Steigende Mieten in Leipzig: Linke beantragen Neuberechnung der Kosten der Unterkunft
Ralf Julke
28.01.2012
Leipzigs Mieten steigen - die KdU hinken hinterher.
Foto: Matthias Weidemann
Dass in Leipzig besonders in attraktiven Lagen die Mieten steigen, dazu braucht es nicht alle halbe Jahre eine neue Meldung. In der letzten Woche hat der Immobilienverband Deutschland Mitte-Ost dazu beiläufig etwas vermeldet. Immerhin sind Sachsens Großstädte wieder für Geldanleger attraktiv. Doch dadurch kommt auch der Wohnungsmarkt für Sozialbedürftige unter Druck.
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Dass in Leipzig die Mieten in wesentlichen Ortsteilen steigen, hat zwei Gründe. Die beide miteinander zusammen hängen. Der eine ist die seit über zehn Jahren anhaltende Zuwanderung in die Stadt, die die Einwohnerzahl von 489.532 im Jahr 1999 auf mittlerweile inoffizielle 528.049 gesteigert hat. Das ist die Zahl des Landesamtes für Statistik aus dem September - die mit dem üblichen Fragezeichen zu lesen ist. Denn nach Auswertung des Zensus 2011 werden deutschlandweit wahrscheinlich die amtlichen Zahlen nach unten korrigiert.
Am Trend ändert es nichts. Mit dem Jahr 2000 ging auch in Westsachsen die Suburbanisierungs-Phase zu Ende, seitdem dominiert die Re-Urbanisierung die Entwicklung: Die Menschen ziehen verstärkt vom Land in die Großstadt. Eine Entwicklung, die in zahlreichen Bundesländern auch noch mit einem staatlich forcierten Rückbau von Infrastrukturen wie Schulen, Ämtern und Polizeistationen im ländlichen Raum verstärkt wird.
In Leipzig sorgt das für einen nachhaltigen Rückgang des Wohnungsleerstands. Waren vor einigen Jahren noch über 40.000 leer stehende Wohnungen gezählt worden, geht das Leipziger Planungsdezernat aktuell noch von rund 11.000 aus. Mit dem Rückgang des Leerstands steigen natürlich in den attraktiven Stadtvierteln die Mieten. Was - das ist der zweite Trend - diese Viertel für Anleger natürlich wieder interessant macht.
In Spitzenlagen wie dem Waldstraßenviertel, dem Musikerviertel, Gohlis-Süd und in Zentrumslagen werden mittlerweile bis zu 10,00 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete verlangt, stellt der IVD fest. Und die Finanzkrise sorgt zusätzlich dafür, dass immer mehr Geldanleger wieder in Immobilien auch in Leipzig investieren. „Auch wenn es mittlerweile einige Neubauprojekte in Toplagen gibt, ist die momentane Nachfrage durch den Bestand schwer zu decken. Da sich diese Objekte als Eigentumswohnungen an den Selbstnutzer wenden und kaum dem Mietmarkt zur Verfügung stehen. Daher rechnen wir mit einem weiteren Anstieg der Mieten“, sagt Andreas Köngeter, Mitglied des IVD Mitte-Ost und Immobilienmakler aus Leipzig.
Ähnliche Tendenzen registriert der Experte auch bei den Grundstücks- und Hauspreisen: „Die Sorge vor einer möglichen Geldentwertung lässt die Menschen wieder verstärkt nach Sachwerten Ausschau halten. Allen voran die Immobilie. Befördert wird dies durch die niedrigen Kreditzinsen. Da vor allem gute Lagen beziehungsweise hochwertige Immobilien nur begrenzt verfügbar sind, gehen auch hier die Werte nach oben.“ So wird in Leipzig für ein freistehendes Eigenheim mit Garage und ortsüblich großem Grundstück je nach Wohnwert zwischen 135.000 Euro bis 470.000 Euro verlangt. Tendenz steigend.
Leipzigs Finanzlage engt die Spielräume bei Kosten der Unterkunft ein.
Foto: Matthias Weidemann
Ähnlich stellt sich die Situation in Dresden dar. Höchstpreise werden dort für Wohnungen am Elbhang und am Neumarkt gezahlt. Die Spitzenwerte liegen hier bei 8,00 Euro pro Quadratmeter. Für freistehende Eigenheime liegen die Werte je nach Wohnsituation aktuell zwischen 120.000 Euro bis 500.000 Euro. „Dresden wächst. Sowohl durch Zuzug als auch durch die Geburtenrate. Verbunden mit einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung rechnen wir mit steigenden Preisen. Wer eine Immobilie in der Landeshauptstadt erwerben möchte, sollte dies zeitnah tun. Günstiger wird es auf keinen Fall“, schätzt Karl-Heinz Weiss ein.
Das heißt natürlich auch, dass auch das Wohnungsangebot für Menschen, die auf Leistungen des Jobcenters Leipzig angewiesen sind, schmilzt. Immer seltener finden sie Wohnungen, die auch noch den Leipziger Sätzen für die Kosten der Unterkunft entsprechen.
"Zu dieser Entwicklung passt aber die seit Juni 2011 geltende Richtlinie für die Angemessenheit der Kosten der Unterkunft für die immer noch rund 45.000 Leipziger Bedarfsgemeinschaften in keiner Weise", stellt Naomi-Pia Witte fest, sozialpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Leipziger Stadtrat. "So liegen die Sätze in Leipzig deutlich unter denen der beiden anderen sächsischen Großstädte. Ja, selbst der Landkreis Leipzig billigt seinen Transferempfängern deutlich höhere Mietkosten zu."
Was die Landkreise auch deshalb können, weil sie vom Freistaat mehr Geld für die Unterkunftskosten überwiesen bekommen, als sie rechnerisch tatsächlich brauchen. Grund dafür: die Nettobelastungsermittlungsverordnung aus dem Jahr 2006, die nur zur Hälfte die tatsächlichen Mietkosten vor Ort berücksichtigt. Was für eine Stadt wie Leipzig allein in den letzten fünf Jahren ein Minus von 20 Millionen Euro bedeutete.
Aktuell liegt die übernommene Bruttokaltmiete für Bedarfsgemeinschaften, die in Leipzig für eine Ein-Personen-Bedarfsgemeinschaft übernommen wird, bei 243,90 Euro, in Dresden bei 276,00 Euro, in Chemnitz sogar bei 300,00 Euro und in Grimma immerhin noch bei 271,30 Euro.
"Bei den Mieten ganz oben, bei der Kostenübernahme für Hartz IV-Empfänger ganz unten, das passt nicht zusammen", meint Naomi Pia-Witte.
Deshalb hätten nun die Leipziger Bundestagsabgeordnete Dr. Barbara Höll, der Landtagsabgeordnete Dr. Dietmar Pellmann und die Stadträtin Naomi-Pia Witte in einer gemeinsamen Erklärung die Neuberechnung der Leipziger Richtlinie für die Kosten der Unterkunft gefordert. Folgerichtig hat die Leipziger Stadtratsfraktion auch in der Ratsversammlung vom 25. Januar einen Antrag mit der Forderung nach dieser Neuberechnung der Kriterien für die Angemessenheit der Kosten der Unterkunft ins Verfahren eingebracht.
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