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Wovon Leipziger träumen: Christian Bollert "Nicht nur den kleinsten gemeinsamen Nenner suchen"

Vanessa Raab / Text Christian Bollert
Christian Bollert
Christian Bollert
Foto: detektor.fm
Als Radiomacher wünsche ich mir eine Radiolandschaft, in der öffentlich-rechtliche Sender innovative Ideen umsetzen und in der die Hörer endlich ernst genommen werden.

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Spätestens seit dem Aufkommen des Privatradios in den 1980er Jahren und dem anschließenden Siegeszug in den 1990er Jahren gleichen sich doch die großen öffentlich-rechtlichen Sender und die privaten UKW-Stationen einander immer mehr an. Aktuell leben wir deshalb in einer hochgradig verwechselbaren Radiolandschaft ohne Inspiration und Leidenschaft. Alle Sender schielen nach möglichst hohen Quoten, die im Radiobereich „MA-Daten“ (Media-Analyse-Daten) genannt werden. Deshalb gibt es diese unsäglichen Gewinnspiele im Frühjahr und im Herbst, deren zweifelhafte Methoden ich an dieser Stelle mal nicht weiter ausführen will (Gewinnausschüttung nach dem Zeitplan der beratenden „Radioexperten“, Fake-Gewinnspiele etc.).

Dabei kann Radio so viel mehr sein als größtmöglicher Kompromiss. Radio muss kein seelenloses Ding mit Liedern sein, die keinem weh tun. Ich will im Radio neue Künstler entdecken, Impulse bekommen und gesellschaftliche Debatten verfolgen. Neben den unzähligen visuellen Medien (Zeitung, Zeitschriften, Fernsehen oder der Großteil des Internets) hat Radio als einziges Audiomedium auch die Chance, ein dauerhaft relevanter Kanal zu sein. Geht es doch exklusiv auf die Ohren. Allerdings sehe ich leider keine bis gar keine Entwicklung des Mediums in den vergangenen 20 Jahren.

Christian Bollert: "Während Zeitungs- und Fernsehjournalisten ihr Medium in den Himmel loben, scheinen heute alle Radioredakteure geduckt durch das Land zu laufen."
Christian Bollert: "Während Zeitungs- und Fernsehjournalisten ihr Medium in den Himmel loben, scheinen heute alle Radioredakteure geduckt durch das Land zu laufen."
Foto: detektor.fm

Den Radiomachern fehlt es außerdem an Selbstbewusstsein und an Mut. Während Zeitungs- und Fernsehjournalisten ihr Medium in den Himmel loben, scheinen heute alle Radioredakteure geduckt durch das Land zu laufen.

Wie schön wäre eine Welt, in der es ein wirklich breites Angebot an Radiosendern gäbe? Also eine Radiolandschaft, die nicht nur den kleinsten gemeinsamen Nenner sucht, sondern verschiedenste Bedürfnisse bedient. Was könnte es nicht alles geben: ein Hörbuchradio, einen Fußballsender, ein Talk-Radio, ein journalistisch anspruchsvolles Radio, ein musikjournalistisches Radio und so weiter und so fort. Wenn wir ehrlich sind, ist diese Hoffnung wohl für das klassische UKW-Radio und auch für das digitale DAB+ eine Illusion. Doch am Horizont gibt es einen Hoffnungsschimmer: das mobile Internet.

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Das Radio ist tot, es lebe das Radio!


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