersportmesse Beach & Boat richtet sich an Investoren, Unternehmer, Tourismusverbände sowie kommunale Partner. Schirmherr ist Markus Ulbig, Sächsischer Staatsminister des Innern.

"Rund eine Milliarde Euro pro Jahr werden in Deutschland mit Wassertourismus umgesetzt - vor allem mit muskelbetriebenen Sportarten wie Kanu-Wasserwandern oder Segeln", betont Thomas Konietzko, Präsident des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) - mit rund 120.000 Mitgliedern der größte Kanusport-Verband weltweit. Die Zahlen zeigten, welche wirtschaftlichen Möglichkeiten sich für die neuen Reviere rund um Leipzig und in der Lausitz eröffnen. Gerade im Leipziger Neuseenland spiele der Kanusport bereits heute eine große Rolle. "Zwischen 54 und 74 Euro gibt ein Wassertourist pro Tag in seiner Reiseregion aus", so Konietzko. Vorbild für die neuen Destinationen seien gewachsene Wassersportgebiete: "Am Bodensee zum Beispiel hängen zwei Prozent aller Arbeitsplätze vom muskelbetriebenen Wassersport ab, in Mecklenburg-Vorpommern leben rund 7.000 Menschen allein vom Wassertourismus."

"Die Interessenlage von Kanusportlern ist in allen Altersgruppen von 17 bis 70 relativ gleich. Dies ist für Investoren attraktiv, weil sie keine altersgruppenspezifischen Angebote erarbeiten müssen und sich ein Investment eher rechnet", unterstreicht Thomas Konietzko. Im Eröffnungsreferat des Seenland-Kongresses wird der DKV-Präsident das Thema Kanusport als Wirtschaftsfaktor erläutern. "Klimawandel und höhere Spritpreise verstärken den Trend zur Nutzung der Erlebnisräume in der Nähe. Gerade für Kurzurlaube wird Kanu- und Wassertourismus immer mehr zur Alternative für Städtetrips und Ausflüge in die Berge oder ans Meer", konstatiert Konietzko. Weil zahlreiche Regionen vom Fränkischen Seenland bis zum Ruhrgebiet den ökonomischen Wert ihrer Wassersportgebiete erkannt hätten, habe ein intensiver Wettbewerb eingesetzt. "Gerade das Leipziger Neuseenland kann dabei mit seinen bis in die City reichenden Wasserwegen und der einzigartigen Verbindung zwischen Sport und städtischer Kulturszene punkten. Damit ist nur noch Venedig vergleichbar. Mit einem abgestimmten Marketingkonzept werden die neuen Seen überregional noch mehr von sich reden machen."

Aber dann kommt man zu dieser Vision: Touristenmagnet Schiffshebewerk.

Bauruine Wüsteneutzsch.
Bauruine Wüsteneutzsch.
Foto: Gernot Borriss
"Rund 500.000 Schaulustige ziehen Schiffshebewerke zum Beispiel im brandenburgischen Niederfinow oder im schottischen Falkirk Wheel pro Jahr an", berichtet Michael Witfer, 1. Vorsitzender des Saale-Elster-Kanal Fördervereins. Ein Schiffshebewerk als "Leuchtturm der Architektur" gehörte zu den zentralen Visionen der im vergangenen Jahr auf dem Seenland-Kongress exklusiv vorgestellte "Potenzialanalyse Elster-Saale-Kanal". Mit dem Aufsehen erregenden Bauwerk soll der Höhenunterschied von 22 Metern überwunden werden, der bei Anbindung des Leipziger Neuseenlands über den Elster-Saale-Kanal an die Saale und damit an das deutsche Binnenwasserstraßennetz besteht. Die Studie bezifferte die Kosten für die Konstruktion auf knapp 38 Millionen Euro - bei rund 106 Millionen Euro Gesamtinvestition für die Umsetzung des Kanal-Projekts. Machbarkeit und wirtschaftliches Potenzial eines solchen Vorhabens wollen Lothar Tölle von der Deutschen Wasserhistorischen Gesellschaft sowie Michael Witfer und Dirk Becker vom Saale-Elster-Kanal Förderverein im Hauptvortrag des Seenland-Kongresses anhand internationaler Beispiele belegen.

Der Unterschied ist eklatant: Das Schiffshebewerk Niederfinow liegt am Oder-Havel-Kanal und noch heute geht über das Hebewerk Güterverkehr. Über 11.000 Schiffe passieren das Hebewerk pro Jahr und sorgen dafür, dass sich die Sache rentiert. Mittlerweile ist dort sogar der Neubau eines größeren Schiffshebewerks geplant, weil die modernen Schubeinheiten nicht in den Schleusentrog passen.

Dass auch noch 150.000 Touristen pro Jahr hier die Fahrstuhlfahrt der großen Pötte sehen wollen, kommt obendrauf, ist aber nicht die Existenzgrundlage des Hebewerks.

Aber verkauft man in Halle keine Taschenrechner?

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"Ein Schiffshebewerk erhöht die internationale touristische Ausstrahlungskraft des Leipziger Neuseenlands und des Saale-Unstrut-Triaslands enorm - anders als etwa die Alternativlösung einer unspektakulären Schleusentreppe", behauptet Witfer einfach mal. "Damit würde ein nachhaltiger Besuchermagnet geschaffen, der in den kommenden Jahrzehnten positive ökonomische Folgeeffekte generiert - von Parkplatzgebühren über Eintrittsgelder, Bootsverleih bis Hotellerie und Gastronomie."

Das übrigens steht nur als Behauptung im Raum. Das hat die Potenzialanalyse nicht ergeben.

Die gesamte Region von der Händelstadt Halle bis zur Bachstadt Leipzig profitiere davon und werde aufgewertet, träumt Witfer. "Studierende des Instituts für Stahl- und Holzbau der Fakultät für Bauingenieurwesen der Technischen Universität Dresden entwickeln als Projektarbeit im 9. Semester bereits Entwürfe für das Schiffshebewerk", so Witfer.

Anmeldung zum Seenland-Kongress:

Der 5. Seenland-Kongress findet am 14. Februar 2013 von 9:00 bis 16:30 Uhr im Rahmen der Wassersportmesse Beach & Boat (14. bis 17. Februar 2013) statt. Die Teilnahme kostet 75,00 Euro. Programm und Anmeldungen unter:
www.beach-and-boat.de/seenlandkongress

Der Elster-Saale-Kanal-Förderverein:
www.saaleelster.de

Die MZ zu den Kindheitsträumen von Michael Witfer:
www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1321007883366

Wikipedia zum Schiffshebewerk Niederfinow:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schiffshebewerk_Niederfinow



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