Lok-Frauen vs. Cloppenburg 1:2 - Der Ärger mit dem Fußballgott
Jan Kaefer
03.03.2013
Elfmeter oder nicht? Die Szene, an der sich die Geister schieden - und die das 0:1 brachte.
Foto: Jan Kaefer
In einer hart umkämpften Zweitliga-Partie mussten sich die Fußballerinnen des 1.FC Lok am Sonntagmittag gegen BV Cloppenburg knapp mit 1:2 geschlagen geben. Gegen den Favoriten aus Niedersachsen ging Leipzig engagiert zur Sache, geriet jedoch durch einen umstrittenen Elfmeter in Rückstand. Zwar gelang dem Team von Trainer Hendrik Rudolph zunächst der Ausgleich, doch kassierte es noch vor der Pause einen weiteren Gegentreffer und stand letztlich mit leeren Händen da.
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Ganze drei Monate ist es nun schon her, dass die Fußballerinnen des 1.FC Lok in der 2. Bundesliga zuletzt auf Punktejagd gehen konnten. Am 2. Dezember des vergangenen Jahres sprang gegen den USV Jena II am Ende ein 2:2-Unentschieden heraus. Das Heimspiel wurde damals auf dem Kunstrasen am Gontardweg ausgetragen. An gleicher Steller starteten die Lok-Frauen nun am Sonntag in die Rückrunde. Gegner diesmal war der BV Cloppenburg. Dieser kam als Tabellenzweiter mit 24 Punkten im Gepäck in die Messestadt gereist und hatte damit schon 6 Zähler mehr eingeheimst als die Leipzigerinnen (18 Punkte/ Platz 5). Das verwundert wenig, denn ein Großsponsor hatte viel Geld in die Hand genommen und den BV erst im Sommer mit reichlich Bundesligaerfahrung aufgepimpt - Aferdita Kameraj sowie Marie-Louise Bagehorn kamen vom Hamburger SV und Nathalie Bock schwebte vom VfL Wolfsburg ein.
Marie-Luise Herrmann und ihre Kolleginnen entwickelten in der ersten Halbzeit viel Druck.
Foto: Jan Kaefer
Die Motivation, dem selbsternannten Aufstiegsfavoriten ein Bein zu stellen, war im Leipziger Lager groß. Lok-Trainer Hendrik Rudolph kündigte vorher an, im Kampf um die Tabellenspitze noch einmal angreifen zu wollen, versprach eine offensive Partie, die viele Tore erwarten lassen würde.
Entsprechend forsch starteten seine Mädels, die unter anderem auf Anna Green und Marlene Ebermann verzichten mussten und erstmals mit Dreierkette aufwarteten. Früh attackierten sie den Gegner in dessen Hälfte und wussten die Cloppenburger damit zu beeindrucken. Die erste gute Chance bot sich Erika Szuh, die durch einen Zuckerpass von Anne Heller völlig freigespielt wurde, aber offenbar selbst am meisten davon überrascht war und die Kugel nicht unter Kontrolle bekam (8. Minute). Nach einer Viertelstunde marschierte Angelina Lübcke entschlossen nach vorn, legte nach rechts auf Lisa Reichenbach ab, deren Schuss den Kasten nur knapp verfehlte.
Sekunden vor dem Ausgleich: Florin Wagner (Nr. 24) staubt gleich zum 1:1 ab.
Foto: Jan Kaefer
Cloppenburg kam bis dahin nur durch zwei Freistöße halbwegs bedrohlich vor das Lok-Tor, wurde durch die gute Leipziger Abwehr weitestgehend entzaubert. Umso überraschender fiel dennoch in der 22. Minute die Gäste-Führung. Agnieszka Winczo kam im Strafraum zu Fall, Schiedsrichterin Sinem Turac aus Berlin entschied auf Elfer. "Unberechtigt!", legte sich Lok-Coach Rudolph fest. Bagehorn ließ sich die Chance nicht entgehen, schickte Keeperin Sandra Schumann in die falsche Ecke - 0:1. Der Treffer beflügelte die Gäste, die die Partie nun besser im Griff hatten und flüssiger kombinierten. Nach einer halben Stunde hätte Kameraj bereits für die Vorentscheidung sorgen können, nachdem sie von Löwenberg gefährlich in Szene gesetzt worden war. Kurz danach vertändelte Marie-Luise Herrmann hinten den Ball gegen Nathalie Bock, die viel zu frei stehend den Kasten verfehlte (32.).
Der Jubel für Leipzig kam ähnlich überraschend wie der zuvor von Cloppenburg. Eine von Anne Heller hoch herein gebrachte Ecke ließ Torhüterin Wylezek durch die Finger flutschen, der Ball fiel Florin Wagner vor die Füße, die aus Nahdistanz zum 1:1-Ausgleich (36.) abstaubte. Das hätte zum blau-gelben Aufbruchssignal werden können. Hätte, denn keine drei Minuten später hingen die Köpfe der Lok-Frauen wieder nach unten. Ein unnötiges Fehlpass-Festival in der Leipziger Hintermannschaft lud Kameraj zum freien Schuss in die Maschen ein - 1:2 (40.). Damit ging es auch in die Halbzeitpause.
Angelina Lübcke hatte auch ein, zwei gute Chancen auf dem Fuß.
Foto: Jan Kaefer
Nach dem Wechsel blieb Cloppenburg zunächst tonangebend, hätte nach einer Ecke in der 47. Minute durch den Kopfball von Stobba um ein Haar den Vorsprung ausgebaut. In der Folge hielten sich die Chancen in etwa die Waage. Lok verfehlte durch Lübcke (63.), Heller (70.) und Herrmann (88.) das Tor nur knapp. Bei den Niedersachsen hatten Luker (62.) und Kameraj (65.) verheißungsvolle Torchancen. Die emotionale und intensiv geführte Partie gewann zunehmend an Härte. Zwanzig Minuten vor dem Ende musste das Spiel nach einer schweren Verletzung der Cloppenburgerin Kameraj für fünf Minuten unterbrochen werden. Gleich nach Fortsetzung brauchte Gäste-Hüterin Wylezek medizinischen Beistand. Tore fielen aber auch während der 7-minütigen Nachspielzeit keine mehr. Cloppenburg bleibt damit dicht am begehrten Aufstiegsplatz dran, während sich Lok Leipzig nun im Mittelfeld festgefahren hat.
"Der liebe Fußballgott ist manchmal ungerecht", zuckte Lok-Trainer Hendrik Rudolph mit den Schultern. "Wir haben heute einen geilen Fußball gespielt. Trotzdem hat es nicht gereicht, das ist natürlich enorm schade. Aber Fakt ist, hier ist keinem der Mädels auch nur der geringste Vorwurf zu machen". Der Elfmeter, der zum 0:1-Rückstand führte, lag dem Coach auch nach dem Schlusspfiff noch immer schwer im Magen. "Es war bitter", so Rudolph, "ich denke, die Schiedsrichterin hatte heute nicht ihren besten Tag". Nach der heute gezeigten Leistung seines Teams ("Wir haben ein hart umkämpftes Spitzenspiel gesehen.") ist ihm um die kommenden Begegnungen nicht bange. Der nächste Gast in Leipzig wird Spitzenreiter SV Meppen sein (24. März) - und Rudolph ist sich sicher: "Die putzen wir weg!"
Tröstende und anerkennende Worte von Coach Hendrik Rudolph an Lysann Schneider.
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