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Internes Dokument der SG Leipzig Leutzsch: Ein 43.000 Euro-Loch im Etat?

Patrick Limbach
SG Leipzig-Leutzsch
SG Leipzig-Leutzsch
Foto: L-IZ.de (Archiv)
Eigentlich haben die Verantwortlichen der SG Leipzig Leutzsch ihren Neujahrsempfang am 27. Januar in der Gaststätte "Seilbahn" als geselliges Beisammensein geplant. Gutes Essen genießen, Freunde treffen und neue Kontakte knüpfen. Mit einem kurzen Imagefilm, der die Entwicklung des jungen Clubs skizziert, sollen die Mitglieder und Sponsoren auf den grün-weißen Abend eingestimmt werden. Es könnte beim Stelldichein jedoch auch um ganz andere Themen gehen, glaubt man einem L-IZ.de vorliegenden Sitzungsprotokoll vom 10. Januar.

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Am 27. Januar möchten die Veranwortlichen den Gästen unter anderem ein neues Sponsorenkonzept präsentieren. Potenziellen Partnern soll eine eigens gedruckte Imagebroschüre mit auf den Weg gegeben werden. Denn wie L-IZ.de aus Vereinskreisen erfuhr, steckt der selbst ernannte Nachfolger des FC Sachsen in der Krise. Im Etat klafft sehr wahrscheinlich bereits jetzt ein Loch von rund 43.000 Euro für die laufende Saison. Indiz für die bislang wenig erfolgreichen Bemühungen der Vermerk auf Seite drei der Niederschrift der Beratungen: "Marketingverantwortlicher für Kontaktherstellung Sponsoren auf Provisionsbasis gesucht."

Präsident Jens Barthelmes, seit Vereinsgründung im Amt, wollte eigentlich persönlich Sponsoreneinnahmen von rund 50.000 Euro akquirieren, die laut Protokoll im Etat eingeplant sind. Bislang konnte der Präsident offenbar jedoch nur rund 7.000 Euro aufbringen. "Was das für den Gesamtetat bedeutet braucht hier sicher auch nicht erwähnt werden", heißt es originalgetreu in dem Schriftstück, dass L-IZ.de zugespielt wurde.

Dies könnte jedoch nur die Spitze des Eisbergs sein. Barthelmes, so die Unterlagen, steht bei seinem Verein in der Kreide. "Bei den eingegangenen Rechnungen unseres Präsidenten fehlen netto ca. 10.000 EUR, die Jamal im Monat November schon einmal abgefangen hat, um z. B. Löhne zu zahlen", heißt es in dem Protokoll. Demnach musste der stellvertrende Vorsitzende Jamal Engel eingreifen, um ein finanzielles Fiasko abzuwenden. Kein Wunder, ist die Summe für den Club mit einem geschätzten Jahresetat von 300.000 Euro kein Pappenstiel. Ein Liquiditätsengpass ließ sich offenbar trotzdem nicht vermeiden.

Mutmaßlich handelt es sich um fehlendes Sponsorengeld. Barthelmes Stuckateurbetrieb zählt zu den Unterstützern des Clubs. "Es gab ein paar Zahlungsvorgänge, die ich ausgeglichen habe", räumte Engel heute auf Nachfrage ein. Dies habe jedoch nicht nur Barthelmes betroffen. Um welche Summen es geht, wollte er nicht verraten.

Löcher im Etat der SG Leipzig-Leutzsch? Ein internes Protokoll legt dies nahe.
Löcher im Etat der SG Leipzig-Leutzsch? Ein internes Protokoll legt dies nahe.
Foto: L-IZ.de (Archiv)

Immerhin schien sich der Vorsitzende zeitweilig um eine Lösung des Problems zu bemühen. Das Ergebnis dürfte seine Mitstreiter allerdings kaum zufrieden stellen können. Von drei selbstterminierten Rechnungen hatte er laut Protokoll bis zum 10. Januar nur eine beglichen. Sein Schuldenstand zu diesem Zeitpunkt: 11.156 Euro. Die nächste Rechnung, 3.125 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer, wäre dem Dokument zufolge am 20. Januar fällig.

"Was deins ist, ist auch meins", könnte eine Devise im Leben von Barthelmes lauten. Denn der Stuckateurmeister könnte auch an ihn gezahlte Sponsorengelder nicht an die SG Leutzsch weitergereicht haben. In der Niederschrift ist von der vierstelligen Summe eines Leipziger Baugeschäfts die Rede. Barthelmes wollte sich gegenüber L-IZ.de nicht zu den Vorgängen äußern.

Die übrigen Funktionäre scheinen sich der Brisanz der Lage wohl bewusst zu sein. Im Protokoll steht, es sei fatal, "wenn dies in die Öffentlichkeit dringt, da wir auch eine Verpflichtung gegenüber unseren Mitgliedern, Sponsoren und auch Fans haben!" Gesprächsbedarf scheint es im Vorstand jedenfalls zu geben. Für dessen Mitglieder geht es um viel. Voraussichtlich im Frühjahr wird die nächste Mitgliederversammlung stattfinden. Spätestens dann werden sie gegenüber den Anhängern der SG Leipzig-Leutzsch über ihre Arbeit und den finanziellen Stand der Dinge das erste Mal Rechenschaft ablegen müssen.

Die SG Leutzsch ist zudem Pächterin des Alfred-Kunze-Sportparks. Zu dessen Instandhaltung ist sie auf Fördermittel der Stadt angewiesen. Zudem möchte der Verein im Jahr 2012 laut Protokoll erstmals Sportförderung beziehen. Ein Finanzskandal käme den Beteiligten vor diesem Hintergrund sicher höchst ungelegen. Jamal Engel versuchte deshalb zu retten, was noch zu retten ist. Die im Protokoll aufgelisteten Fakten wies er auf Nachfrage zurück. "Das Ding, das Sie in der Hand haben, ist definitiv ein Fake." Ihm sei kein solches Protokoll bekannt. Zudem kündigte er an, im Falle einer Publikation zu diesem Thema öffentlich das Gegenteil beweisen zu wollen.

Jens Barthelmes scheint das Interesse an der Vorstandsarbeit inzwischen verloren zu haben. Dem Dokument zufolge nahm er in der Vergangenheit mehrfach Termine nicht wahr. Bei der Zusammenkunft am 10. Januar soll er unentschuldigt gefehlt haben. Man darf gespannt sein, ob er beim Neujahrsempfang erscheinen wird. Die 30 Euro für das Catering sollen die Vereinsmitglieder dafür per Vorauskasse bis zum 20. Januar aus eigener Tasche berappen.

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