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Ein Sputnik ist abgestürzt: Vom neuen Niedergang eines MDR-Jugendradios

Bernd Reiher
Radiozukunft ist digital.
Radiozukunft ist digital.
Foto: Ralf Julke
Die Luft ist raus aus den Protesten gegen die Programmreform bei MDR Sputnik. Auch für die Verantwortlichen der Neustrukturierung scheint die heiße Phase vorbei, spätestens seit auch der Hörfunkausschuss des Rundfunkrates mit nüchternen Zahlen kalt gestellt wurde.

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Damit dürfte das ganze „Sputnik Next Level“ Geschichte sein. Wir wissen: ist das Tagesprogramm erst für den Abschuss durch den Mainstream freigegeben, folgen bald auch die noch heiligen Stunden im Abendprogramm. Wir kennen das Spiel so ähnlich aus einer früheren Ausdünnungsphase der Welle. Irgendwann war so daraus eines der wortärmsten Jugendradios der ARD geworden.

Mehr Hörer im Sendegebiet, das ist für Hörfunkdirektor Möller eines der Ziele dieser Reform. Im Interview mit Felix Hügel sagte er auf die Frage nach der jetzt bei Sputnik regierenden Quote:„Quote ist ein Schlagwort. Es geht um Hörer, die wir erreichen wollen. Natürlich wollen wir, dass möglichst viele Menschen unsere Programmangebote nutzen. Sie zahlen dafür Gebühren. Und dass die Quote nicht allein im Vordergrund steht, zeigt ja gerade MDR Sputnik ganz deutlich. Angefangen von Musikspezialsendungen über den interaktiven ‚Buntfunk’ bis hin zu zahlreichen Beiträgen – von Literatur bis Musik. Reichweite und Qualität schließen sich nicht aus.“

Fragt sich nur, wie lange noch. Die Sputnik-Zuwendungen scheinen derart geplündert, dass manch einer der nicht schweigenden Rundfunkräte spätestens im Sommer mit der nächsten Ausdünnungsphase rechnet. Der Etat von Sputnik liegt bei 4,5 Millionen Euro. Verlangte Einsparungen vom Hörfunkdirektor: 250.000 Euro. Weiterhin fällt eine halbe Million Sonderetat vom Intendanten weg. Ein Drittel ihrer Mittel ist es, das die Sputniker abknapsen müssen. Damit ist auch der Rest des Programms nur noch eine Frage der Zeit.

Nur noch eine Frage der Zeit: Sputnik Roboton.
Nur noch eine Frage der Zeit: Sputnik Roboton.
Foto: MDR / Sputnik

In der Sputnik-Community ist jüngst ein Abschiedsbrief aufgetaucht. Geschrieben hat ihn User „Flowerly“. Gerichtet war er an die Mannschaft: „Bevor ich mich nun vollständig von Euch verabschiede, möchte ich noch danken. Ich danke euch, dass ihr mich seit 2006 mit toller Musik, kompetenten Moderatoren und innovativen Aktionen begleitet habt. Dass ihr meinen Horizont für gute Musik vergrößert habt, und zwar dann, wenn ich Radio hören konnte: tagsüber. Ich danke euch für die Erkenntnis, dass mitteldeutsches Radio mehr kann als nur bedeutungslos zu dudeln. Dass ihr dem MDR ein wenig Glaubwürdigkeit zurück gegeben habt. Ich danke euch für Studiokonzerte, für Innovationen wie der Sputnik-App, dem Multiplayer, dem täglichen Hörerlebnis vorm Einschlafen, Moderatoren mit Meinungen, der Movie Show. Und ich danke euch für Kommissar Meiner.“

Der Schwächste stirbt zuerst, diese Regel gilt scheinbar auch für den MDR-Hörfunk. Dass am Grab geschwiegen wird, haben sich offensichtlich auch manche Rundfunkräte der mitteldeutschen Anstalt vorgenommen. Sie haben die Anfrage der L-IZ für die Interview-Reihe zum Thema Sputnik-Reform gleich komplett ignoriert. Der Thüringer Bündnis-Grüne Carsten Meyer und Leipzigs IHK-Präsident Wolfgang Topf zählten dazu. Als Vertreter der Gesellschaft auch Zeugnis abzulegen, wie man den MDR überwacht, scheint für diese beiden Kollegen nicht zur Arbeit eines Rundfunkrates zu gehören.

Unterm Strich heißt es damit: Abschied nehmen vom neu gefassten Vertrauen in den MDR. Wir trauern nicht. Wir weinen nicht. Wir hoffen auch nicht, dass es wieder besser wird. Der MDR hat ein weiteres Mal seine Professionalität unter Beweis gestellt: in brenzligen Situationen gerade den jungen Leuten zu zeigen, wo der Hammer hängt.

„Die Zielgruppe für ein intelligentes Radio wie 'Fritz' oder 'Radio eins' ist in diesem Sendegebiet nicht zu finden“, vielleicht ist es auch, dass diese Denke noch immer in manchem Anstaltskopf rotiert. Geäußert hat sie vor Jahren einmal einer von den Mittelgroßen. Angesichts von Sputnik Next Level jedoch hätte man meinen können, das ist passé. Vielleicht aber waren doch Restbestände davon mit verantwortlich, dass der MDR bei allem Geldmangel besonders im Jugendzimmer gewütet hat.

Eigentlich auch egal. Uns muss es nicht mehr interessieren. Bald nun ist Weihnachtszeit – wir wünschen uns ein W-LAN-Radio und freuen uns auf eine schöne Zukunft mit Byte FM oder Motor FM. Die Privaten sind verlässlicher geworden als die Verwalter unserer Gebühr.

Gute Internet-Kofferradios gibt es übrigens schon für rund 150,00 Euro. Damit sind die 2.000 deutschen Internet-Stationen ebenso gut zu empfangen, wie die 50.000, die es auf der ganzen Welt geben soll. Für die unausweichlichen Touren im MDR-Sendegebiet gibt es nicht nur ein Batteriefach, sondern auch eine Podcast-Funktion. Damit ist das Überleben in der Funkpampa gesichert.

Felix Hügels E-Mail-Interview mit Johann-Michael Möller: http://felixhuegel.posterous.com

Anspruchsvolles Radio gibt es bald nur noch digital.
Anspruchsvolles Radio gibt es bald nur noch digital.
Foto: Ralf Julke

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