Artikel zum Schlagwort Literaturgeschichte

Der echte Goethe, der mit dem geheiligten „Klassiker“ so überhaupt nichts zu tun hat

Goethe für Klugscheißer: Lasst ihn endlich leben! Holt ihn vom Sockel!

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserGoethe war hier. Eine Menge Orte könnten das unter ihr Ortseingangsschild schreiben. Es hat so was Auserwähltes. Auch wenn der reisende Dichter hier nur mal kurz zum Übernachten war oder einen Kumpel besucht hat. Obwohl – so viele dicke Kumpel hatte er gar nicht. Und so einen wie Schiller fand er auch nur ein Mal. Und das auch nur, weil Schiller seine Freundschaft suchte. Erstaunlich: Aber so ein Klugscheißer-Buch bringt einem den Herrn Geheimrat doch ganz nebenbei sehr nahe. Auch weil es ihn vom Sockel holt. Weiterlesen

Ein literarisches Motiv, das mit der Verwüstung der Erde immer aktueller wird

Die Wüste: Chaim Nolls Reise durch 4.000 Jahre Wüsten-Literatur

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Für alle LeserSie wissen wirklich nichts mit Ihrer Zeit anzufangen? Wirklich nicht? Dann holen Sie sich dieses Buch. Die Dicke trügt nicht. Es ist ein echter Dauerbrenner. Und das macht nichts. Man kann sich Zeit lassen beim Lesen, Kapitel für Kapitel vornehmen, denn jedes einzelne ist ein Schlüsselloch in einen Abschnitt der großen Weltliteraturgeschichte, deren Besichtigung Chaim Noll natürlich im alten Babylon und in Ägypten beginnt, dort, wo die Schriftkultur unserer Zivilisation begann. Weiterlesen

Ein Husarenstück, zu schön, um wahr zu sein

Bernd F. Lunkewitz: Auch „Horns Ende“ wurde nicht an der DDR-Zensur vorbei veröffentlicht

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Für alle LeserDie Geschichte klang zu schön: Da trickst ein cleverer Verleger die Genehmigungspraxis der DDR aus, indem er – da er partout keine Druckfreigabe vom zuständigen Buchminister bekommen kann – der Druckerei einfach sagt, sie könne das Buch jetzt drucken, die Druckgenehmigung sei da. Und so sei „Horns Ende“ zum einzigen Buch in der DDR geworden, das ohne Druckgenehmigung erschien. Leider nur eine schöne Anekdote, teilt uns jetzt Bernd F. Lunkewitz mit. Weiterlesen

Neues aus dem Verlag Faber & Faber

Der Briefwechsel von Christoph Hein und Elmar Faber: Ich habe einen Anschlag auf Sie vor

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Für alle LeserAcht Jahre lang ruhte der Verlag Faber & Faber. 2011 hatte sich der Verleger Elmar Faber, immerhin schon 77 Jahre alt, aus dem Verlagsgeschäft zurückgezogen. Sohn und Partner im Verlag, Michael Faber, war damals noch Kulturbürgermeister in Leipzig. 2017 starb Elmar Faber und die Grabrede hielt kein anderer als der Schriftsteller Christop Hein, dem der Verleger seit 1983 hochachtungsvoll verbunden war. Weiterlesen

Wie Mauerfall und Einheit in den 1990er Jahren in Büchern erzählt wurden

Fremdheit zwischen Ost und West: Arne Born erkundet die „Wende“-Literatur von 1989 bis 2000

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Für alle LeserDa nähert sich unaufhaltsam der 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution, ein Jahr später kommt der 30. Jahrestag der Deutschen Einheit. Zeit, mal Bilanz zu ziehen, dachte sich der Literaturwissenschaftler Arne Born. Denn augenscheinlich diskutiert die Republik noch immer über die Spaltung zwischen Ost und West. Als schrieben wir immer noch das Jahr 2000, als wir alle noch hofften, die Spaltung würde irgendwann verwachsen. Weiterlesen

Siegfried Lokatis erkundet die Welt der Buchgenehmigungspraxis im Reich der SED

Verantwortliche Redaktion: Wie die Zensurwerkstätten in der DDR tatsächlich funktionierten

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Für alle LeserEr ist Leipzigs Buchprofessor: Siegfried Lokatis, Professor für Buchwissenschaft in Leipzig. Das ist eine Professur, die noch in den 1990er Jahren der Börsenverein des deutschen Buchhandels aus der Taufe hob, natürlich in Leipzig, jener Stadt, die lange als Buchstadt galt, der aber die alten Verlage endgültig verloren zu gehen drohten. Und bevor alles verschwindet, sollte man wenigstens erforscht haben, was da verschwindet. Weiterlesen

Wer waren eigentlich die Menschen im Haus des berühmten Autors aus Deutschland?

Seven Palms: Francis Nenik gräbt die ungeschriebene Geschiche des Thomas-Mann-Hauses aus

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Für alle LeserEr schreibt und schreibt und schreibt. Nur dass sein „Tagebuch eines Hilflosen“ sich schon lange nicht mehr hilflos liest. Francis Nenik, der die Regentschaft Donald Trumps täglich mit einem Tagebucheintrag begleitet, analysiert den Mann im Weißen Haus, seine Politik und den Zustand der USA so trocken und faktenreich, dass man eigentlich nur noch das Gefühl haben kann: Mit diesen USA ist kein Staat mehr zu machen. Und irgendwie muss auch Thomas Mann so ein Gefühl gehabt haben, als er 1952 sein geliebtes Haus in Los Angeles verließ und nach Europa zurückkehrte. Weiterlesen

In Schlesien geboren, in Leipzig berühmt geworden, in Wien gefeiert

Der begnadete Theatermann, Heine-Freund und Erfinder des Jungen Deutschland: Heinrich Laube

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Es gibt eine ganze Reihe berühmter Leipziger, die in der Erinnerungskultur der Stadt so gut wie keine Rolle spielen. Dazu gehört auch Heinrich Laube: Schriftsteller, Herausgeber, Theaterintendant. Und die zentrale Gestalt in einem Phänomen, das sich mal „Junges Deutschland“ nannte. Eine zerrissene Gestalt, genauso zerrissen wie das Deutschland der Metternich-Zeit. Weiterlesen

Lebensbrüche, gläubige Treue und die Nachwirkungen doktrinärer Muster

Katrin Löffler untersucht einmal die Autobiografien von „Wendekindern“ und gestandenen DDR-Autoren und begegnet zum Teil erstaunlichen Konstruktionen

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Was Psychologen und Soziologen können, das können Literaturwissenschaftler schon lange. Denn sie haben viel mehr Material zur Verfügung. Und oft sogar viel besseres. Denn Schriftsteller haben nun einmal den unablässigen Drang, von sich selbst, ihrem Leben und ihren großen Schicksalsdramen zu erzählen. Erstaunlich ist nur, dass das so selten Thema von wissenschaftlichen Arbeiten wird. Weiterlesen

Gelindes Grausen: Erich Loests couragiertes Tagebuch über die letzten drei Jahre

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Am 24. Februar wäre Erich Loest 88 Jahre alt geworden. Doch am 12. September 2013 hat er seine Leipziger geschockt, als er sich bei einem Aufenthalt im Uniklinikum durch einen Fenstersturz das Leben nahm. Seine Leser kannten ihn nur als Kämpfer, als einen Mann, der sich nicht klein kriegen ließ und mit messerscharfen Texten bis zum Schluss immer wieder Stellung nahm. Weiterlesen

Literaten kontra Patrioten: Eine Reise in Dokumenten in ein keineswegs friedliches Leipzig von 1913

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Ein bisschen hat man ja schon drauf gewartet: Wer bringt eigentlich in diesem Leipziger Jubel-Trubel-Jahr 2013 das Buch zum Leipzig des Jahres 1913 heraus, jenem Jahr vor dem Ausbruch des 1. Weltkriegs, in dem Leipzig in Blüte stand, auf dem Höhepunkt seines Reichtums und seines Glanzes. Immerhin bekam dieses Jahr selbst in der Ausstellung "Moderne Zeiten" einen Extra-Platz: "Das Jahr 1913 - Stolz und Selbstbewusstsein einer Metropole". Weiterlesen

Unaufhörlicher Anfang: Der große fragmentarische Lebensroman des Slawisten Ralf Schröder

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Am 23. Dezember 1958 wurden fünf Männer in Halle zu mehrjährigen Zuchthausstrafen verurteilt - wegen "Staatsverrat" und Bilden einer "partei- und staatsfeindlichen Gruppe". Die Männer waren Erich Loest (7 Jahre 6 Monate), Dr. Harro Lucht (8 Jahre), Ronald Lötzsch (3 Jahre), Harry Schmidtke (3 Jahre 6 Monate). Das höchste Strafmaß aber bekam der Leipziger Slawist Dr. Ralf Schröder verpasst: 10 Jahre. Weiterlesen

Zwischenräume, Nischen, Zeitenwenden: Ein bekannter Romanist aus dem Osten erinnert sich

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Wer in den letzten Jahren fleißig gesammelt hat, der hat nun so langsam eine kleine Bibliothek jener Ära an der Universität Leipzig zusammen, die man die die Ära Bloch und Mayer, Krauss und Markov nennen könnte. Es war der kurze Moment der Utopie, der im Beginn der DDR steckte. Und den Leuten wie Manfred Naumann, die sich gegen alle Widrigkeiten bewahrten. Weiterlesen