15 Mal Erhaltung, Teilerhaltung oder Aufgabe: Variantenuntersuchung Elsterstausee
Bernd Reiher
05.11.2010
Elsterstausee als Wiesenbiotop.
Foto: Bernd Reiher
Seit Anfang 2010 wuselt sie durch die Stuben der Stadtverwaltung, die „Variantenuntersuchung Elsterstausee“. In dem Gutachten sind 15 Möglichkeiten aufgelistet, wie es mit dem Gewässer im Südwesten der Messestadt weitergehen könnte. Öffentlich geworden ist davon noch nicht allzu viel.
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Wir haben ein wenig drin geschmökert und den Versuch unternommen, das Wesentliche der einzelnen Vorschläge herauszufiltern. Wie es damit weitergeht – das steht allerdings noch in den Sternen. Die Chefin des Amtes für Stadtgrün und Gewässer, Inge Kunath, hält alle Varianten für realisierbar. Das letzte Wort hat allerdings der Stadtrat.
Hier die einzelnen Ideen in Kurzform:
Variante 1.1.1 - Nutzung Elstermühlgraben:
Zirka 10 Meter nördlich des Grundablasses Elsterstausee befindet sich ein alter Düker. Über eine Dükerleitung kann eine Wasserzuführung über den Elstermühlgraben erfolgen. Hierzu ist das Verlegen einer Leitung unter der Elster erforderlich. Vorteil: Mit der Variante wäre die Abdeckung der Dichtschicht garantiert. Darüber hinaus wäre ausreichend Wasser im See. Nachteil: Zielwasserspiegel können nicht erreicht werden. Maximal werden zirka 117,12 Meter erreicht. Versickerungsmenge wird nicht verringert.
Variante 1.1.2 - Grabensystem Neue Paußnitz:
Die Variante, bei der der See durchflossen werden soll, stammt von William Grosser. Dazu soll oberhalb Gefällestufe Hartmannsdorf eine Entnahme aus der Elster erfolgen und über ein Grabensystem in den See geleitet werden. Bestandteil ist die Anbindung an die Elster innerhalb des Deichsystems. Damit ergeben sich Probleme bei Hochwasser. Vorteil: Der See wird ohne zusätzliche Energiezufuhr durchflossen. Nachteil: Bei Veränderung der Gefällestufe Elster in Hartmannsdorf muss die Anbindung Paußnitz erneuert werden. Aus heutiger Sicht ist damit zirka 2020 zu rechnen.
Variante 1.1.3 – Fischpass:
Die Variante wurde von Prof. Graw von der Universität Leipzig 2002 untersucht. Bei ihr wird ebenfalls oberhalb Gefällestufe ein Entnahmebauwerk aus der Elster vorgesehen. Ein Grabensystem leitet das Wasser in den See. Im Bereich Grundablassbauwerk wird ein neuer Graben zur Elster geführt. Vorteil: Der See wird ohne zusätzliche Energiezufuhr kontinuierlich durchflossen. Fischgängigkeit der Weißen Elster. Nachteil: Mögliche Hochwasser der Elster wirken sich auf den Elsterstausee aus. Jährlich Unterhaltungskosten. Versickerungsmenge wird nicht verringert.
Das Wasser ist abgelaufen, der See verlandet: der Elsterstausee.
Foto: Bernd Reiher
Variante 1.2.1 - Hydraulischer Widder:
Das Prinzip basiert auf einer von John Whitehurst 1772 entwickelten Konstruktion, welche sich des Druckstoßes bedient. Das Verhältnis von Triebwassergefälle und Triebwasserleitungslänge muss 1:4 betragen. Zum Betrieb bedarf es einer zehnfachen Anströmung. Die Widderanordnung könnte im Bereich des Auslaufbauwerkes erfolgen. Vorteil: See wird ohne Energiezufuhr kontinuierlich bespannt. Nachteil: Es existiert ein Betriebspunkt, welcher Kosten nach sich zieht. Eingriff in den Hochwasserschutzdeich der Elster notwendig. Versickerungsmenge wird nicht verringert. Lärmbelästigung während des Betriebs.
Variante 1.2.2 - Nutzung Flutungsleitung LMBV:
Südlich des Elsterstausees verläuft eine Leitung der LMBV. Diese soll ein T-Stück mit Abgang Elsterstausee besitzen. Die Leitung wird zur Flutung der Tagebauseen genutzt. Nach Unterlage steht die Leitung nicht vor 2018 zur Verfügung. Vorteil: Nutzung einer bereits getätigten Investition. Nachteil: Zeitpunkt unklar. Kosten der Übernahme einer weiteren Anlage (Pumpstation) unklar. Versickerungsverlustmenge nicht verringert.
Variante 1.2.3 - Pumpwerk mit konventioneller Energie:
Die im Pumpwerk vorhandenen Pumpen dienen der Befüllung des Elsterstausees bis zu einer Wasserspiegelhöhe von 117,90 Meter ü. NN. Vorteil: Bestehende Anlagen weiter nutzbar. Nachteil: Für die Stromentnahme ergeben sich Kosten. Stromeinspeisung muss erneuert werden. Versickerungsmenge wird nicht verringert.
Variante 1.2.4 - Pumpwerk mit alternativer Energie:
Als Energiezufuhr wird ein Kleinwindrad mit Photovoltaikkopplung in Containerbauweise gewählt. Der Container besitzt eine Vorrichtung mit Photovoltaikanlage, so dass Sonnenenergie genutzt werden kann. Vorteil: Autarke Betriebsweise. Verkauf der überschüssigen Energie. Bestehende Anlagen weiterhin nutzbar. Nachteil: Kapazität des Windcontainers auf die vorgesehenen 100 kW begrenzt. Versickerungsmenge wird nicht verringert.
Variante 1.3.1 – Lehmdichtung:
Nach Beendigung der Wasserzufuhr ist der Elsterstausee ausgetrocknet. Infolge der bisher eingetretenen Winterereignisse ist davon auszugehen, dass die Dichtung teilweise zerstört ist. Vor einer weiteren Nutzung muss die Dichtung erneuert werden. Vorteil: Versickerungsmenge wird verringert und damit ergibt sich Verringerung der Kosten für die Wasserzufuhr. Nachteil: Hohe Investitionskosten. Zusätzliche Baustoffe notwendig.
Variante 1.3.2 – Bentonitmatten:
Wie bereits geschildert, muss von einer zerstörten Auelehmdichtung ausgegangen werden. Diese lässt sich nur mit einem hohen Aufwand sanieren. Um eine Kostenminimierung durchzuführen, kann eine Dichtung aus Bentonitmatten hergestellt werden. Vorteile: Die Versickerungsverlustmenge wird verringert. Nachteile: Sehr hohe Investitionskosten.
Hier gab's 2008 zumindest noch eine Pfütze ...
Foto: Bernd Reiher
Variante 1.4.1 - Aufreißen und neu verdichten:
Eine Minimalanforderung an eine funktionierende Dichtung kann mit Aufreißen und Neuverdichten der Auelehmdichtung erzielt werden. Der Vorgang erfolgt durch Einkneten mittels Schaffußwalzen. Abschließend Glättung der Oberfläche. Mit dieser Vorgehensweise wird die Dichtung nicht vollständig saniert. Es wird aber ein ausreichend großer Anteil in gebrauchsfähigen Zustand versetzt. Vorteil: Versickerungsmenge erheblich verringert und damit ergibt sich Verringerung der Kosten für die dauerhafte Wasserzufuhr. Keine zusätzlichen Baustoffe notwendig. Nachteile: Die Dichtung bleibt gering durchlässig.
Variante 1.4.2 – Flüssigbodenaufbereitung:
Bei der Methode wird eine zeitweise Verflüssigung des Aushubbodens mit Wiedereinbau ohne mechanische Verdichtung angewendet. Hierbei werden Teile der Auelehmdichtung flüssig aufbereitet und ausgegossen. Über die Verdunstung wird der flüssige Lehm entwässert und dichtet alle Risse der Dichtungsschicht. Vorteil: Versickerungsmenge verringert und damit ergibt sich Verringerung der Kosten für die Wasserzufuhr. Keine zusätzlichen Baustoffe notwendig. Nachteil: Hohe Investition. Modellierung der Fläche nicht direkt möglich.
Variante 2.1 – Sukzession:
Unter dieser Variante ist die Verlandung des Elsterstausees zu verstehen. Es bleibt alles so, wie es ist. Weiterhin werden die vorhandenen Bauwerke nicht mehr benötigt. Die Dammkörper können erhalten bleiben. Vorteil: Keine Betriebskosten zur Bespannung des Sees. Geringe Investitionskosten. Nachteil: Das Landschaftsbild verändert sich grundlegend.
Variante 2.2 – Aufforstung:
Hierunter ist zu verstehen, dass der derzeitige Zustand zu Gunsten einer Waldfläche verändert wird. Der Dammkörper bleibt in der bestehenden Form erhalten. Vorteile: Keine Betriebskosten. Geringe Investitionskosten. Es könnte ein Nutzwald entstehen. Nachteile: Das Landschaftsbild (Gewässerareal) verändert sich grundlegend.
Variante 3.1 - Teilerhaltung als Reststausee:
Vom Prinzip her geht es um die Erhaltung einer Restfläche von zirka 50 Prozent. Die Frage, ob 25 oder 75 Prozent, ist eine Kostenfrage. Die Arbeitsschritte sind für alle drei Restflächen gleich. Die Ausbaustufe ist abhängig von Kombinationen der bereits vorher beschriebenen Einzelvarianten.
Variante 3.2 - Renaturierung Altarm:
Der ursprüngliche Verlauf der Elster liegt innerhalb des Sees. Die Variante sieht vor, den Verlauf wieder herzustellen. Restflächen sollen aufgeforstet werden. Beschickung des Altarmes erfolgt über Zulaufgraben, kann auch über Pumpwerk erfolgen. Denkbar auch Lösung mittels Schöpfrad. Vorteil: Urzustand vor Bau des Elsterstausees. Nachteil: Graben bzw. Nutzung des Pumpwerkes notwendig. Zusätzliche Kosten.
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