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Bücher

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Roger Melis: Thea. Foto: Ralf Julke

Thea: Wenn ein „Wahnsinnstyp“ die Frau seines Lebens immer wieder fotografiert

Roger Melis gehörte zu den eindrucksvollsten Fotografen der DDR. Der Lehmstedt Verlag hat mittlerweile einige Bände mit seinen Fotografien veröffentlicht. Dieser hier ist trotzdem etwas Besonderes, denn er zeigt mehr als nur das sehr persönliche Verhältnis eines außergewöhnlichen Fotografen zu seiner geliebten und bewunderten Frau. Roger Melis hat in Dorothea Melis im Grunde das fotografiert, was der Osten hätte sein können. Hätte er nur mutig sein dürfen.

Amrei Bahr, Kristin Eichhorn, Sebastian Kubon (Hrsg.): #95vsWissZeitVG. Foto: Ralf Julke

#95vsWissZeitVG: Eine sehr emotionale Streitschrift zur prekären Beschäftigung in der deutschen Wissenschaft

Mal ein Buchtitel mit Hashtag, auch wenn die meisten Leser/-innen erst mal stutzen werden, weil ihnen das Kürzel nichts sagt. Wesentlich berühmter und folgenreicher war ja der Hashtag #IchBinHanna, der mit jeder Menge Wortmeldungen darauf aufmerksam machte, wie (junge) Wissenschaftler/-innen an deutschen Hochschulen und Universitäten in befristeten Arbeitsverhältnissen regelrecht verbrannt, demotiviert und letztlich sogar aus dem Wissenschaftsbetrieb gedrängt werden. Aber daran ist eben auch ein Gesetz schuld.

Alina Bronsky: Das Geschenk. Foto: Ralf Julke

Das Geschenk: Eine Weihnachtsgeschichte, die mal die Urangst unserer Moralgesellschaft zum Thema macht

Die Weihnachtserzählungen, die die Edition Chrismon seit ein paar Jahren herausgibt, haben es in sich. Und man sieht es den handlichen Büchern gar nicht an, was einen da erwartet, denn grafisch erinnern sie durchaus an die bekannten Weihnachtsbüchlein in den adventlich zusammengestellten Weihnachtsauslagen der Buchhandlungen. Aber drinnen gibt es jedes Mal ganz andere Weihnachten. Solche nämlich, wie wir sie wirklich erleben.

Dietmar Sehn: Historische Kriminalfälle aus Sachsen. Foto: Ralf Julke

Historische Kriminalfälle aus Sachsen: Edle Räuber, Täter aus Not und einige mysteriöse Todesfälle aus 500 Jahren

Eigentlich kennt sich der Dresdner Autor Dietmar Sehn aus mit den Verbrechen im alten und neuen Sachsen. Er hat über die Jahre fleißig gesammelt und auch schon einige Bücher zum Thema herausgebracht. Und mit den „Historischen Kriminalfällen aus Sachsen“ zeigt er einmal sehr kompakt, dass sich auch andere Räuber mit dem erzgebirgischen Stülpner Karl locker messen konnten. Und seit dem Einbruch ins Grüne Gewölbe weiß alle Welt wieder, wie leicht man hier an Beute kommt.

Michael Haas: Kritische Masse. Foto: Ralf Julke

Kritische Masse: Ein heftig ernüchternder Parlamentsroman aus der tiefsten deutschen Provinz

„Wer mehr will, als er braucht, zwingt das Bestehende, jedes gesunde Maß aufzugeben und wild zu suchen. Dann kommt der Krebs und schließlich das metastasierende Elend.“ Den Satz schreibt Michael Haas fast am Ende seines Buches, im Epilog seines „Parlamentsromans“, der eigentlich kein Roman ist, sondern eine kluge, bittere und ernüchternde Abrechnung aus dem Innenleben einer Landtagsfraktion in einer deutschen Provinzhauptstadt, die auch anders als Sternheim heißen könnte.

Reinhard Münch: 1809 - Mit Napoleon in Österreich. Foto: Ralf Julke

1809 – Mit Napoleon in Österreich: Die Truppen all der kleinen Fürstentümer, die mit in Napoleons Schlachten zogen

Wie passiert eigentlich Geschichte? Oder: Bekommt der kleine, zum Kriegsdienst ausgehobene Soldat überhaupt mit, wie Geschichte „gemacht wird“? Das sind so Fragen, die auch bei Lesen von Reinhard Münchs neuem Buch zu den Soldaten in den Truppen auftaucht, mit denen Napoleon im Jahr 1809 den Versuch Österreichs niederschlug, wieder eine Rolle in der europäischen Politik spielen zu wollen.

Dalibor Marković: Pappel. Foto: Ralf Julke

Pappel: Die ganz und gar nicht kafkaeske Geschichte eines richtigen Herumtreibers

Eigentlich ist ja kein Kafka-Jahr, jedenfalls kein rundes. Aber irgendetwas liegt da in der Luft, das den 1924 verstorbenen Autor wieder allgegenwärtig macht. Auf einmal sitzen wieder ältere Herren in der Straßenbahn vor einem, die Kafkas „Schloss“ mit ernsthafter Hingabe lesen. Eine Rezension von Tucholsky aus dem Jahr 1928 fällt einem in die Hand, in der er fast flapsig meint, ein Buch müsse überhaupt nicht druckfrisch sein, um es zu besprechen.

Die Tiefseetaucherin. Foto: Ralf Julke

Die Tiefseetaucherin: Mit Juli abtauchen in die tiefsten Tiefen der Meere

Auch das gibt es: Kinderbücher in Teamwork. Was aber beim Katapult-Verlag sowieso schon tägliche Übung ist. Die lehrreichen Grafiken zum Zustand unserer Welt entstehen allesamt in so einer Kooperation von Grafiker/-innen, Texter/-innen und Wissenschaft. Die Bücher, die der Greifswalder Verlag inzwischen herausgibt, sowieso. Und nun zeigen die jungen Büchermacher, dass man auf diese Weise auch informative Kinderbücher schaffen kann.

Stilles Franken: Mit Georg Magirius die Stille der Welt im fränkischen Advent entdecken

Mit Stille kennt er sich aus: der Autor. Studierter Theologe und leidenschaftlicher Fußgänger Georg Magirius aus Frankfurt am Main. Jüngst erst lud er mit seinem Buch „Stilles Frankfurt“ die Leser/-innen ein, lauter stille Orte abseits der lauten Mainmetropole zu entdecken. Nun ist er durch Franken gewandert. Oder vielmehr: war dort auf stillen Pfaden unterwegs, als andere Leute im (Vor-)Weihnachtstrubel durchdrehten.

Reinhard Münch: 1812 – Mit Napoleon in Borodino und an der Beresina. Foto: Ralf Julke

1812 – Mit Napoleon in Borodino und an der Beresina: Erinnerungen aus den verschiedenen Truppen, die mit Napoleon in Russland kämpfen mussten

Reinhard Münch ist der Autor in Leipzig, der sich am intensivsten mit all den bunt zusammengewürfelten Truppen beschäftigt, die in den napoleonischen Kriegen zum Einsatz kamen. Und verfolgt damit die eigentlich wichtigste Idee, die auch im Leipziger Völkerschlachtdenkmal steckt: zu würdigen, wie viele Menschen unterschiedlichster Nationen sich in diesen Schlachten als „Feinde“ gegenüberstanden.

Thomas A. Seidel, Sebastian Kleinschmidt (Hrsg.): Wegmarken und Widerworte. Foto: Ralf Julke

Wegmarken und Widerworte: 60 Beiträge zum 70. Geburtstag des früh verstorbenen „scharfzüngigen Lutheraners“ Ulrich Schacht

Kann man das Buch besprechen? Geht das überhaupt? Natürlich. Wir haben hier schon ganz andere Kaventsmänner besprochen. Warum auch nicht, Ulrich Schacht oder vielmehr: die 60 Beiträge zum 70. Geburtstag des Mannes, der seinen 70. Geburtstag nicht mehr erlebte. Er starb 2018 mit 67 an einem Herzinfarkt. Ein herzhaft streitbarer Konservativer, dem freilich selbst sein einstiger Arbeitgeber, der Springer-Verlag, zu lasch geworden ist. Oder zu linksliberal?

Ralph Knobelsdorf: Des Kummers Nacht. Foto: Ralf Julke

Des Kummers Nacht: Ralph Knobelsdorf lässt in seinem ersten Krimi das Berlin des Jahres 1855 lebendig werden

Das Genre des historischen Kriminalromans blüht. Und man wird den Eindruck nicht los, dass er den historischen Roman gerade etwas ins Abseits stellt. Oder auch mit seinen bewährten Mitteln zeigt, dass der historische Roman viel zu lange auf den überholten Erzählmustern der Romantik schwamm. Zwar passend für tränendrückende TV-Serien, aber nicht für den kriminologischen Umgang mit Geschichte. Und dann heißt der Bursche auch noch Knobelsdorf.

Michael Spyra: Die Berichte des Voyeurs. Foto: Ralf Julke

Die Berichte des Voyeurs: 100 Gedichte, die von lauter Aufregendem erzählen, nur nicht von Liebe

Es gibt einige Dinge, die die Sächsische Dichterschule, wie sie vor Jahren mal ein profunder Sammelband aus dem Poetenladen bezeichnete, besonders markant machen. Dazu gehört ihr besonders ausgeprägtes Formbewusstsein genauso wie ihre ganz bewusste Bezugnahme auf klassische Vorbilder. Das ist auch bei Michael Spyra so, der in Halle lebt und arbeitet und auch gern mal poetische Ausflüge nach Leipzig unternimmt.

Matthias Horx: Die Hoffnung nach der Krise. Foto: Ralf Julke

Die Hoffnung nach der Krise: Matthias Horx erzählt, wie Veränderung mitten in der großen Krise beginnt

Schon nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 wagte sich der Journalist, Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx mit einem Buch an die Öffentlichkeit, in dem er seine Leser/-innen mitnahm in „Die Zukunft nach Corona“. Und bekam entsprechend auch deftige Reaktionen aus der Leserschaft. Eine zitiert er im Nachwort. Denn dass nach Corona auch nur das Geringste anders werden könnte, bezweifeln ziemlich viele Leute.

Carsten Steenbergen: Florance Bell und die Melodie der Maschinen. Foto: Ralf Julke

Florance Bell und die Melodie der Maschinen: Ein Fantasy-Roman aus einem etwas anderen Jahr 1820

In den letzten Jahren hat sich die alternative history als eigenes Genre innerhalb der Fantasy etabliert. Denn da geht es tatsächlich vor allem um Phantasie: Was wäre eigentlich passiert, wenn die historische Entwicklung einen anderen Verlauf genommen hätte? Napoleon also zu Beispiel in der Seeschlacht von Trafalgar 1805 gewonnen hätte und nicht Admiral Horatio Nelson. Und dann England erobert hätte.

Joachim Wagner: Rechte Richter. Foto: Ralf Julke

Rechte Richter: Warum ist unser Rechtsstaat auf dem rechten Auge so oft blind?

Ist das Problem jetzt neu oder kennt man es eigentlich schon, dass Richter und Staatsanwälte in Deutschland eher konservativ entscheiden? Manche auch eher seltsam, wenn es um den Umgang mit Rechtsextremismus in Deutschland geht. Wobei es natürlich stimmt: Das Thema ist noch nicht wirklich zum großen Diskussionsthema in den Medien geworden – anders als die rechtsextremen Vorkommnisse bei Polizei und Armee.

Bernhard Lichtberger: Unser Planet im Klimawandel. Foto: Ralf Julke

Unser Planet im Klimawandel: Ein Buch, das alles erklärt, was wir zur Rettung unseres lebendigen Planeten wissen müssen

Der Oekom Verlag in München veröffentlicht nicht nur streitbare Bücher, die etwa den umweltschädigenden Umgang mit Böden, Städten, Pestiziden thematisieren, sondern auch genau die hilfreichen Bücher, die erklären, warum unsere aktuellen Umweltprobleme so brisant sind. Denn das alarmierende Berichten über Naturkatastrophen ist das eine. Aber zu wissen, wie sensibel unsere Lebenswelt auf menschliches Tun reagiert, ist viel wichtiger. Deswegen geht es in diesem dicken Buch um mehr als Klimawandel.

Robert Cohen: Anna Seghers im Garten von Jorge Amado. Foto: Ralf Julke

Anna Seghers im Garten von Jorge Amado: Lohnt es sich denn, in den kühlen Norden zurückzukehren?

Es muss ein Foto geben, das zeigt Anna Seghers unter tropischen Bäumen sitzend mit ihrem Notizbuch auf dem Schoß, aufgenommen 1963 im Garten des Dichters Jorge Amado in Brasilien. Man verbindet ja den Namen Anna Seghers meist nur mit ihren großen Erfolgsroman „Das siebente Kreuz“. Aber mit seiner Erzählung erinnert der New Yorker Schriftsteller Robert Cohen auch daran, welche wichtige Rolle Südamerika im Leben von Anna Seghers spielte.

Armin Fuhrer: Emil Ludwig. Foto: Ralf Julke

Emil Ludwig: Die eindrucksvolle Biografie eines fast vergessenen Erfolgsautors

Gibt es das eigentlich? Dass der meistgelesene deutschsprachige Autor der 1920er Jahre einfach verschwindet – aus dem Gedächtnis, aus den Bibliotheken, aus den Programmen der Buchverlage? Nicht mal Rowohlt hat ihn noch im Programm, sein einstiger Hausverlag. Dabei war Emil Ludwig einst ein Star wie Thomas Mann oder Erich Maria Remarque.

Bernd Lindner: Über Mauern. Foto: Ralf Julke

Über Mauern: Das wichtigste Motiv der deutsch-deutschen Zerrissenheit in der Kunst aus Ost und West

Natürlich hat die deutsche Politik im August auch dieses Jahres gedacht: dem Bau der Berliner Mauer vor 60 Jahren. Und es ging fast überall ähnlich melodramatisch zu, während die Republik längst wieder über den Riss debattiert, der wieder – oder immer noch – zwischen West und Ost aufklafft. Genau in dieser Reihenfolge. Da ging fast unter, dass eigentlich die große Kunstausstellung zur „Mauer“ gefehlt hat.

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