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Galerie ARTAe: Ein künstlerischer Lebenszyklus von Sonomi Kobayashi und Bettina Lüdicke - Ein Gespräch + Bildergalerie

Daniel Thalheim
Sonomi Kobayashi und Bettina Lüdicke in der Galerie ARTAe.
Sonomi Kobayashi und Bettina Lüdicke in der Galerie ARTAe.
Foto: Daniel Thalheim
Sonomi Kobayashi ist keine Unbekannte in der Galerie ARTAe. War sie schon 2008 hier. Ob sie damals auch so viele Werke verkaufte wie an diesem Freitagabend, kann nur sie beantworten. Gemeinsam mit den Galeristen Sabine Aichele-Elsner und Marian Elsner freuen sich auch zahlreiche Gäste und Freunde der Galerie mit der japanischen Künstlerin. Doch auch Bettina Lüdicke hat es drauf und war schon 2009 in der Gohliser Galerie zugegen.

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Zusammenführerin der beiden Künstlerinnen ist Galeristin Sabine Aichele-Elsner. "Man muss einfach auf unsere wunderbare Galeristin schauen, die uns zusammen gebracht hat", erklärt Bettina Lüdicke der L-IZ. Sonomi Kobayashi steht an diesem Freitag neben ihr und kann nur zustimmen - die Doppelausstellung "Kontinuum" wird gerade eröffnet. "So geht es oft, dass man Kollegen über eine gemeinsame Ausstellung kennenlernt."

Kobayashi erzählt, dass sie schon vor drei Jahren eine Gemeinschaftsausstellung in der Galerie ARTAe hatte. Damals hatte zwar Bettina Lüdicke nur die Arbeiten der Japanerin gesehen, hatte sie aber erst persönlich in Berlin getroffen. Doch Galeristin Aichele-Elsner kam auf die Idee, beide zusammen zu führen. Doch Lüdicke betont, dass Kobayashi und sie schon vorher Lust hatten, etwas gemeinsam zu unternehmen. Denn ihre Arbeiten harmonieren perfekt miteinander.

"Es sind alle aktuelle Arbeiten, die sogar teilweise extra für diese Ausstellung angefertigt wurden", erläutert Aichele-Elsner vor allem zu den 2011 entstandenen Werken von Sonomi Kobayashi. "Ganz besonders ist es, dass sie eine neue Technik entwickelt hat. Im Vergleich zu früher als das Farbige direkt aufs Blatt aufgetragen wurde, sind es dieses Mal Collagen." Lüdicke stellt viele neue Arbeiten von 2010 und 2011 aus. Die Künstlerin versucht zu erklären, warum sie schon lange mit dem Material Draht arbeitet. "Mein Thema ist der Raum. Oder besser gesagt Räume im Sinne von Möglichkeiten. Ich beschränke mich auf Punkte und Linien, um den Raum zu umschreiben. Im Grunde sind meine Arbeiten Zeichnungen im Raum."

Galerie ARTAe zur Ausstellungseröffnung am 9. September.
Galerie ARTAe zur Ausstellungseröffnung am 9. September.
Foto: Daniel Thalheim

Dabei wird Lüdicke nie gegenständlich und abbildhaft, sondern bleibt abstrakt und damit geheimnisvoll. "Meine Arbeiten sind niemals gegenständlich. Mit dem Titel gebe ich zwar einen kleinen Hinweis, doch die Interpretation liegt im Auge des Betrachters. Zum Beispiel das Werk 'Besucher'. Hier glaube ich, dass sich jeder etwas zum Begriff 'Besucher' vorstellen kann. Ich habe den Titel gewählt, weil in diesem Begriff schon das Haus des Anderen steckt. Der Raum des Anderen steckt im Begriff 'Besucher'. Also habe ich in einem Wort den Raum schon inklusive." Mit dem Gedanken, dass Lüdicke mit ihren Arbeiten Geschichten erzählt, kann sie sich rasch anfreunden. "Vielleicht zeige ich Situationen. Meine Arbeiten haben sehr viel mit Begegnung und Dialog zu tun."

"Geschichten erzählen ist eine schöne Metapher", schaltet sich Sabine Aichele-Elsner ein. "Wenn man die Linien entlang und so in die Räume hineingeht, die Bettina Lüdicke erschafft, vergeht Zeit für den Betrachter. Eine erzählte Geschichte lässt auch Zeit verstreichen, wenn man dem roten Faden behält. Und für jeden vergeht Zeit anders. Bei beiden Künstlerinnen empfinde ich den Aspekt Zeit als besonders zutreffend und schon deshalb, weil das wiederum mit dem Raum zusammenhängt. Durch das lineare in beiden Arbeiten hat man auch einen Zeitaspekt. Im Grunde sind beide Werke erzählerisch, weil man sich öffnen und leiten lässt."

Wie ist es bei Sonomi Kobayashi? Sie schildert, wie ihre Werke Lebenszyklen beschreiben. So heißen sie auch. In ihren Zeichnungen versucht die japanische Künstlerin, Punkte zu verbinden. Dafür benutzt sie japanische Sumi-Tinte und bringt damit Kreise aufs Papier. Durch ihre japanische Herkunft nutzt die Künstlerin die vorwiegend für die Kalligraphie verwendete Stangentusche. Dabei pustet sie auf die aufgetragenen Kleckse, so dass durch Zufall Formen und Punkte entstehen. Ihre geklecksten Kreise ähneln fast schon im übertragenen und philosophischen Sinn Lebenszyklen oder Lebenswegen. Hier spielen wie in Kobayashis Arbeiten sowohl Planungen als auch Zufälle wichtigen Rollen. "Manchmal kommt ein positiver Fehler dabei heraus", sagt Kobayashi lachend. Aichele-Elsner ergänzt: "Manchmal verläuft auch bei einer sonst geraden Lebensplanung etwas nach links oder rechts. Aus dem Missgeschick oder Ungeplanten macht sie etwas Positives."

Lüdicke fügt hinzu: "Aus einem Missstand kann etwas Neues erschaffen werden, so wie es auch im Leben ist. In dieser gedanklichen Welt begegnen wir uns, weil wir ähnliche Ansätze haben." Von Geraderücken kann dabei nur halbe Rede sein, man baut neue Ereignisse in sein Leben ein und so entstehen letztlich auch die Arbeiten von Lüdicke und Kobayashi.

"Akzeptiert das Unplanmäßige", betont Lüdicke: "Das kann eingebaut und eingesponnen werden in den bisherigen Kunst- und Lebensentwurf. Nur so wird es ein Teil vom Ganzen." Dass die Gäste der bis zum 29. Oktober dauernden Ausstellung "Kontinuum" rätseln könnten, besorgt die Künstlerinnen nicht. Zumindest Bettina Lüdicke weiß, dass Kunstinteressierte auch Fragen an die Kunstwerke haben und so mit der Künstlerin ins Gespräch kommen. Vielleicht wird es auch philosophisch.

Galerie ARTAe Online
www.artae.de

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