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Bieterverfahren um die Stadtwerke Leipzig: Auch Veolia steigt in den Ring

Ralf Julke
Foto: Veolia
Foto: Veolia
Es passte. Genau am Montag, 23. April, begann die Suche der Stadt Leipzig nach einem neuen Partner für die Stadtwerke. In diversen Tageszeitungen wurde die Anzeige geschaltet, die große, kompetente und potente Partner auffordert, ihre Offerten für einen Einstieg in Leipzig abzugeben. Und wie es der Zufall will, lud Veolia Environnement am Abend erstmals Leipziger Journalisten ein zum Veolia-Stammtisch. Veolia wird sich am Bieterverfahren beteiligen. Das bestätigte Christophe Hug, Leiter der Veolia-Stadtwerkeprojekte.

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Neben Electrabel aus Berlin ist damit der zweite interessante Akteur im Rennen. EnBW, VNG und Vattenfall haben zumindest angedeutet, dass sie auch mitmachen. Auch wenn sie möglicherweise - was diesmal ausgeschlosen sein soll - "konfliktäre Interessen verfolgen". Was ja bekanntlich schon einmal schief gegangen ist beim ersten Teilverkauf an die MEAG. Das soll - so OB Burkhard Jung - diesmal nicht passieren. "Wir brauchen einen echten strategischen Partner", hat er kurz vor der Stadtratsabstimmung am 17. April gesagt. "Nicht zum Schuldenabbau - das auch. Aber zuallererst, um das Überleben der Stadtwerke zu sichern."

Denn darüber können alle Geschäftszahlen nicht hinwegtäuschen: Seit der EU-weiten Liberalisierung des Energiemarktes steht die Existenz der deutschen Stadtwerke in Frage. Denn auf dem liberalisierten Markt haben jene die besseren Karten, die über Netze und Kraftwerkskapazitäten bestimmen und ihr Geld mit Masse machen. "Die dezentrale Versorgung über Stadtwerke, wie sie in Deutschland historisch entstanden ist, ist in Europa ein Einzelfall", sagt Christopher Hug zum Stammtisch im Reuschels Weineck. "Es ist ein ungeheurer Vorteil, so nah am Kunden präsent zu sein."

Christophe Hug. Foto: Veolia
Christophe Hug. Foto: Veolia
Er weiß, wovon er spricht, ist neben seinem Vorsitz in der Geschäftsführung der Veolia Wasser GmbH auch Leiter der Stadtwerkeprojekte, zu denen mittlerweile Engagements in Görlitz, Weißwasser und Braunschweig gehören. Hugs Büro ist im Sachsenpark in Leipzig. "Da haben wir 1997 mit vier Leuten angefangen", erzählt der Franzose. "Heute sind wir 120."

Zum Stammtisch brachte er Dr. Ulrich Lehmann-Grube mit, Sohn des langjährigen Leipziger Oberbürgermeisters Hinrich Lehmann-Grube. Er ist seit 1999 bei Veolia und leitet das Braunschweiger Stadtwerke-Projekt BS Energy. Die Stadt Braunschweig ist daran noch mit 25,10 Prozent beteiligt. "Und ich habe lange gekämpf darum, die put-Option aus den Verträgen herauszubekommen", erzählt Lehmann-Grube. Mit der put-Option hätte Braunschweig dem Mehrheitseigner Veolia auch noch die restlichen 25,10 Prozent verkaufen können. "Und genau das wollten wir nicht", so Lehmann-Grube. "Es gibt nichts Schlimmeres für ein Stadtwerk, als wenn die Kommune nicht mehr zu ihm steht. Dann ist ein Stadtwerk verraten und verkauft. Denn das große Plus eines Regionalversorgers ist sein Vertrauensbonus."

Wenn es um neue Tarife oder Bauprojekte geht, wird das im Wirtschaftsausschuss des Braunschweiger Stadtrats besprochen, bevor es zum Beschluss wird. "Der Aufsichtsrat wird in diese Entwicklungen genauso einbezogen", so Lehmann-Grube. "Was die Leute am Ende dazu bringt, ihre Kontrollpflicht tatsächlich wahrzunehmen."

Natürlich seien die Stadtwerke Leipzig derzeit das spannendste Kaufobjekt auf dem Markt. "Da werden viele ihr Angebot abgeben", sagt er.

Auch wenn mittlerweile in allen deutschen Stadtwerken die Angst um das Überleben umgeht und die regionalen Märkte von Preisaktionen der großen Energieerzeuger kannibalisiert werden, sie haben einen echten Vorteil: Sie sind in der Region verankert, haben die direkten Leitungen zu den Kunden und enge Verflechtungen zu Wirtschaft und Region. Sie können - als einzige - den Umbau der alten Abhängigkeit von den großen Energielieferanten hin zu alternativer Energieerzeugung gestalten.

"Das sind Dinge, die die großen Anbieter eher wenig interessieren", so Lehmann-Grube. "In Braunschweig haben wir ein Jahr gebraucht, um aus den Gaslieferverträgen rauszukommen. Wir organisieren unsere Gaskäufe heute am Spot-Markt - und die Braunschweiger kommen trotzdem besser weg." Genauso sei der Betrieb von Kraft-Wärme-Kopplung in eigenen Erzeugeranlagen nur regional sinnvoll. "Wärme lässt sich eben nicht über große Entfernungen transportieren", so Lehmann-Grube.

Bis zum 14. Mai können Interessenten ihr Interesse an den 49,9 Prozent der Stadtwerke Leipzig bekunden. Dann geht's in Klausur und die Auswahljury kürt jene Wettbewerbsteilnehmer, die die vom Stadtrat beschlossenen Vorgaben am besten Erfüllen. Die dürfen dann die Unternehmensdaten der Stadtwerke genauer unter die Lupe geben. "Und erst in dieser Phase werden die ersten Preisvorstellungen entwickelt", so Dr. Ulrich Lehmann-Grube, "nicht früher. Und natürlich beeinflusst das, was die Experten dann in den Zahlenwerken finden, den Kaufpreis. Und der ist um so höher, je besser die Zahlen sind."



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