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Organspendeskandal: Leipziger Uni-Klinik im Verdacht

Redaktion
Foto: Matthias Weidemann
Seit 2012 beschäftigen Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Spenderorganen das Land. Am Dienstag wurde bekannt, dass Mediziner der Leipziger Uni-Klinik Daten von Leber-Patienten "frisiert" haben sollen. Die dabei positiv Bedachten sollen in den langen Wartelisten einen Sprung nach oben gemacht haben.


Im Sommer 2012 hatte ein Organspendeskandal am Göttinger Universitätsklinikum für Furore gesorgt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Anfangsverdachts auf Tötungsdelikte und Bestechlichkeit. Im Raum stand unter anderem die Frage, ob durch die Bevorzugung von Patienten gegen Bezahlung andere ihre Spenderlebern nicht mehr rechtzeitig erhalten haben.

Vor dem Hintergrund dieses bekannt gewordenen Spendeskandals bei der Meldung von Patienten zur Lebertransplantation hatte der Leipziger Klinikvorstand am 27. Juli die Innenrevision beauftragt, Strukturen und Prozesse zur Meldung von Patienten bei Eurotransplant sowie die Führung der gelisteten Patienten bis zum Zeitpunkt der Transplantation kritisch zu prüfen.

Gecheckt werden sollten weiterhin sämtliche Meldevorgänge an Eurotransplant bei allen seit 01.01.2007 am Transplantationszentrum Leipzig lebertransplantierten Patienten. Die detaillierte Einzelprüfung dazu ist noch nicht komplett abgeschlossen.
Gleichzeitig prüfen die Prüfungskommission und die Überwachungskommission von Bundesärztekammer, Deutscher Krankenhausgesellschaft und GKV-Spitzenverband die Einhaltung der Transplantationsrichtlinien in allen deutschen Transplantationszentren.

Eine am 10. Dezember 2012 begonnene Stichprobenprüfung der in den Jahren 2010 und 2011 am UKL lebertransplantierten Patienten ergab Hinweise auf Dokumentationsmängel und Regelverstöße insbesondere bei der Angabe von Nierentransplantationen. Diese externe Untersuchung wird im Januar 2013 fortgesetzt werden.

Der Leipziger Klinikumsvorstand hatte nach Bekanntwerden dieser Mängel am 13. Dezember die Innenrevision durch vier Fachärzte verstärkt, um die begonnene Einzelfallprüfung 2007 – 2011 zu beschleunigen und auch die im Jahr 2012 transplantierten Patienten einzubeziehen. Mit offensichtlich fatalem Resultat: In den Jahren 2010 und 2011 gaben Leipziger Mediziner bei der Meldung von Wartelistenpatienten an Eurotransplant fälschlicherweise Lebersatzverfahren an. Für eine erhebliche Zahl von Patienten konnte die tatsächliche Durchführung des Eingriffs von den verantwortlichen Transplantationschirurgen nicht nachgewiesen werden.

Durch die Falschangaben rückten die betroffenen Patienten auf der Warteliste von Eurotransplant nach oben. Bei den Patienten des Jahres 2012 wurde eine Falschangabe bei einem von 10 Patienten mit der Angabe Dialyse festgestellt, hingegen bei keinem Patienten der Jahre 2007 bis 2009. Auf der Grundlage des Untersuchungsergebnisses hat der Klinikumsvorstand den verantwortlichen Direktor der Klinik für Viszeral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie sowie zwei Oberärzte mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben in der Patientenversorgung entbunden. Die Leitung des Transplantationsprogramms wurde mittlerweile auf einen erfahrenen Oberarzt der Klinik übertragen.


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