Neujahrsempfang der Leipziger Wirtschaft: Diesmal brennt die Energiefrage
Ralf Julke
18.01.2012
Leipzigs Wirtschaft braucht Energie.
Foto: Ralf Julke
Am Donnerstag, dem 19. Januar, gibt es wieder den gemeinsamen Neujahrsempfang der regionalen Wirtschaft „Gemeinsam für die Region“. 2012 steht er - nicht ganz zufällig - unter dem Motto „Mit viel Energie ins neue Jahr“. Denn kein Thema beschäftigt die Unternehmen seit über einem Jahr so sehr wie die Frage nach der Energieversorgung. Und das hat nicht nur mit Fukushima zu tun.
Anzeige
Auch wenn das Reaktorunglück vom 11. März 2011 in Fukushima und die nachfolgende Kehrtwende der Bundesregierung in der Atomenergiepolitik die Schwächen der deutschen Energiepolitik erst so richtig sichtbar machte. Auf einmal machten Geschichten in den Medien Furore, die von Stromimporten aus Frankreich, Österreich und Polen erzählten. Auf einmal wurde das Thema Versorgungssicherheit wieder diskutiert. Die mitteldeutschen Bundesländer versuchten, die heimische Braunkohle wieder als "Brückentechnologie" ins Gespräch zu bringen. Auch als preiswerte Alternative.
Die Bundesländer sehen sich auch durch neue Baupläne für Atomkraftwerke in Polen und Tschechien unter Druck gebracht. Dabei ist das deutsche Problem nicht einmal das Problem fehlender Strommengen - sie werden nur, nachdem der Ausbau von Solar- und Windkraftanlagen massiv subventioniert wurde, nicht mehr in den klassischen Grundlastkraftwerken produziert, die auch dann arbeiten, wenn Sonne und Wind nicht verfügbar sind. Und sie werden nicht dort produziert, wo die energieintensiven Industrien sitzen - in Baden-Württemberg zum Beispiel. Die Windkraftanlagen drehen sich an der Küste und im norddeutschen Flachland. Wenn der Sturm bläst, produzieren sie mehr Strom, als das Leitungsnetz aufnehmen kann, und müssen abgeschaltet werden.
Doch der Netzausbau kleckert hinterher. Die leistungsstarken Trassen von Nord nach Süd fehlen. Und - da wurde auch Hartmut Bunsen, Präsident des Sächsischen Unternehmerverbandes, beim Pressegespräch zum Neujahrsempfang deutlich - eine verlässliche Energiepolitik in Deutschland fehlt ebenso. Das Raus und Rein und Raus in der Atomkraftpolitik steht symptomatisch für diese abrupten Kehrtwenden der Politik, die auf Einzelinteressen reagiert und dabei die notwendigen Planungshorizonte aus den Augen verliert. Denn auch neue Energiestrukturen brauchen Planungssicherheit für zehn, zwanzig Jahre. Ein Thema, das auch beim Ostdeutschen Energieforum am 10. und 11. März in Leipzig wieder eine Rolle spielen wird. Da werden nicht nur die großen Energieversorger im Publikum sitzen, Unternehmer und Politiker, sondern auch etliche Vertreter von Stadtwerken, die mittlerweile zum Motor für den energetischen Umbau der Republik geworden sind.
Manche - wie die Leipziger Stadtwerke - würden gern in ein neues Kraftwerk investieren, können aber unter den wechselhaften politischen Rahmenbedingungen das Risiko nicht eingehen. Denn auch das ist Grundlage einer sicheren Energieversorgung: die weitgehende regionale Unabhängigkeit. In der Region können auch die Lösungen gefunden werden, um für energieintensive Betriebe die Versorgung zu sichern. In Leipzig sind das vor allem die Gießereibetriebe.
Kleiner Hinweis für die Presse: Leipzigs Wirtschaft braucht Energie.
Foto: Ralf Julke
Doch seit dem 26. Juli 2011 bedroht ein weiteres dieser schnell hingeschusterten Gesetze die Leipziger Wirtschaft: das Gesetz zur Neuregelung energiewirtschaftlicher Vorschriften, das gerade energieintensive Betriebe mit großem Stromverbrauch bei der Umlage der Netzentgelte deutlich entlastet - die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die über 90 Prozent der Leipziger Wirtschaft ausmachen, zahlen dafür mehr. Und auch die Privathaushalte zahlen mehr.
Es ist eines dieser Gesetze, das deutlich zeigt, dass in der deutschen Energiepolitik eher das Chaos herrscht. Das kurzfristige Entscheiden. Eine langfristige Strategie ist nicht in Sicht, obwohl alle Entscheider wissen, dass bis 2020/2022, wenn die letzten Atomkraftwerke vom Netz gehen, die neuen Hochspannungsleitungen von Nord nach Süd stehen müssen. Und dafür brauche es auch einen Finanzierungskonsens, fordert der Präsident der IHK zu Leipzig, Wolfgang Topf. Denn die Unternehmen in der Region seien sich sehr wohl bewusst, warum der Strompreis im Osten um bis zu 20 Prozent höher ist als im Westen. "Die notwendigen Investitionen in Netze und Kraftwerke nach 1990 mussten ja alle eingepreist werden, das bezahlen wir mit unserem Strom alle mit", sagt Topf. „Das ist noch nicht abbezahlt.“ Deswegen sei es notwendig zu überlegen, wie sich auch die älteren Bundesländer an der Finanzierung der Stromtrassen, die jetzt gebraucht werden, finanziell beteiligen. "Es kann nicht sein, dass der Osten die Leitungen bezahlt, damit der Süden den Strom bekommt, das geht nur gemeinsam", sagt Topf. Vergisst aber auch nicht zu erwähnen, dass dazu in der Runde der Bundesländer bislang kein Kompromiss gefunden werden konnte. Der kleinstaatliche Föderalismus blockiert seit Jahren die Entscheidungsfindung.
Auch deshalb habe man schon im Sommer den deutschen Wirtschaftsminister Dr. Philipp Rösler (FDP) eingeladen. Rösler hat zugesagt und wird auch zum Thema Energiepolitik am Donnerstagabend Stellung nehmen. "Wir brauchen eine Zuverlässigkeit in der Energiepolitik", sagt Topf. Und es sind nicht nur die großen, energieintensiven Betriebe, die mit den steigenden Energiekosten zu kämpfen haben. Sie gehören auch in den kleinen und in den Handwerksbetrieben zu den Rechnungsposten, die seit Jahren steigen.
Und es ist nicht das einzige Problem, das die Politik jahrelang ausgesessen hat. Das nächste ist der Fachkräftebedarf in der regionalen Wirtschaft. "Wir stehen da noch gut da", sagt Ralf Scheler, der Handwerkskammerpräsident, "denn wir haben schon früh eine Strategie entwickelt, die Schüler für die vielfältigen Möglichkeiten im Handwerk zu interessieren." Doch auch er weiß, dass das nicht reichen wird, dass über Themen wie Lebensarbeitszeit und die Gewinnung ausländischer Fachkräfte auch im Handwerk nachgedacht werden muss.
Es gibt eine Menge Botschaften, die die Leipziger Wirtschaft dem Bundeswirtschaftsminister mit auf den Weg geben will. Bei der nunmehr neunten Auflage des Neujahrsempfangs, den IHK, Handwerkskammer, Unternehmerverband und Marketingclub gemeinsam bestreiten, mit einer gewissen Resignation. Denn Minister und Ministerpräsidenten, die schöne Reden geschwungen haben, hatte man zu jedem Empfang in der Vergangenheit da. Doch auch Scheler sieht da eine gewisse "politische Beratungsresistenz", an der selbst drängende Botschaften immer wieder abprallen.
Beim Pressegespräch war dann zumindest kurzzeitig auch noch das Problem der Fachkräftegewinnung in der Politik Thema. Aber dazu wird am Donnerstag wohl die Zeit nicht reichen, das auch noch anzuschneiden. Rund 1.200 Unternehmer haben sich schon für den Empfang in der Glashalle in der Neuen Messe angemeldet, der um 19 Uhr beginnt. Diesmal zufällig in Nachbarschaft zur durchaus erfolgreichen Messe "Partner Pferd".
„Nach der Veröffentlichung der Umfrage zum Image Sachsens in der Bundesrepublik wurde vor allem eines deutlich: Die Bürger sehen die Probleme, die die Staatsregierung gerne weg redet", stellt Martin Dulig, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, zu den am Mittwoch, 23. Mai, vorgestellten Ergebnissen der deutschlandweiten Umfrage zum Image Sachsens in Deutschland fest. mehr…
Ein Schuss in den Ofen war's. So jedenfalls sehen es die sächsischen Jusos. Am Montag, 21. Mai, veröffentlichte das Sächsische Landesamt für Statistik die Zahlen für die vergebenen Deutschlandstipendien im Jahr 2011. Ganze 297 waren es. Danach ist die Landesregierung selbst an ihren – schon geringen Maßstäben – gescheitert, stellt Tino Bucksch, Vorsitzender der Jusos Sachsen, fest. mehr…
Die sächsische Staatsregierung ist ja höchst besorgt um das Bild von Sachsen - nach innen und nach außen. Also hat sie mal wieder eine Image-Befragung durchführen lassen, 4.000 Leute befragen lassen durch die GMS Dr. Jung GmbH, 1.000 in Sachsen selbst, 1.000 im Rest von Ostdeutschland, 2.000 im Westen. Eigentlich eine Befragung, die die schöne Erkenntnis bestärkt: Nehmt euch nicht so wichtig. mehr…
Der Wald steckt voller Zeichen: Hinweisschilder für Gasleitungen, Wanderwege, Graffiti oder Markierungen an Bäumen. Alles hat – meistens – seinen Sinn. Die erleb-bar hat viele dieser Symbole entschlüsselt und die Ergebnisse in einer neuen Geocaching-Tour zusammengestellt. mehr…
Der erste Quartalsbericht für 2012 ist da. Die vierteljährliche Krankenstandsmeldung des Amtes für Statistik und Wahlen für die Stadt Leipzig. Lebt der Patient noch? Ist er gar auf dem Weg der Besserung? - Die Zahlenbasis wird immer unsicherer. Doch die neuen Zahlengrundlagen aus dem Zensus 2011 gibt es erst 2013. Oder gar erst 2014, befürchtet Peter Dütthorn. mehr…
Die Kinderpolizei der Agentur Schutzengel eröffnet pünktlich zum Kindertag 2012 – am 1. Juni – ihre erste Polizeiwache auf sächsischem Boden. In den Räumen der integrativen KITA Grünschnabel des Kinderschutzbundes Leipzig (Oststraße 185) wird die erste sächsische Kinderpolizeiwache ihren Platz finden. mehr…
Hört oder liest man ein Märchen nur mit dem logischen Verstand - dann will und wird so manches nicht zusammenpassen. Doch auch Herz und Phantasien lesen mit und dies ist das Entscheidende. Gerade bei Kindern nehmen Phantasien in den Gedanken den größten Raum ein. So dient das Märchen als Spiegel ihrer Erfahrung, Ängste, Wünsche und Träume. mehr…
"Neue Schulen braucht die Stadt". Zu diesem Thema lädt die Leipziger SPD Jugend am Donnerstag, 24. Mai, ab 19:00 Uhr in die SPD Geschäftsstelle (Rosa-Luxemburg-Straße 19/21) ein. Gemeinsam mit dem Leipziger Landtagsabgeordneten Holger Mann wird über den Neu- und Ausbau sowie die Sanierung von Schulen in Leipzig diskutiert. mehr…
Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) hat am 22. Mai während einer Bilanzpressekonferenz auf das letzte Jahr zurück geblickt und gleichzeitig eine Vorausschau gewagt. Die besagt, dass man eine weitere Milliarde Euro benötigen wird, um die LMBV-eigenen Bergbaufolgelandschaften zu rekultivieren. mehr…
Unter dem Motto „Von Panitzsch bis Paris“ sind ab 27. Mai in der Kirche Panitzsch Bilder in Öl von Margitta Pötzsch zu sehen. Zur Vernissage und zum Galerierundgang mit der Leipziger Künstlerin wird am Pfingstsonntag um 17 Uhr herzlich eingeladen. mehr…
Am Donnerstag, dem 7. Juni, lädt der Swingin'LE Tanzklub wieder zum kostenlosen Schnupperkurs ein. Swing und Lindy Hop im Rhythmus der 30er und 40er Jahre, als Amerika noch ein unbeschwertes Lebensgefühl hatte. Der einstündige Kurs beginnt 19:00 Uhr. mehr…
Am 25. Mai geht's los, dann überschwemmen wieder Menschen in schwarzen und bunten Kostümen die Stadt, duften nach Patschuli, geben sich betont lässig, obwohl sie völlig aufgewühlt sind. Zu Pfingsten ist Leipzig wieder Schauplatz des Wave Gotik Treffens. Der Plöttner Verlag ist dabei. Unter anderem mit dem dicken Buch zu "Death in June" von Aldo Chimenti. Der Besucher wird an seinem Stand auf dem agra-Gelände aber auch ein Plakat erstehen können, das durchaus ungewöhnlich ist. mehr…
Von wegen, Strom aus Kohle würde nicht subventioniert und sei deshalb eine preisgünstigere Alternative zu erneuerbaren Energien. Die Kosten werden nur nicht auf den Strompreis aufgeschlagen, die fließen als Subvention - zum Beispiel bei Kosten für die Sanierung der ostdeutschen Braunkohlereviere. Und die werden - wie die LMBV am Mittwoch mitteilen musste - noch höher, als bisher geplant. mehr…
"Fertigstellungstermin des A 72-Abschnitts von Rochlitz bis Borna verschiebt sich auf Sommer 2013", teilte Staatssekretär Roland Werner gemeinsam mit dem DEGES-Geschäftsführer Dirk Brandenburger am Dienstag, 22. Mai, mit. Eine scheinbar beiläufige Meldung im Rahmen eines Großbauprojekts, dessen Planungen und Kosten mittlerweile genauso aus dem Ruder gelaufen sind wie die des Leipziger City-Tunnels. Natürlich hat das Gründe. mehr…
Welche Auswirkungen auf Leipzigs Infrastruktur wird der Citytunnel Ende 2013 haben? Dieser Frage gingen Studierende der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU) im Rahmen von zwei Projekten nach. Im Mittelpunkt ihrer Untersuchungen standen dabei mögliche neue Wegebeziehungen. Die Ergebnisse werden vom 25. Mai bis 15. Juni in der 5. Etage des Neuen Rathauses im Ausstellungsbereich des Stadtplanungsamtes gezeigt. mehr…