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800 Jahre Thomana: Pfarrer Christian Wolff über Bach, Pop und Kultur

Daniel Thalheim
Pfarrer an der Leipziger Thomaskirche: Christian Wolff.
Pfarrer an der Leipziger Thomaskirche: Christian Wolff.
Bild: Forum Thomanum / Presse
Mehrere Jahre dauerte die Vorbereitung. Allein 190 Veranstaltungen verweisen im Programmbuch auf das Festjahr rund um die Thomaskirche 2012. Man kann ruhig noch knapp 150 dazu zählen, wenn es um Gastspiele, Rahmen- und Randveranstaltungen geht. Warum Musik aus Bachs Zeiten trotzdem Pop ist und welche Inhalte das Jubiläumsjahr transportiert, erzählt Thomaskirchenpfarrer Christian Wolff im L-IZ-Interview.

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Herr Wolff, nach einer mehrjährigen Vorbereitungszeit für die 800 Jahre Thomana: Haben Sie persönliche Veranstaltungshöhepunkte im Rahmen des Festjahres?

Dazu gehören auf jeden Fall die fünf Uraufführungen der Festmusiken. Sie signalisieren: die Tradition der "Thomana" wird in die Zukunft weitergeschrieben. Höhepunkt wird auch die offizielle Einweihung des Bildungscampus forum thomanum am 20. März sein und die Festwoche der Thomaskirche beginnend mit dem Refomationsfest. Besonders freue ich mich, dass wir am 30. Dezember 2012 die Christmette nach Michael Prätorius in der Thomaskirche aufführen können.

Über welche Zusagen von Künstlern haben Sie sich besonders gefreut?

Dass amarcord, das erste Vokalensemble aus ehemaligen Thomanern, das sich nach der Friedlichen Revolution gebildet hat, am 17. März 2012 sein 20-jähriges mit einem Konzert in der Thomaskirche begeht und dass dieses Ensemble am 31. Oktober 2012 ein Konzert mit Musik der Reformation gestaltet. Natürlich freue ich mich auch, dass Masaaki Suzuki aus Japan zum Bachfest 2012 nach Leipzig kommt.

Freut sich auf diverse Highlights bei "800 Jahre Thomana" - Christian Wolff.
Freut sich auf diverse Highlights bei "800 Jahre Thomana" - Christian Wolff.
Bild: Forum Thomanum / Presse
Warum ist es heute so wichtig, auf die Gründung der Thomana 1212 hinzuweisen?

Der Thomanerchor und der Thomaskantor sind die ältesten Kulturinstitutionen der Stadt Leipzig. In der reichen Tradition der "Thomana" wurzelt die geistige, geistliche und kulturelle Entwicklung Mitteleuropas. Keine andere Stadt weltweit kann auf eine solche Tradition mit so viel Authentizität aufweisen wie Leipzig.

Sie sagten, dass Musik wie die von Johann Sebastian Bach eine stärkere Fundierung in der Stadtgesellschaft einnehmen könne. Was genau ist damit gemeint?

Ich habe die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass das Jubiläum etwas zur Fundierung des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens einer Stadt wie Leipzig beitragen kann. Damit möchte ich darauf hinweisen, dass alles Leben schnell verödet, wenn wir es nicht immer wieder aus den Wurzeln speisen, die uns Erneuerung ermöglichen. Und diese Wurzeln werden gerade durch die "Thomana" lebendig gepflegt. Die geistliche Musik wie die von Johann Sebastian Bach stellt sich in den Dienst der biblischen Botschaft von der Gerechtigkeit, der Barmherzigkeit und der Ehrfurcht vor dem Leben. Immer haben wir in der Thomaskirche im Blick, dass die Musik dem dienen möchte, was unser Leben so wertvoll macht: Gott die Ehre geben und dem Nächsten dienen. Insofern können wir die Musik nicht vom Inhalt trennen – und der ist – Gott sei Dank – nicht beliebig.

Sie sprachen auch von einer Popularisierung im besten Sinne durch diese Musik. Können sie darauf näher eingehen?

Ich sprach von "800 Jahre Pop“ - das war das Motto des Weihnachtsgrußes einer Leipziger Werbeagentur. Wir vergessen oft, dass die geistliche Musik immer auch Musik für das Volk war. Mit der Reformation und der Einführung des Gemeindegesangs wurde die Liturgie demokratisiert. Und auch heute sind die Motetten in der Thomaskirche zwar keine Volksmusik, aber Musik für das Volk, für die Menschen. Die Musik will Menschen trösten, aufrichten, und durch die Musik sollen die Gewissen geschärft werden. In diesem Sinne liegt es in unserem Interesse, gerade die geistliche Musik zu popularisieren.

Vielen Dank für das kleine Interview, Herr Wolff.


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