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Kleine Advokaten: Leipziger Journalisten-Juristen feiern 15 Jahre

Marko Hofmann
Redakteure Tilo Kemnitz, Christian Mucha, Matthias Cedra, Christian Dorst.
Redakteure Tilo Kemnitz, Christian Mucha, Matthias Cedra, Christian Dorst.
Foto: DKA
In Zeiten in denen Juristen die Bundesrepublik förmlich überfluten, suchen angehende Absolventen schon im Studium nach Nischen, um ihrem Beruf später trotzdem nachgehen zu können. Eine Möglichkeit ist eine Annäherung an den Journalismus. Die Gelegenheit dazu erhalten Studenten schon seit 15 Jahren in der Redaktion der Studentenzeitschrift „Der Kleine Advokat“.

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Einer hat es schon zum ZDF geschafft, ein anderer sein Jurastudium abgebrochen und die Redaktionsleitung übernommen.

1995 hatten Leipziger Jura-Studenten eine glorreiche Idee. Statt immer nur über Gesetzestexte zu hocken und zu versuchen, sie richtig zu interpretieren, suchten sie in ihrer Freizeit einen Ausgleich und fanden ihn im Journalismus. Seit dem gibt es das Magazin „Der Kleine Advokat“, der damit, wenig verwunderlich, eine der ältesten studentischen Zeitschriften für den Fachbereich Jura ist. Die Redaktion besteht nur aus Studenten der Rechtswissenschaften und Rechtsreferendaren, die sich verschiedene Themen rund um die Wissenschaft und den Fachbereich suchen.

„Wir schreiben nicht auf allerhöchsten wissenschaftlichen Level. Artikel von Professoren erreichen sicherlich eine größere Schöpfungshöhe. Es geht uns darum, dass sich die Jura-Studenten mal ausprobieren können“, erklärt Tilo Kemnitz, Redaktionsleiter und zuständig für Anzeigen und Layout.

Seit zwei Jahren ist Kemnitz dabei und in der Zwischenzeit hat er sein Jura-Studium zugunsten eines Studiums der Kommunikations- und Medienwissenschaft und der Kunstgeschichte an der Martin-Luther-Universität in Halle aufgegeben. „Journalismus hat mich schon immer interessiert und ich bin hier eher in der Position des Ideengebers, Impulsgebers und Organisators. Ich interessiere mich aber auch nach wie vor für Jura und halte mich über die aktuellen Themen auf dem Laufenden. Dass ich nicht alles über Jura weiß, ist dabei nicht schlimm. Wir sind ein Team und das können die anderen Redakteure leisten.“

Der kleine Advokat, Ausgabe 46.
Der kleine Advokat, Ausgabe 46.
Coverfoto: DKA/Kemnitz
In vielen Artikeln geht es auch nicht um Jura in Reinkultur. Im letzten Titelthema „Schulamok“ analysierten Redakteure beispielsweise die Ursachen und Bedingungen, die zu den Amokläufen an deutschen Schulen führten und formten ein Projekt mit Schulklassen daraus. Ein anderes Titelthema beschäftigte sich kürzlich mit der Frage, ob man Bürger an die Wahlurnen zwingen sollte. Die moralische Komponente ergänzt das Juristenblatt auf vielen Seiten. Interviews mit hochrangigen Juristen wie dem ehemaligen Vizepräsidenten des Bundesverfassungsgerichts Winfried Hassemer bereichern es. Dazu kommen Themen rund ums Studium. Bücherrezensionen etwa oder die Erstifahrt in den Schnee. Durchaus ein Highlight ist aber die Kolumne „Der Gesetzgeber erklärt uns die Welt“, in der schon über den Gesetzescharakter des Magnetschwebebahnbedarfsgesetzes (MsbG) disputiert wurde.

Das kostenlose Magazin erscheint immer am Semesterbeginn und wird direkt in den Hörsälen verteilt sowie an hoch frequentierten Stellen der Fakultät ausgelegt. „Innerhalb von wenigen Tagen sind fast alle 1.500 Stück vergriffen“, so Kemnitz. Ausgewählte externe Institutionen wie das Bundesverwaltungsgericht oder Rechtsanwaltskanzleien erhalten das Heft ebenfalls. „Die Resonanz, die wir erhalten ist von den externen Institutionen stets positiv“, so Kemnitz.

In den ersten Jahren erschien das Heft mit bis zu 60 Seiten und monatlich. „Das geht heute nicht mehr. Die Studenten haben enorm viel zu tun und wir müssen mit anderen Angeboten an der Fakultät konkurrieren“. So kommt es, dass das Heft mit so großem Abstand und mit höchsten 48 Seiten erscheint. „Es hängt eben von der Mitarbeit ab und da steckt ein stetiger Aufbauprozess dahinter“. Studenten beenden ihr Studium erfolgreich, andere brechen ab und jüngere Semester müssen erstmal begeistert werden. Dabei ist eine Mitarbeit beim Advokat kein großer Stress und eine neue Erfahrung.

„Wir sind nicht-kommerziell und haben nicht den Druck, den kommerzielle Magazine haben. Wir arbeiten in einer ungezwungenen Atmosphäre. Juristen müssen sich heute ihre Nische suchen. Der Journalismus ist eine“. Offensichtlich keine schlechte. Ein ehemaliger Redakteur des „Kleinen Advokaten“ hat es mittlerweile bis zum ZDF geschafft und auch das Privatfernsehen hat entdeckt, dass mit den Rechtswissenschaften ein wenig Quote zu machen ist. Von Shows wie „Einspruch! Die Show der Rechtsirrtümer“ hält Kemnitz allerdings nicht viel. „Das ist lediglich ein Entertainment-Format, denn Jura für die breite Masse chic zu machen, ist nicht ganz einfach. Da muss man auf diese Sondersituationen abstellen“. Für die „Advokat“-Leser ist das jedenfalls nichts. „Das ist für unser Leserpublikum zu einfach gestrickt.“

Das hat auch ganz andere Sorgen. Die nächste Hausarbeit beispielsweise. Hausaufgabentipps sucht man im „Kleinen Advokaten“ aber vergeblich. „Dafür wird bei uns in der Redaktion schon mal über die aktuelle Hausarbeit geredet“, gibt Kemnitz augenzwinkernd zu.

Wer einmal mitreden, sprich mitarbeiten will, kann sich gern zu den Redaktionssitzungen einfinden. Die Termine werden auf der Homepage des Magazins veröffentlicht, wo es seit neuestem auch eine Datenbank für Rezensionen gibt. „Mitmachen kann jeder Jurastudent, auch aus anderen Städten und wissenschaftliche Mitarbeiter“.

Dass Professoren mitarbeiten ist übrigens theoretisch möglich, praktisch aber eher selten. „Dafür loben Sie unser Heft“. Gewichtigeres Lob kann man eigentlich nicht kriegen.

www.kleiner-advokat.de

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