Mit Holzlatten und Fußtritten: Innerlinker Grundkonflikt eskalierte am Augustusplatz
Patrick Limbach
03.06.2010
Seit Jahren streitet die linke Szene bis in die Ränder in Deutschland um die Bewertung des Nahostkonflikts. Eine Frage, über die sich endlos debattieren lässt und welche in der jüngeren Vergangenheit auch immer wieder Gewaltopfer gefordert hat. Gestern nun auch in Leipzig.
Anzeige
Während sich das traditionelle, eher antiimperialistisch orientierte Lager mit unterdrückten Völkern in aller Welt solidarisiert und im Streitfall "Naher Osten" zur arabischen Seite hält, solidarisiert sich das antinationale Lager mit dem Existenzrecht Israels als Staat der Holocaust-Überlebenden. In manchen Städten kommt es zwischen diesen beiden Lagern bereits regelmäßig zu Auseinandersetzungen.
Leipzig blieb von derartigen, teils in Gewalt umschlagende Konflikten bislang verschont. Heikel wird es zwischen den beiden politischen Lagern vor allem dann, wenn die Lage in Nahost wieder einmal eskaliert. Als israelische Streitkräfte am vergangenen Montag ein Schiff mit humanitären Hilfsgütern auf dem Weg nach Palästina unter Beschuss und in Beschlag nahmen, lösten sie eine Welle weltweiter Empörung aus.
Und so fand gestern Abend auch in der Leipziger Innenstadt eine israelkritische Demonstration gegen die umstrittene Militäraktion statt. Am Rande der Versammlung, an der u.a. Vertreter der Partei "Die Linke" sowie der SDS-Hochschulgruppe teilnahmen, kam es jedoch zu handgreiflichen Auseinandersetzungen. Rund 150 Menschen hatten sich um 18.00 Uhr mit Palästina-Fahne und Plakaten versammelt, um ihren Unmut über die israelische Blockade des Hilfskonvois auf der Straße Kund zu tun.
Als sich eine Gruppe von 40 Personen samt Israelfahne dem Kundgebungsplatz näherte, soll der Anmelder der Veranstaltung die Polizei mit scharfen Worten angewiesen haben, diese von der Demonstration auszuschließen. Kurz darauf trafen die 150 Demonstrierenden am Augustusplatz auf eine weitere Gruppe von rund 20 Personen, die ihren Protest gegen die Demonstration zum Vorfall im Mittelmeer mit Rufen und dem Schwenken von Israelfahnen Ausdruck verliehen. Da schien die Toleranz seitens der Pro-Palästina-Demonstranten am Ende.
Unvermittelt erfolgte ein Angriff auf das kleine Grüppchen unter Zuhilfenahme von Holzlatten und Fußtritten. Laut einem Augenzeugen skandierten die Angreifer währenddessen "Israel - Kindermörder!" Die Polizeibeamten, die die Demo begleiteten, werteten das Erscheinen der Demo-Kritiker als Störung der Versammlung und drängten sie laut mehrerer Augenzeugenberichte unter Anwendung von Pfefferspray auf das Gelände der Uni Leipzig ab.
Fünf Personen wurden anschließend von den Beamten erkennungsdienstlich behandelt und wegen Störens einer öffentlichen Veranstaltung angezeigt. Ausgesprochen zwiespältig jedoch scheint dabei, dass die Beamten ganz augenscheinlich bislang keine Maßnahmen gegen die eigentlichen Angreifer ergriffen haben.
Die "Leipziger israelsolidarische Linke", ein Zusammenschluss von Einzelpersonen und Augenzeugen des Vorfalls, protestiert heute gegen die Attacken vom getrigen Abend in einer versandten Pressemitteilung: "Dieses Bündnis machte seinen humanitären Anstrich lächerlich, indem es in seinen Reihen brutale Angriffe auf friedliche KritikerInnen ebenso duldete wie antisemitische Ausfälle. Wir protestieren gegen die Ignoranz der Leipziger Polizei gegenüber diesen Vorfällen – trotz der von Anfang an offensichtlichen Gewaltbereitschaft vieler Teilnehmer der Kundgebung, die auch Todesdrohungen enthielt."
Heute nun folgte die Stellungnahme seitens Volker Külow (Landtagsabgeordneter, Die Linke), welcher sich unter den Demonstranten der angemeldeten Veranstaltung befand: „Am Rande der gestrigen Protestkundgebung gegen den israelischen Überfall auf die Hilfsgüter für den Gaza-Streifen kam es von Seiten der sogenannten „Leipziger Solidarischen Linken“, von denen sich der Leipziger Stadtverband der Partei Die Linke mit aller Schärfe distanziert, zu gezielten Provokationen gegenüber den Teilnehmern der Protestdemonstrations; u.a. wurde auch gegenüber meiner Person mehrfach und direkt der groteske Vorwurf des Antisemitismus erhoben, den ich mit aller Entschiedenheit zurückweise.“
Hierin liegt also bereits der erste Unterschied in der Wahrnehmung der beiden Parteien am gestrigen Tage. Weiterhin heißt es heute seitens Külow zu den Vorfällen: „Ich bedauere sehr, dass es im Gefolge dieser völlig unnötigen, aber von den proisraelischen Gegendemonstranten offenkundig billigend in Kauf genommenen Konfrontation, mehrfach zu handgreiflichen Auseinsandersetzungen kam, die nur durch den Einsatz der Polizei unterbunden werden konnten. Ich habe in meiner Funktion als Landtagsabgeordneter versucht, zur Deeskalation der angespannten Situation beizutragen und entsprechend sowohl auf die polizeilichen Einsatzkräfte als auch auf die Teilnehmer der Protestdemonstration eingewirkt. Da die Leipziger Linke entsprechend eines Beschlusses des Stadtvorstandes vom vergangenen Dienstag den Aufruf zur Demonstration mit trug, habe ich auf der Abschlusskundgebung folgenden Redebeitrag gehalten, der auch als Flugblatt verteilt wurde.“
In der Rede ging es natürlich um die Beendigung der Blockade durch Israel gegen den Gaza-Streifen. Leider wurde sie gehalten, nachdem Gewalt von den Vertretern dieser Haltung gegen die Pro-Israel-Demonstranten ausgegangen war.
„Pro Organo“ - eine Konzertreihe zugunsten der Orgel in der Emmauskirche Sellerhausen - beginnt am Freitag, 10. Februar, mit einem Familienkonzert. „Pro Organo“ heißt die Konzertreihe mit der die evangelische Kirchgemeinde Sellerhausen Spenden für die notwendige Reparatur und Erneuerung ihrer Orgel in der Emmauskirche (Wurzner Straße 160) sammelt. mehr…
Am Mittwoch, 8. Februar, um 19:00 Uhr lädt Das Fundbuero ein zur Diskussion unter dem Thema „Freiheit und Demokratie – Eine offenen Debatte.” - Freiheit und Demokratie, das waren die zentralen Forderungen im Herbst 1989. Mit dem Ende der SED-Herrschaft, den Runden Tischen und den ersten freien und geheimen Wahlen zur Volkskammer im März 1990 waren diese Forderungen erfüllt. mehr…
Nel Arta alias Cornelius Artjens hat ein Problem. Sie ist ein bisschen außer Rand und Band. Verständlich nach ihrem recht turbulenten Ausflug nach Brasilien, wo sie ihre Geschlechtsumwandlung eigentlich perfekt machen lassen wollte. Aber billig ist auf dem Markt der Geschlechtsumwandlungen mordsgefährlich. Und das Abenteuer endet keineswegs mit der geglückten Rückkehr nach Deutschland. mehr…
Sein Opfer wird den 11. Juli 2008 nie vergessen: Bei sommerlichen Temperaturen soll Andreas S. in der Nähe des Mockau Centers einen jungen Fan der BSG Chemie Leipzig angegriffen haben. Der Lok-Fan, der von seinen Freunden "Bowale" genannt wird, schlug laut Anklage mehrfach auf sein wehrloses Opfer ein. Der 16-Jährige erlitt eine Platzwunde, entkam aber zunächst seinem Peiniger. mehr…
Am Donnerstag, 2. Februar, und Freitag, 3. Februar, kam die SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag zu ihrer Jahresauftaktklausur in Radebeul zusammen. Neben dem diesjährigen Schwerpunktthema „Starke Wirtschaft. Faire Arbeit. In Sachsen.“ wurden auch aktuelle parlamentarische Initiativen beraten. So diskutierten die Abgeordneten die weitere Vorgehensweise bezüglich eines Untersuchungsausschusses rund um das Thema der Zwickauer Terrorzelle. mehr…
Was für ein wichtiger Sieg für die Uni-Riesen. Die Grünweißen besiegten in ihrem Heimspiel am Freitagabend die zuvor fünfmal siegreichen White Wings Hanau mit 80:68 (49:36) und sicherten sich damit die Playoff-Teilnahme um den Aufstieg in die ProA. Doch die Schlussphase geriet zur Nervenschlacht. Spielentscheidend waren insgesamt sechs dunkelgrüne Streifen. mehr…
Gutti getortet! Hahahaaha! Hä? Das könnte man einen klassischen Zielkonflikt nennen. Oder schlicht ein Zeichen für galoppierende Hirnschmelze durchs "24-Stunden-Netzen". Eigentlich hätte die Torten schmeißende "Hedonistische Internationale" einen Aufnahmeantrag für den Gockel dabei haben sollen. Oder wär gleich zu Hause geblieben. Aber eitle Menschen unter sich im hippen Berlin - da konnte man schlecht widerstehen, da musste man hin. mehr…
Die Handballer des SC DHfK Leipzig müssen die kommende Saison ohne Spielgestalter Philipp Seitle planen. Das 26-jährige Kraftpaket wechselt im Sommer zurück in seine Heimatregion und wird dort für den Noch-Ligakonkurrenten TV Neuhausen auflaufen. mehr…
Jim Cantona nennt sich der Gitarrist der Rocker aus Altenburg. Er nahm sich Zeit, um etwas aus dem Nähkästchen zu plaudern. "Daniel Orange" hat 2012 einiges vor. Der Klampfer stellt viele Live-Auftritte in Aussicht, schaut zurück und nach vorne. Wie aber alles am Ende klingen wird, verrät Jim noch nicht. mehr…
Lok Leipzigs Präsident Michael Notzon ist nicht mehr Geschäftsführer beim Lok-Hauptsponsor goldgas. Zusammen mit den anderen drei bisherigen Anteilseignern hat der Geschäftsmann seine Anteile am Gasversorger an den Finanzinvestor Fonds bluO verkauft. Auswirkungen auf den FCL soll das jedoch nicht haben, würde also weiterhin eingeplanten Verstärkungen nicht im Weg stehen. mehr…
Die Leipziger Polizei ist nicht müde auf eine wichtige Verhaltensregel hinzuweisen. Es geht nicht ums Radfahren ohne Licht, oder um Geisterfahrten mit dem Auto oder Schwarzfahren mit der Tram. Anscheinend gibt es ein paar Leipziger, die so vertrauensselig sind, dass sie ihre Wohnung unverschlossen verlassen. Erneut kommt ein Hinweis aus dem Pressebüro der Polizei zum Verlassen der eigenen Häuslichkeiten: "Schließen Sie Ihre Hütte ab!" mehr…
Gero Künzel wird 50. Seit 1990 gehört der Erfurter Maler zum Künstlerstamm der 1989 gegründeten Galerie Schwind. Es ist in Leipzig das Zuhause der "Leipziger Schule" geworden. Der einstige Meisterschüler von Bernhard Heisig ist einer ihrer Vertreter. Die Galerie Schwind ehrt ihn im Februar und März im Tübkehaus in der Springerstraße mit einer Geburtstagsausstellung. mehr…
Noch 2001 endete eine Wagner-Aufführung von Dirigent Daniel Barenboim in Israel mit einem Eklat. Eigentlich wird Richard Wagner in Israel boykottiert. Der Leipziger Sohn galt selbst als "anti-jüdisch". Sogar Philosoph Friedrich Nietzsche wendete sich mit Grausen von ihm ab. Adolf Hitler soll aufgrund des Hörens von Wagner-Opern "erleuchtet" worden sein. Israelis setzten Wagner als Soundtrack für den Holocaust gleich. Es gibt viele Gründe, Wagner nicht zu mögen. Jetzt scheint es anders zu werden. mehr…
Ende August dieses Jahres wird das Pflegewohnstift Gohlis in Leipzig fertiggestellt. Das teilt die Wohnungsbaugesellschaft Th. Semmelhaack GmbH mit. Mit einem Investitionsvolumen von rund 13,5 Millionen Euro entsteht an der Ecke Lindenthaler/Georg-Schumann-Straße derzeit eine Pflegeeinrichtung mit 122 Einzelzimmern auf einer Fläche von insgesamt rund 6.765 Quadratmetern. mehr…
Dass sich die Kooperation mit der Justiz lohnen kann, beweist der Prozess gegen Tom M. Das Landgericht verurteilte den 23-jährigen Colditzer am Freitag wegen räuberischer Erpressung und Körperverletzung zu 14 Monaten auf Bewährung. Er hatte am 7. März 2010 offenbar aus Liebe zusammen mit seiner damaligen Partnerin deren Ex-Freund abends auf dem Aldi-Parkplatz in der Essener Straße in einen Hinterhalt gelockt, angegriffen und ausgeraubt. Die magere Beute: Ein Handy und 110 Euro. mehr…