Der Neue kommt aus Rostock: Jan Emendörfer wird Chefredakteur der LVZ
Ralf Julke
18.12.2011
Leipziger Volkszeitung
Foto: L-IZ.de
Es wurde ja manches gemunkelt um den Nachfolger von Bernd Hilder (52), den so unglücklich bei der Wahl zum MDR-Intendanten gescheiterten Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung (LVZ). Ende November gab er auch seinen Chefredakteursposten ab, wechselte für die Madsack-Gruppe ins Brüsseler Büro. Seit Samstag ist klar, wer ihm in Leipzig auf dem Chefposten nachfolgt: Jan Emendörfer (48), bislang Chefredakteur der Ostsee-Zeitung.
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Auch die gehört - wie die LVZ - zum Medienkonzern Madsack. Am Freitag, 16. Dezember, gab OZ-Geschäftsführer Thomas Ehlers den Wechsel Emendörfers nach Leipzig bekannt. Sein Nachfolger in Rostock wird Andreas Ebel (43), der seit 2002 die Lokalredaktion Rostock leitet.
Emendörfer selbst war seit 1990 bei der „Ostsee-Zeitung“ und ist seit Mai 2008 deren Chefredakteur. Dass Emendörfer neuer Chefredakteur der LVZ wird, weiß inzwischen auch Wikipedia. Dort kann man nachlesen, dass die Wurzeln von "Emmes", wie ihn die Rostocker Journalisten-Kollegen nennen, ganz in der Nähe lagen: Er wurde 1963 in Halle geboren. Sein Vater, Max Emendörfer, war schon Redakteur der damaligen SED-Bezirkszeitung "Die Freiheit", aus der am 17. März 1990 die "Mitteldeutsche Zeitung" wurde.
Auch der ausgebildete Baumaschinist Jan Emendörfer arbeitete eine Zeit lang als Wirtschaftsredakteur für "Die Freiheit". An der Fachschule für Journalistik in Leipzig (nicht zu verwechseln mit der Sektion Journalistik an der Karl-Marx-Universität) absolvierte er bis 1989 ein Fernstudium, ging 1990 dann nach Rostock, um bei der "OZ" das Ressort Wirtschaft zu leiten, ab 1997 das Ressort Reportage.
1997 veröffentlichte er die Biografie seines Vaters unter dem Titel "Verfemt – Mein Vater Max Emendörfer", die 2004 in zweiter Auflage erschien.
1999 wurde Emendörfer Mitglied der Chefredaktion der Ostsee-Zeitung unter Gerd Spilker, leitete nach Spilkers Ablösung Ende 2005 die Redaktion kommissarisch, bis Manfred von Thien vom Verlag 2006 als Chefredakteur zur Ostsee-Zeitung entsandt wurde. Von Thien kam von den Lübecker Nachrichten, die ebenfalls zum Hause Madsack gehören. Beide Zeitungen arbeiten schon länger an einer dieser schönen Erfindungen des modernen Printzeitalters - einem gemeinsamen Mantel.
Die Küstenbewohner wissen also schon aus eigener Erfahrung, was dabei herauskommt, wenn zwei Zeitungen versuchen, in der Mantelfüllung so etwas wie Synergien zu finden. Der Spaß wird ja auf die LVZ auch zukommen, die ja 53 Stellen abbauen muss und ihre überregionalen Mantelgeschichten künftig im Hauptstadtbüro der Madsack-Gruppe in Berlin bestellt.
Die LVZ mit Jan Emendörfer als neuem Chefredakteur und demnächst einem Mantel aus Berlin und
Foto: L-IZ.de
Ab 2008 wurde Emendörfer dann richtiger Chefredakteur der OZ. Anders als sein Leipziger Vorgänger Bernd Hilder ist er den Lesern der OZ durchaus auch noch als selbstagierender Reporter bekannt. Über den G8-Gipfel in Heiligendamm 2008 schrieb er die Serie "Hinterm Zaun". Das Thema fiel ihm quasi vor die Füße, denn sein Haus lag beim G8-Gipfel im Sperrgebiet rund um Heiligendamm. Da konnte der Journalist den Sicherheitswahn aufs Korn nehmen, fand Kameras in seinem Garten usw.. Für seine Reihe „Hinterm Zaun“ erhielt Emendörfer 2008 auch den Medienpreis Print des Landes Mecklenburg-Vorpommern.
Auf dem Chefposten hatte er zu solchen ausführlichen Beiträgen keine Zeit mehr, erfreute die Rostocker eher - wie in Leipzig auch Bernd Hilder - mit Kommentaren zum Tagesgeschehen. Wahrscheinlich ändert sich mit ihm zumindest der Umgang des "Chefs" mit der Belegschaft im Ton. Denn in Rostock gab er immer wieder gern noch den Baumaschinisten - vom Wesen her so etwas wie Kumpel für alle, die ihn mögen.
Vielleicht findet er auch in Leipzig solche Sportsfreunde. Denn unter Emendörfer wurde die Fußballisierung der OZ deutlich vorangetrieben. Das ist mit einem Club aus der 2. Liga etwas einfacher als mit den Leipziger Regionalclubs. Aber da hatte ja die LVZ in den etwas besseren Zeiten des FC Sachsen auch nicht allzu viele Skrupel, ein zu erwartendes Gekicke als den Knaller des Wochenendes anzukündigen.
In der OZ war das noch ein bisschen schöner zu erleben: Am Freitag auf Seite 1 das Vorbereitungsbild. Motto: "Hansa, wir drücken Dir die Daumen". Montags dann auf dem Titel: "Beim nächsten Mal muss es klappen." Manchmal hat man ja beim Lesen der Zeitung das Gefühl, die Fußballreporter sind genauso wehleidig wie die Spieler auf dem Rasen. Und noch großmäuliger. So brachte man es auch schon fertig, so etwas wie den Abstieg einer Region anzukündigen falls Hansa absteigt. Oder die OZ mobilisierte vor wichtigen Spielen Lokalpatrioten auf jeder Seite, die mit dem Fanschal den Satz "Ich glaube an Hansa, weil..." entsprechend fortsetzen durften.
Wer das über einen Leipziger Club schreiben würde, würde sich geradezu lächerlich machen. Vielleicht wurde das auch so geschrieben und wir haben das in der Eile nur überlesen. Vorstellbar ist es schon.
Dass sich mit Jan Emendörfer im Haus am Peterssteinweg viel am eingeschlagenen Kurs ändert, darf man wohl nicht erwarten. Dagegen spricht schon, dass die OZ dem Prozess, den auch die LVZ jetzt durchmacht, schon um drei Jahre voraus ist. Die eigentlichen Linien werden von Madsack aus Hannover vorgegeben. Man hätte Emendörfer nicht nach Leipzig geholt, wenn man von ihm etwas anderes erwarten würde.
Die LVZ selbst wird den neuen Chefredakteur auch irgendwann in den nächsten Tagen vorstellen. Man hatte ja versprochen, dass man das noch vor Weihnachten tun wolle.
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