Rammstein in Leipzig und auf Tour im Herbst: Vorverkauf beginnt am 12. Juni
Daniel Thalheim / Michael Freitag
07.05.2009
Brav oder nicht brav? Rammstein ist zurück und 2009 live in Leipzig
Foto: Agentur / Myspace.com/Rammstein
Von den Kritikern als dumpf geschmäht, von den Fans geliebt. Deutschlands liebste Provokateure “Rammstein“ kommen im Herbst auf Deutschlandtour. Mit Titeln wie „Du hast“, „Sonne“ und „Du riechst so gut“ haben die sechs Berliner bis 2006 die deutschen Charts gehörig durcheinander gewirbelt und feierten internationale Erfolge. Nun bricht es erneut an – ein Rammstein-Jahr mit Live-Konzerten.
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Oft kopiert und nicht erreicht. Wer hätte das gedacht, dass “Rammstein“ nach ihrer Gründung 1994 und ihrem ersten Album “Herzeleid“ die öffentliche Meinung so entzünden würde. Mit ihrem brachialen Musikstil prägten die Männer um die ehemaligen “Feeling B“-Mitglieder Paul Landers und Christian “Flake“ Lorenz auch gleich ein neues Genre. “Neue Deutsche Härte“ hieß die tanzbare Mischung aus Elektronik und Metal.
Der Erfolg hielt bis zu ihrem letzten Album “Rosenrot“, wo sie feurig „Benzin“ rochen. Feurig sind auch die Shows von Rammstein, ebenso die Texte. Am 12. Juni beginnt der Vorverkauf für die Deutschlandtour, die am 24. November auch durch die Leipzig Arena führt.
Kritiker limitierten die Gruppe auf das rollende “R“ des gebürtigen Leipziger Frontmannes Till Lindemann und seine oft sarkastisch und expressiv dargestellten Eindrücke in den Texten, die er auch in seinem Gedichtband “Messer“ 2002 veröffentlichte. Zusammen mit Gert Hof, der auch mit Till Lindemann gemeinsam die Pyro-Shows der Gruppe inszeniert. Damit und mit den Texten der Band befindet sich Till Lindemann in der Reihe seiner Literatenfamilie mittlerweile wohl auch auf Platz eins vor Vater Werner. Wenn der Vergleich mit einem Kinderbuchautor angesichts der Sohneslyrik überhaupt anbietet.
Eine ostdeutsche Erfolgsstory. Hohe bis höchste Charteinstiege weltweit, neue Alben, Platinauszeichnungen und Vergoldungen sowie fiese Videos. Wer erinnert sich nicht an die Leni-Riefenstahl-Sequenzen aus ihrem Olympiafilm zu dem Depeche Mode-Cover “Stripped“? Das Video löste umgehend bei deutschen Intellektuellen Nationaldebatten aus. Während man in Ost-Westeuropa und weiten Teilen Amerikas bereits begeistert die CD-Dealer bestürmte, stand die Band unter wortgewaltigem Nationalismus-Generalverdacht in der Heimat. Relativ unschlüssig, wenn man die Hintergründe ihrer Herkunft betrachtet hätte.
Till Lindemann und Co. immer am Puls der Zeit
Foto: Agentur / Myspace.com/Rammstein
Die Rammsteine nahmen es mit Humor und konterten die Nummer musikalisch locker mit “Links 2 3 4“ und einigen klaren Statements einfach aus.
Noch ein wenig Geschichtsfolklore zur Band
Das namensgebende Lied “Rammstein“ wurde mit dem Soundtrackbeitrag zum David Lynch-Film “Lost Highway“ auch in Amerika schlagartig berühmt. Einige Zeit später tanzten “Rammstein“ in ihrem Video zu“Amerika“ auf dem Mond und persiflierten amerikanische “Kulturerrungenschaften“. Nach ihrem Album “Rosenrot“ (2005) spielten die fünf Musiker 2006 eine Runde “Völkerball“ mit den Fans.
Dann wurde es ruhig um die damit weltweit bekannt gewordene Band.
Hatte der Erfolg die Band ausgelaugt? Das fragten sich viele, als sie“Rosenrot“ hörten. Trotz weltweit hoher Charteinstiege, wurde der “Rammstein“ etwas weich. “Keine Lust“ hatten sie auch. Zumindest versprach der Titel mehr Substanz und Selbstironie als die Alben zuvor. Provokant blieb die Band jedoch durchaus auch hier, als sie die Kannibalengeschichte um Armin Meiwes mit “Mein Teil“ aufkochte.
Man kann der Gruppe vielleicht teilweise substanzloses Provozieren vorwerfen. Aber ob dies Kinder und Jugendliche zu Massenmördern erzieht? So manchem klingeln noch die meist teutonischen Vorwürfe an die Band in den Ohren, nachdem in Littleton ein erstes Mal jugendliche Verblendung zu verfügbaren Waffen griff. Doch letztendlich braucht Kunst und Musik die Provokation, ist ein Spiegel, gern auch mal im melodischen Breitbildformat, wie bei Rammstein. Beethoven hat provoziert, Gustav Mahler auch. So mancher Mensch hat das Genie der Kunst in seiner kurzen, eigenen Epoche vielleicht nie verstanden.
Der Zeit voraus sein, ist die eine Sache. Am Puls der Zeit zu sitzen, ist das was “Rammstein“ auszeichnet. Und bis hier hat die Band so klar Linien gelegt, dass es durchaus denkbar ist, noch in Jahren Jemandem zu begegnen, der leise “Reise, Reise“ vor sich hin singt – und traurig lächelt.
Ein Stück heutige (Leit)Kultur auf Touren, die Karten werden auf der Homepage der Band schneller ausverkauft sein, als man “Links 2,3,4“sagen kann. Und die Kritiker der Band bekommen 2009 vielleicht wieder etwas Sprengstoff für die Klamottenkiste – die, welche seit Jahren im Keller ganz hinten rechts steht.
Am 12. Juni beginnt der Vorverkauf für die Herbsttour 2009. Tickets für die Deutschlandkonzerte können exklusiv nur unter www.rammsteinshop.de erworben werden. Für Tickets über andere Anbieter wird laut Homepage der Band für diese Konzerte keine Haftung übernommen.
„Rammstein“ ist am 24. November in der Arena Leipzig.
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