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Wovon Leipziger träumen: Sarah Köhler - Die Fans müssen auch gehört werden

Sarah Köhler
Sarah Köhler
Sarah Köhler
Foto: Jan Kaefer
Das Jahr 2012 war für Fußballfans sportpolitisch kein Gutes. Schlagwörter wie „vom Dach fallende Bengalos“ oder die „Taliban der Kurve“ prägten die eigentlich sensibel zu führende Debatte um die Sicherheit in deutschen Stadien. Sarah Köhler vom Fanprojekt Leipzig hat sich in 20 Jahren Fußball nie unsicher gefühlt. Doch trotzdem muss sich etwas ändern – zum Guten der Fans …


Es kommt mir vor, als sei 2012 wie im Flug vergangen. Viel Arbeit steckt im Fanprojekt Leipzig: Viele Stunden an Gesprächen in Netzwerken und mit Behörden, Tage im Aufbau der Geschäftsstelle und der Fanräume, Wochen in der Planung und Durchführung von Fanturnieren, Veranstaltungen und Lesungen und viele Monate im Kontakt- und Vertrauensaufbau zu den Fanszenen. Am Ende dieses erlebnisreichen Jahres kann ich sagen, dass wir eine solide Basis geschaffen haben, auf der sich aufbauen lässt. Verschweigen möchte ich dennoch nicht, dass mancherorts noch viel Weg vor uns liegt – wir sind bereit ihn zu gehen!

Das nicht nur die Fans in den oberen Ligen beschäftigende Thema des Jahres war zweifelsohne die „Sicherheitsdebatte“. Ob „Taliban der Kurve“, „Sogenannte Fans“, „Problemfans“ oder „Chaoten und Gewalttäter“ – die Etikettierungen waren so vielfältig wie oftmals hanebüchen.

Ich selbst gehe seit nunmehr nahezu 20 Jahren privat und beruflich zum Fußball. Auch nach längerem Überlegen fällt mir keine Situation ein, in der ich mich nicht sicher gefühlt hätte. Kostenübernahme der Einsatzkosten der Polizei durch die Vereine, Reduzierung der Kartenkontingente für Gästefans, Abbau der Stehplätze – Abbau der Vorurteile, möchte ich den Forderungen, die nahezu täglich durch die Presse geistern, entgegnen. Denn: Wenn wir über Sicherheit reden, findet die Stimme der Fans und Ultras in den Kurven oftmals wenig Gehör.

Sarah Köhler
Sarah Köhler
Foto: Outlaw Fanprojekt

Sicherheit gelingt nur gemeinsam, und „von oben“ verordnete Papiere, Chartas oder Kodexe provozieren im Ergebnis nur die Ablehnung derer, über die gesprochen und geschrieben wird. Das mag weniger an den (teils vernünftigen) Inhalten liegen, denn an der Art und Weise der gefühlten „Verordnung richtigen Verhaltens“. Die KOS, Koordinationsstelle Fanprojekte, weist schon seit Langem darauf hin, dass ohne ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen dem jeweiligen Verein und seinen Fans alle Maßnahmen zum Scheitern verurteilt sind. Der investierten Leidenschaft der Fankurven muss eine entsprechend große Wertschätzung und Unterstützung entgegengebracht werden – nicht nur den VIPs und Sponsoren.

Selbst- und Mitbestimmung, Teilhabe und Transparenz bei Entscheidungen sowie Konsequenzen – Kennzeichen einer demokratischen Gesellschaft und etwas, von dem ich für den Leipziger Fußball träume. Ich werde nicht müde zu betonen, dass die Einbindung von Fans auch und gerade in Fragen von Sicherheit gelingen kann und die Rückgabe von Verantwortung an Fans und Fangruppen, und sei es „nur“ in der freien Wahl des Weges zum Stadion, wichtige Schritte sein können.

Ich denke, wir haben im vergangenen Jahr hier in Leipzig viele positive Ansätze diesbezüglich erlebt. Sei es über die Einbindung von Fanordnerinnen und Fanordnern, der Möglichkeit für Gästefans den Rückweg zum Bahnhof frei zu gestalten oder die weitgehend selbstbestimmten Auswärtsfahrten mit der Bahn einiger Fanszenen.

Ich träume davon, und möchte die Verantwortungsträgerinnen und -träger ermutigen, diesen Weg weiter zu gehen. Natürlich wird es Rückschläge geben. Diese kann niemand ausschließen und sie sind auch „normal“ vor dem Hintergrund, dass wir es vielfach mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Gruppen zu tun haben, deren Kennzeichen es ja gerade ist, Grenzen auszutesten und zu überschreiten. Die selbst gegebenen Grenzen und „Spielregeln“ jedoch, an deren Erstellung und Diskussion die davon Betroffenen beteiligt waren, haben eine vielfach höhere Verbindlichkeit in der Einhaltung – sowohl für die Fans als auch für die Vereine, Ordnungskräfte und nicht zuletzt die Polizei.

Dazu gehört nicht zuletzt auch ein verbindliches Anhörungsrecht für von Stadionverboten Betroffene. Keine Aussprache ohne Anhörung, auf diese simple Formel kann ich einen meiner Träume reduzieren.

Wir, das Team des Fanprojekts Leipzig, arbeiten daran, dass diese Träume Wirklichkeit werden. Kommunikation schafft Vertrauen, dazu sind wir bereit: In Workshops und Veranstaltungen, in der Arbeit mit den Fans, im Dialog mit den Vereinen, Verbänden und der Polizei.

Wenn im Ergebnis die Sicherung und der Erhalt der Fankultur und Freiräume für junge Fans und Ultras unter dem Strich stehen, dann schreibe ich in einem Jahr ganz bestimmt: Träum weiter, Leipziger Fußball!

Das Fanprojekt im Internet:
www.fanprojekt-leipzig.de



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