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Vom Bürgeramt zum Bürgerzentrum: Initiative will aus Rathaus Plagwitz eine soziokulturelle Anlaufstelle machen

Gernot Borriss
Ehemaliges Rathaus Plagwitz.
Ehemaliges Rathaus Plagwitz.
Foto: Gernot Borriss
Mit einer Mischung aus Kultur, Sozialberatung und selbstbestimmtem Wohnen soll aus dem Plagwitzer Rathaus „eine wichtige Anlaufstelle für die Bürger des Stadtteils“ werden. So plant es die Initiative „Jeter un Pont e.V.“, die das seit einem Jahr leer stehende Gebäude von der Stadt Leipzig erwerben will. Ein L-IZ-Interview mit Initiativen-Sprecher Samuel Neumann.

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Seit gut einem Jahr steht das Plagwitzer Rathaus an der Alten Straße/ Ecke Weißenfelser Straße leer. Das Bürgeramt Plagwitz und eine Außenstelle des Jugendamtes sind längst weg.

Nun steht der 1884 errichtete Bau zum Verkauf. Unter den Bietern befindet sich „Jeter un Pont“. Das steht für Brücken bauen. Die Initiative will in dem einstigen Verwaltungsbau ein soziokulturelles Zentrum etablieren.

„Wir hoffen, dass die Stadt eine mutige Entscheidung fällt und die Tür öffnet, um unseren Ideen, unserer Kreativität und unseren Projekten den Raum zu geben, den wir für deren Umsetzung brauchen“, begründet Florian Gilles, Geschäftsführer der Initiative, das Bemühen um den Erwerb der Immobilie. Sicher könne man beim Kaufpreis nicht mit Großinvestoren mithalten. „Dennoch sind wir überzeugt, dass wir der Stadt und dem Stadtteil langfristig viel mehr bieten können – eine einmalige Chance für ein bürgernahes Stadtteilzentrum, wie es sich heute keine Stadt mehr leisten kann“, so Gilles weiter.

Aus dem Rathaus Plagwitz könnte ein Bürgerhaus werden.
Aus dem Rathaus Plagwitz könnte ein Bürgerhaus werden.
Foto: Gernot Borriss

Zu dem Zentrum sollen ein Café als offener Treffpunkt, Seminarräume, ein Tonstudio für Nachwuchsmusiker, Ateliers, eine Zirkus- und Theaterwerkstatt für Erwachsene und Kinder, Holz- und Metallwerkstätten, das Büro einer sozialen Beratungsstelle und eine Bestandsbibliothek westdeutscher Nachkriegsliteratur gehören.

Dabei setzt man in einem so kinderreichen Stadtteil wie Plagwitz auf kindgerechte Ausgestaltung der Räume. Das Herzstück des öffentlichen Raumes soll ein großer Bürgersaal mit einer Bühne für Lesungen, Theaterstücke und Konzerte werden, teilt die Initiative weiter mit. Der Saal soll als Kommunikations-, Ausstellungs- und Veranstaltungsraum dienen.

L-IZ hat bei Samuel Neumann, dem Sprecher von „Jeter un Pont“, nachgefragt.

Wie würden Sie die Philosophie von „Jeter un Pont“ beschreiben?

Der „Jeter un Pont“ sieht sich als Gruppe gesellschaftlich interessierter Menschen. Wir wollen durch die Bereitstellung von nichtkommerziellen Räumen für Kultur und soziales Engagement alle Menschen, implizit sozial benachteiligter, ansprechen und den Kontakt zu ihnen suchen. Wir organisieren uns basisdemokratisch und versuchen so, gesellschaftliche Probleme bereits in unserer Organisationsstruktur zu berücksichtigen und nach Lösungsansätzen zu suchen.

Im Januar vor einem Jahr schloss im ehemaligen Plagwitzer Rathaus das Bürgeramt.
Im Januar vor einem Jahr schloss im ehemaligen Plagwitzer Rathaus das Bürgeramt.
Foto: Gernot Borriss
Als Bewohner_innen des Hauses wollen wir unseren Alltag gemeinsam gestalten und Probleme in der Gruppe besprechen. Das Modell des Freiburger Mietshaussyndikates ermöglicht es uns, Mieter in unserem eigenen Haus zu sein und so unabhängig von einem Vermieter über alle Belange des Projektes selbstbestimmt zu entscheiden.

Was spricht gerade für die Nutzung des ehemaligen Plagwitzer Rathauses durch „Jeter un Pont“?

Das ehemalige Rathaus in Plagwitz ist noch bis Ende 2010 als Bürgeramt genutzt worden und daher im Viertel noch als öffentlicher Raum im Gedächtnis.

Die Nutzung als Ort des ehrenamtlichen bürgerlichen Engagements ist daher nur folgerichtig. Natürlich können wir der Nachbarschaft nicht das Bürgeramt zurückgeben. Es soll jedoch neben Kulturangeboten eine Sozialberatungsstelle eingerichtet werden, sodass das ehemalige Rathaus auch weiterhin eine wichtige Anlaufstelle für die Bürger des Stadtteils sein kann. Zudem wird in den oberen Etagen kostengünstiger Wohnraum für fünfzig Personen entstehen, der gerade im Blick auf das steigende Mietniveau dringender denn je benötigt wird.

Wer kann sich bei „Jeter un pont“ wie einbringen?

Grundsätzlich sind alle willkommen, die sich von unserer Idee eines soziokulturellen Zentrums angesprochen fühlen. Sobald wir den Zuschlag für das Objekt erhalten haben, werden wir an die Öffentlichkeit herantreten und zu einer Informationsveranstaltung einladen, bei der auch schon Kontakte zu interessierten Personen oder Gruppen geknüpft werden können. Bis dahin können wir auf ein eingespieltes Team bauen, das sich um die Formalitäten bis zum Tag der Entscheidung kümmern wird. Sehr helfen würde uns natürlich eine angeregte Diskussion über unser Vorhaben in der Öffentlichkeit, damit auch im Entscheidungsgremium bekannt ist, dass es sich bei dem Vorhaben um ein für die Stadtteilentwicklung relevantes Projekt handelt. Die Bürgerinnen und Bürger können uns unterstützen, indem sie uns zum Stadtgespräch machen.

Welche Rolle sollen die Bürgschaftsverträge spielen?

Bürgschaftsverträge spielen nur eine kleine Rolle in unserem Finanzierungskonzept. Sie sind eine Sonderregelung der GLS Bank und erlauben es, Bürgschaften als teilweisen Ersatz für Eigenleistung anzuführen. Zusätzlich können so geringfügig bessere Konditionen erzielt werden. Im Rahmen des von uns angestrebten Kredites liegt der Anteil der Bürgschaften jedoch bei unter zehn Prozent.

Kontakt: rathaus@ymail.com

www.soziokulturelles-zentrum.info


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