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Weißes Rauschen in Lindenau: Kunstraum D21 mit neuer Ausstellung "Rauschen und Flimmern" im November

Daniel Thalheim
Bild: Telcosystems/D21
Was haben Kunst und Musik im "weißen Rauschen" gemeinsam? Jener weißliche Grieß, der über die Flimmerkiste flackert oder beim Radioempfang die Musik ins Hintertreffen geraten lässt. Ab 12. November lädt der Kunstraum D21 kunstinteressierte Leipziger zu Einblicken in die Vorstellungswelt von Künstlern zu diesem Thema unter dem Namen "White Noise" ein.

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"Versucht man Rauschen und Flimmern nicht nur als negative Störungen des Übertragungsvorganges moderner Medien zu begreifen, sondern sie als eigenständige ästhetische Phänomene, als Erscheinen der Medialität von Medien selbst zu verstehen, eröffnen sich vielfältige Perspektiven produktiver Nutzung dieses Aspekts", so die Ausstellungsmacher des Kunstraums zu ihrer neuen Ausstellung.

Dabei werden am 12. November Musikjournalist Lars Brinkmann einen Vortrag zum Phänomen des Rauschens in der zeitgenössischen experimentellen Musik halten - Hörbeispiele inklusive. Zusätzlich können Besucher an einer Hörstation lauschen, was "Drone" ist.

Das Plattenlabel Drone Records liefert den Soundtrack zum weißen Rauschen mit ihren Künstlern wie Aidan Baker von der Drone-Kapelle Nadja. "Drone" heißt so viel wie "Dröhnen" oder "Brummen". Kapellen wie Nadja arbeiten mit Rückkopplungen, in Endlosschleifen geratenen Klängen, die bis zur Unkenntlichkeit verzerrt werden.

Dazu die Ausstellungsmacher der Kunstgalerie in der Nähe des Lindenauer Markts: "Neben Installationen und Videoprojektionen greifen auch viele experimentelle MusikerInnen die Thematik des Rauschens und verwandter ästhetischer Phänomene auf. Im Kontext der Ausstellung wird eine Hörstation eine Auswahl dieser KünstlerInnen in Kooperation mit dem Experimental- und Avantgarde-Label Drone Records präsentieren. Die Eröffnung der Ausstellung begleiten Live-Electronics des Labels Drone Records."

Weißes Rauschen von Telcosystems - ab November in der Galerie D21.
Weißes Rauschen von Telcosystems - ab November in der Galerie D21.
Bild: Telcosystems/D21

Am selben Abend hat auch Brian Gysins "Dreammachine", also seine Traummaschine, seinen Einsatz. "Die vom experimentellen Maler und Schriftsteller Brian Gysin zusammen mit dem Mathematiker Ian Sommerville entworfene Dreammachine stellt einen zeitgenössischen Mythos dar", so die Ausstellungsorganisatoren.

Von ihnen heißt es weiter: "Autoren wie die Untergrundikone William Burroughs wurden nicht müde, die psychedelischen Effekte, welche durch das Flackern und Flimmern der Maschine hervorgerufen werden, anzupreisen. Die Ausstellung wird zum Soundtrack der Musikgruppen Hafler Trio und Psychic TV solch eine bewusstseinserweiternde und Visionen evozierende Apparatur darbieten."

Die durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und mit freundlicher Unterstützung der Botschaft des Königreichs der Niederlande geförderte Ausstellung hat bis zum 5. Dezember noch mehr parat.

"Anne M. Klints Installation 'Oceans' (2006 – 2009) greift den Topos des Naturerhabenen auf. Die als Triptychon angelegte Installation re-inszeniert die Erfahrung der Ohnmacht angesichts der Naturgewalten im Raum der medialen Projektion und das in Endlosschleife eingespielte Rauschen der Brandung verstärkt diese Erfahrung." Die Künstlerin bringt also das Meer nach Lindenau. Auch "Telcosystems" wird es zu hören geben.

Telcosystems? Die niederländische Multimedia-Formation Telcosystems arbeitet an der Schnittstelle von Installation, Video und Konzert mit Techniken der Verfremdung und Abstraktion auf der visuellen wie auditiven Ebene - vereinte Medienkunst also, frei von üblichen Genrebindungen.

"Aus der Korrelation von Geräuschsplittern und Bildstörungsvisuals entsteht in ihren Arbeiten ein fragiles, neues Ganzes, fragmenthaft und episodisch. Verschiedene Arbeiten, die Wahrnehmungsgrenzen erkunden, die Sinne durch abstrakte Bilder und elektronische Klänge reizen und zum freien Assoziieren anregen, werden gezeigt."

Wer sich also wundert, warum es an der Hausecke des Kunstraums D21 immer so flimmert und rauscht, das ist kein Defekt oder Bildstörung. Das ist Kunst und muss nicht weg. Jedenfalls weit besser als das Rumpeln und Quietschen der Straßenbahn am Lindenauer Markt. Obwohl? Kommt wohl auf die Sicht eines Künstlers an.

Eröffnung ist am Freitag, 12. November 2010, 19 Uhr + Live-Electronics des Labels Drone Records. Dauer ist vom 3. November bis 5. Dezember 2010 im D21 Kunstraum Leipzig in der Demmeringstraße 21 von 13-19 Uhr.

Der Kunstraum D 21 im Internet
www.d21-leipzig.de


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