Konzert für Kinder in Afghanistan: Über 4.000 Euro Spenden, ein begeistertes Publikum und hinreißende Künstler + Bildergalerie
Daniel Thalheim
06.11.2011
Julia Neigel in Aktion beim 4. Konzert für Afghanistan.
Bild: Star Media / Michael Schöne
Ihnen ging es im Anker um Engagement. Wenn Künstler sich für etwas einsetzen, dann überzeugt das. Am Samstag, 5. November, stieg zum vierten Mal das Konzert für Afghanistan. Musiker wie Dirk Zöllner, Julia Neigel, Manfred Maurenbrecher, Sebastian Krumbiegel überzeugten nicht nur mit Stimme und Musik, sondern auch für ihr Signal gegen Krieg und für Menschenrechte.
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Wenn auch der gestrige Abend im Anker leicht stockend begann, so übertraf er wenig später in seiner Lockerheit und Lässigkeit jedes andere Rockkonzert. Familienatmosphäre inklusive. So empfanden es zumindest die in die Nacht gehenden Gäste, als der letzte Ton der singenden Gruppe aus Julia Neigel, Dirk Zöllner, Manfred Maurenbrecher, Francis D.D. String, Sascha Gutzeit, Volly Tanner, Sebastian Krumbiegel und vielen mehr als Revision-All-Star-Band die verbliebenen Gäste verabschiedete. Doch zunächst alles auf Anfang.
Mit einer vorläufigen Spendensumme von 4.155 Euro überrundet am 5. November das Konzert zugunsten der Kinderhilfe für Afghanistan nicht nur das Vorjahreskonzert um über 1.000 Euro. Es sind auch mehr Menschen da. "Reißt eure Arme nach oben! Herzlich willkommen! Schön dass ihr da seid", ruft Rocker Markus Siebert in bester Manier eines Bruce Springsteen oder Bryan Adams zum johlenden Publikum.
Markus Siebert rockt richtungsweisend für einen erfolgreichen Abend.
Bild: Susan Janetzki
Die Stimmung ist gut. Sie bricht auch nicht bei Chansonsänger Sascha Gutzeit ab, der die Leute mit einer Anekdote unterhält. Er sagt sich freuend: "Vielleicht bin ich demnächst berühmt. Ich habe eine Nummer komponiert, 'Ein Lied für eine bessere Welt'. Damit habe ich mich zum Grand Prix beworben." Dann hören die Gäste einen stimmungsvollen Appell für Menschlichkeit und Frieden. Frizz Feick ist wie Gitarrist Francis D.D. String fast überall zu hören und zu sehen.
Der Eindruck täuscht nicht, dass schon um 20 Uhr rund 300 Leute da waren, um sich einen Einführungsfilm rund um die Arbeit der "Kinderhilfe in Afghanistan" und das Engagement der Familie Erös anzuschauen. Es sollten an diesem Abend noch mehr Gäste werden. Denn zur Hälfte der bis kurz nach Mitternacht dauernden Show wurden schon über 2.000 Euro an eingegangenen Spendengeldern verkündet. Von der Bühne aus hoffte man mit einer glatten 5.000. Gegen Ende der rund vierstündigen Konzertnacht waren es knapp über 3.800 Euro, gegen 2 Uhr wurden 4.155 Euro als vorläufiges Plus für humanitäre Projekte in Afghanistan preis gegeben.
Heiße Rockshow im Anker: Julia Neigel & Co.
Bild: Star Media / Michael Schöne
Initiatorin der Kinderhilfe für Afghanistan, Annette Erös, schaut zufrieden in Richtung Bühne, wo Rockpoet Manfred Maurenbrecher am E-Piano sitzt und einige Lieder schmettert. Sie erzählt, wie ihr Mann Reinhard Erös bereits Mitte der Achtziger sein Engagement für das krisen- und kriegsgebeutelte Land am Hindukusch entdeckte, wo seit einigen Jahren die Bundesrepublik die Demokratie verteidigt. Der Bundeswehrarzt stellte sich mit seinem Engagement gegen die Interessen der damaligen Politik, wurde dafür 2006 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Erös beschreibt, dass man zwar schon mit wenig Geld eine Schule aufbauen kann. Doch das reicht nicht. Die dortigen Kinder nehmen lange Wege in Kauf, um dorthin zu gelangen. Nachdenklich stimmt sie die Außenpolitik der USA.
An diesem Abend braucht aber niemand Sorgen zu haben. Annette Erös wie auch der von Journalist Peter Matzke als "alternative Sachertorte mit intellektuellem Sahnehäubchen" bezeichnete Szeneautor Volly Tanner stellen fest, dass weitaus mehr Menschen da sind als im Vorjahr. Die Musiker haben sichtlich ihren Spaß. Vor allem, als Manfred Maurenbrecher von einem anderen Konzert extra nach Leipzig kommt, freudestrahlend die Bretter zu besteigen.
Der afghanische Künstler Doud Khan Sadouzei sorgt für einen mitreißenden Auftritt, den so mancher als eindrucksvoll bezeichnet. Prinzen-Frontmann Sebastian Krumbiegel setzt sich ans E-Piano, singt "Das Schiff" von Die Art in einer mitreißenden und melancholischen Version, die ebenso für Jubel sorgt wie sein anschließender Gang mit der Kollekte durch das Publikum. Chansonier Stefan Gwildis singt "What's going on" von Marvin Gaye und verursacht für ein kleines emotionales Erdbeben im Publikum, weil er es einfach schafft, Herzen auf ihn zufliegen zu lassen.
Großes Finale der Allstar-Band.
Bild: Star Media / Michael Schöne
Wenig später stellt Musikus Volly Tanner stimmlich unter Beweis, dass er das Kind von Manfred Maurenbrecher ist und es sogar mit Rockpoet Kurt Cobain aufnehmen kann. Rückseitig der Bühne ist man währenddessen beschäftigt und konzentriert. Hier wuseln die Musiker und Bühnenmitarbeiter, dass auch alles fast übergangslos vonstatten geht.
Dirk Zöllner überrascht mit einem Auftrittshäppchen zwischendurch und reißt gegen Ende der Konzertrunde die Massen noch einmal mit, bevor Julia Neigel den Saal noch einmal richtig rockt. Zöllner erklärt den Anwesenden, dass jeder andere seinen Geburtstag für sich selbst feiern würde. Konzertorganisator Benjamin Weinkauf nutzt jedoch diese Gelegenheit für einen guten Zweck. "Was für ein super Abend!"
So sieht es auch Rockröhre Julia Neigel, die wie ein kleiner Tornado über die verschrammten Bühnenbretter wirbelt und neben neueren Liedern auch "Schatten an der Wand", ihren größten Hit, zum Besten gibt.
Gute Laune wird groß geschrieben als die letzten Gäste den Anker nach einer eindrucksvollen Show verlassen und Sebastian Krumbiegel während eines Interviews mit der L-IZ sichtlich begeistert sagt: "Diese gemeinsame Idee hat ein Gefühl transportiert, eine Stimmung, die jeder, der dabei war, mit nach Hause nimmt. Ich glaube wirklich, dass jeder der 300 Menschen, die anwesend waren, begeistert war. Die Stimmung war phantastisch, es war ein Happening, und ich bin wirklich glücklich, dabei gewesen zu sein!"
IG-West-Initiatorin Nadine Weise ist beim Hinausgehen auch beeindruckt, und stellt gegenüber der L-IZ fest: "Erstaunlich ist bei jedem neuen Lied wieder, wie viel Spaß diese großartigen Musiker miteinander haben - wie beim spontanen Duett zu 'Sitting on the dock of the bay' von Otis Redding, bei dem Zöllner einfach kurz eingesprungen ist und dann das ganze Lied mitgesungen hat. Oder auch zu 'My generation' von The Who. Diese herzliche Stimmung unter den Musikern überträgt sich einfach auf das Publikum und machte das 'Konzert für Afghanistan' zu einer wunderbaren und einzigartigen Veranstaltung, die auch noch einem guten Zweck dient. Einzig ein bisschen mehr Publikum könnte es noch vertragen..."
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