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Eine unwahre Weihnachtsgeschichte: Schweizer Vorbild - Leipzig führt 2010 eine offizielle Komplementärwährung "WIR" ein

Michael Freitag
Neue Komplementärwährung: WIR.
Neue Komplementärwährung: WIR.
Eine frei erfundene Weihnachtsgeschichte der L-IZ.de: Nach langen Gesprächen zwischen Leipziger Sparkasse, Leipziger Wohnungsbaugesellschaften, verschiedenen Bürgervereinen, IHK, Dehoga und Handwerkskammer hat der Stadtrat in der letzten Sitzung vor Weihnachten einer weit reichenden Beschlussvorlage der Stadtverwaltung zugestimmt. Ab März 2010 soll die erste offizielle Komplementärwährung namens "WIR" in Leipzig eingeführt werden.

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Gestalter im Handwerk Zweijähriger berufsbe-
gleitender Studiengang

Hinweis zu diesem Artikel

Dieser Artikel ist Teil der L-IZ-Weihnachtsserie "Gute Nachrichten", in der Autoren der Leipziger Internet Zeitung darüber schreiben, was geschehen könnte, wenn ein klein wenig mehr Vernunft regieren würde und die Menschen ein klein wenig mehr Sinn für die Einmaligkeit des Lebens auf diesem blauen Planeten hätten. Wunschgeschichten, die aber nicht wirklich weit weg sind von dem, was möglich ist.

Siehe auch: Jahresendsignale 2009 von der Leipziger Internet Zeitung
(vom 24. 12. 2009)

Lange Sitzungen und Gespräche waren einem Schritt vorausgegangen, der derzeit einzigartig in Deutschland ist. Am 23. 12. 2009 traten Oberbürgermeister Burkhard Jung, Uwe Albrecht (Bürgermeister für Wirtschaft), Heiko Rosenthal (Umweltbürgermeister) und Finanzbürgermeister Dirk Müller gemeinsam mit einer Meldung vor die versammelte Presse, die an Sprengkraft nicht mehr zu überbieten war.

"Ab März 2010 wird es in der Stadt Leipzig eine eigene Währung mit Unterstützung der Leipziger Sparkasse namens WIR – Wirtschaft in Region – geben. Die Währung wird sich am Euro orientieren und in einem festen Wechselkurs von 1:1 angeboten. Unter Federführung der Industrie- und Handelskammer zu Leipzig, der Handwerkskammer zu Leipzig und dem Gastronomie- und Lebensmittelverband Dehoga sowie der Leipziger Konsumgesellschaft und der ARGE soll damit eine regionale Komplementärwährung vorerst für den Regierungsbezirk Leipzig, später für ganz Sachsen etabliert werden", eröffnete Dirk Müller ohne lange Vorrede die Pressekonferenz.

Weitere sächsische Städte, wie Chemnitz, Dresden aber auch das sachsen-anhaltinische Halle (Saale) hätten bereits anlässlich des Städtetages 2009 Interesse angemeldet, führte Uwe Albrecht als amtierender Bürgermeister für Wirtschaft aus.

Begründet wurde dieser gravierende Schritt in einer vorab verteilten Pressemitteilung mit der zu erwartenden weiteren Verschlechterung der kommunalen Haushaltslage in 2010 nach Inkrafttreten des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes und der nachteiligen Verteilung der Steuermittel des Bundes auf Länder und Kommunen. "Die Kommune Leipzig selbst hat bereits eine Verschuldungslage von 723 Millionen Euro, Tendenz steigend und weitere finanzielle Großbaustellen bei LVV und LWB zu schultern. Diese Situation stellt uns in den kommenden Jahren vor eine nie da gewesene Herausforderung vor allen in den Bereichen der Daseinsfürsorge gegenüber den Bürgern in unserer Stadt. Hierbei soll die neue Komplementärwährung den Euro nicht ersetzen, sondern eine wirkungsvolle Ergänzung für unsere Region werden."

Mehrheitliches Votum für Leipziger Komplementärwährung: Leipzigs Stadtrat.
Mehrheitliches Votum für Leipziger Komplementärwährung: Leipzigs Stadtrat.
Foto: Daniel Thalheim

Binnen der kommenden 1,5 Monate werden deshalb folgende Schritte eingeleitet: Unter Beteiligung der Sparkasse Leipzig, der Konsumgenossenschaft Leipzig und Mitgliedern der beiden genannten Kammern wird die 'Leipzig Genossenschaft' gegründet, welcher jeder Unternehmer und Bürger beitreten kann. Die konstituierende Sitzung, zu welcher alle Interessierten eingeladen sind, findet am 15. Februar 2010, ab 19 Uhr in der Glashalle der Leipziger Messe statt. Insbesondere mit Anbietern der Bereiche regionale Lebensmittelproduktion und -handel, lokale Energieversorgung, allgemeine Handwerkerdienstleistungen sowie hiesigen Bekleidungsanbietern ist die Annahme des neuen Zahlungsmittels "WIR" und die Mitgliedschaft in der neuen Genossenschaft bereits abgesprochen.

Diese Unternehmen werden bereits ab 1. Januar auf der Internetseite www.mehr-region.de vorgestellt.

Im Bereich der Finanzverwaltung der einbezahlten Euro-Beiträge für die "Leipzig Genossenschaft" gab Dr. Harald Langenfeld, Vorstandsvorsitzender der Leipziger Sparkasse, folgende Regelungen bekannt: "Die Sparkasse Leipzig wird für die Leipzig Genossenschaft die Verwaltung der bei den Anteilskäufen eingegangenen Eurobeträge übernehmen und diese zu festen Zinssätzen anlegen. Hierbei ist es möglich, Renditen von fünf Prozent bei Anlagen in festverzinsliche Papiere, wie Bundesanleihen oder ähnliches zu erreichen. Somit ist die Deckung der dafür im Wechselkurs 1:1 ausbezahlten neuen Währung WIR gegeben. Die Auszahlung der WIR erfolgt durch Gutschrift auf dem extra dafür eingerichteten WIR-Konto des jeweiligen Einzahlers von Eurobeträgen ab 100 Euro. Gleichzeitig erhält der Kunde eine Kontokarte, sowie ein Scheckheft, mit welchen dann die Bezahlung im Alltag in den angeschlossenen Unternehmen und bei den Anbietern gewährleistet ist."

Auf Nachfrage der L-IZ, wie es zur Idee einer Beteiligung der Leipziger Sparkasse gekommen ist, verwies Dr. Langenfeld auf die intensiven Gespräche mit Vertretern der „WIR Genossenschaftsbank Schweiz“, mit welchen man sich bereits 2009 wiederholt getroffen hatte: „Nach anfänglicher Skepsis sind wir schnell begeistert von den Mischfinanzierungen bei dem Schweizer 'WIR'-Modell gewesen und konnten uns die Erfolge bei vielen der über 60.000 beteiligten Schweizer Unternehmen direkt vor Ort anschauen. Das hat uns zu der Überzeugung gebracht, dass aufgrund der Euro-Knappheit in den Kommunen und Ländern diese Form der alternativen Finanzierung von notwendigen Ausgaben für die Leipziger Wirtschaft und der Kommune nahezu ideal ist.“

Umweltdezernent Heiko Rosenthal: Vor allem für die regionale Wirtschaft ist das gut.
Umweltdezernent Heiko Rosenthal: Vor allem für die regionale Wirtschaft ist das gut.
Foto: Daniel Thalheim

Hinzu kämen die verringerten Umweltbelastungen durch regionalen Handel und die Stärkung diverser „Fair Trade“-Initiativen. „Der erste Schritt auch für uns, aus dem enormen Kostendruck, der auf der Eurowährung liegt und zu wenig nachhaltigem Handeln führt, auszusteigen“, so der Leipziger Bürgermeister für Umwelt, Sport und Inneres, Heiko Rosenthal, an dieser Stelle der Pressekonferenz.

Eine weitere Regelung sieht vor, dass auch mittellose Leipziger in Eigeninitiative und unter Verwaltung der ARGE Leipzig Arbeiten verrichten können, welche ihnen nach Zeitstunden in WIR und nach gesetzlichen Tarifen vergütet werden. Formulare dazu liegen ab Januar 2010 in der Leipziger ARGE aus. ARGE-Chef Dr. Andreas Zehr gab daraufhin bekannt, dass "ab dem 01. März 2009 Empfänger von kommunalen Transferleistungen, wie Mietzuschüsse etc. entscheiden, ob sie ihre Zahlungen in WIR oder Euro erhalten wollen.“

Ab diesem Zeitpunkt soll es dann bereits möglich sein, neben den Mieten und Waren des täglichen Bedarfs in Leipzig auch die Strom- und Wasserrechnungen sowie erste Zusatzaufwendungen, wie die Praxisgebühr oder Besuche von kulturellen Einrichtungen in WIR zu zahlen, teilte der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung mit. Die Kommunalen Wasserwerke und die Stadtwerke Leipzig befänden sich diesbezüglich bereits in der finalen Prüfungsphase. Ebenso prüfe man derzeit, ob die Währung auch teilweise zur Zahlung der Gewerbesteuer eingesetzt werden könne. Mit den frei werdenden kommunalen Geldern in den Bereichen Soziales, Transferleistungen, Umwelt und Inneres soll die Entschuldung der Stadt Leipzig vorangetrieben werden.

Im Weiteren wird die "Leipzig Genossenschaft" Kleinkredite bis zu 20.000 "WIR" zu Zinssätzen in der Höhe des Inflationsausgleiches an ortsansässige Unternehmen und Start up-Unternehmen ausreichen. Die Verzinsung der Darlehen bewegt sich nach derzeitigen Schätzungen zwischen 1 und 2 Prozent. "So soll sichergestellt werden, dass Investitionen und Unternehmungen in Leipzig angeschoben werden und es zu einer Belebung der Eigenkräfte der meist kleinen mittelständischen Betriebe und der Kreativwirtschaft kommt. "Dafür benötigt Leipzig den WIR im angegebenen Tauschkurs, da der Euro in den kommenden Jahren extremen internationalen Schwankungen unterworfen sein wird und wohl auch langfristig einfach zu stark in den 'Spitzen der Gesellschaft' konzentriert ist", fügte Dr. Harald Langenfeld, Vorstandsvorsitzender der Leipziger Sparkasse hinzu.

OBM Burkhard Jung: Das bringt uns endlich finanzielle Spielräume.
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Foto: Ralf Julke

Beantragungen der Kredite seien für Genossenschaftsmitglieder ohne die Hinterlegung von Sicherheiten und unter schriftlicher Vorlage des jeweiligen Geschäftsplanes möglich. Die Prüfung der Anträge liegt dann in Händen eines durch die Genossenschaftler bei der auf 15. Februar 2009 auf dem Leipziger Messegelände angesetzten konstituierenden Sitzung zu wählenden Gremiums. Beraten wird dieses dann durch Vertreter aus IHK, Handwerkskammer, Sparkasse und der lokalen, mittelständischen Wirtschaft sowie Wirtschaftsexperten der Leipziger Universität.

Eingeladen zu dieser ersten großen offenen Versammlung der „Leipzig Genossenschaft“ Mitte Februar 2010 ist der weltweit führende Fachmann für Komplentärwährungen Bernard A. Lietaer, welcher die Stadt Leipzig bei der Konzeption ihrer „Wir in Region“-Währung beraten hatte.

Auf Nachfrage eines sichtlich verunsicherten Vertreters der Leipziger BILD-Redaktion, ob man mit der neuen "Leipzig-Währung" auch Zeitungen wie die BILD käuflich erwerben könne, entgegnete OBM Jung ungewohnt schlagfertig und gut aufgelegt: "In allen bereits geschlossenen Vereinbarungen ist ausschließlich die Rede von wichtigen Gütern des täglichen Bedarfs gewesen. Aber Sie können sich gern anschließen, wenn Frau Springer dies erlaubt."

Gründungsversammlung der "Leipzig Genossenschaft" am 15. Februar 2010 in der Glashalle des Leipziger Messegeländes. Eintritt frei.

WIR Genossenschaftsbank Schweiz

WIR-Trailer zum Schweizer Vorbild für die „Leipzig-Währung“

Bernard A. Lietaer – Hauptvertreter der Komplementärwährungsdebatte (Wiki):
http://de.wikipedia.org/wiki/Bernard_Lietaer

Wie funktioniert Geld? oder „Wie erobert man fremde Planeten“ von Max von Bock auf Youtube:
www.youtube.com/watch?v=9BrLrwbkQWQ (Teil 1)

Was ist Regiogeld - Komplementärwährung
http://de.wikipedia.org/wiki/Regiogeld

Zum Videovortrag zur Wirkungsweise von Regiogeld
www.regionalentwicklung.de/1.3.0.0.1.0.phtml

Beiträge von Lesern der L-IZ.de zum Thema mit Hinweisen auf Initiativen in Leipzig/Dresden
www.l-iz.de/Interaktiv/Leserbriefe

L-IZ-Weihnachtsserie "Gute Nachrichten"

Dieser Artikel ist Teil der L-IZ-Weihnachtsserie "Gute Nachrichten", in der Autoren der Leipziger Internet Zeitung darüber schreiben, was geschehen könnte, wenn ein klein wenig mehr Vernunft regieren würde und die Menschen ein klein wenig mehr Sinn für die Einmaligkeit des Lebens auf diesem blauen Planeten hätten. Wunschgeschichten, die aber nicht wirklich weit weg sind von dem, was möglich ist.

Siehe auch: Jahresendsignale 2009 von der Leipziger Internet Zeitung


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