Artikel zum Schlagwort Geschichte

Mehr Zukunft wagen

Martin Schulze Wessel erzählt, wie der Prager Frühling aus einer langen, spannenden Vorgeschichte entstand

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIrgendwie beschäftigen sich zumindest die Medien in diesem Jahr mit diesem besonderen Jubiläum: 1968. Das war nicht nur eine Kette von Demonstrationen, Tumulten und Studentenunruhen im Westen. Das war auch der Prager Frühling, den die Menschen in der CSSR gar nicht so nannten. Es ist ein westlicher Begriff, der regelrecht verklärt, dass hier wirklich ein Experiment stattfand, den Sozialismus menschlicher zu machen. Weiterlesen

Warum Egomanen vom romantischen Glauben der Menschen an Heldendramen profitieren

Archie Browns „Mythos vom starken Führer“

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDie Zeit scheint verrückt zu spielen. Selbst in funktionierenden Demokratien gewinnen Parteien Wahlen, die die Demontage der Demokratie zum Ziel haben. Männer feiern Triumphe, die sich als Retter und Führer gerieren, Typen, von denen man glaubte, die wären eigentlich nicht mehr marktfähig. Wirkt da ein „Mythos vom starken Führer“? Archie Browns Buch, das 2014 in London erschien, wirkt hochaktuell. Weiterlesen

Europas Schicksaljahr hieß 1919

Die Pariser Friedenskonferenz und die blutigen Folgen für die Völker Europas und in Nahost

Foto: Ralf Julke

Für FreikäuferDies ist ein wundersames Buch. Es ist so ähnlich, als wenn man im Laden eine 500-Gramm-Packung Waffeln kauft – und dann sind Pralinen drin. Die Waffeln sind in diesem Fall sämtliche Zutaten auf dem Titel: Taumel, Schicksalsjahr 1918 und der abgebildete Spartacusaufstand. Wirklich drin sind: 1919, Europa und die Katastrophe der modernen Nationalstaaten. Ein noch viel spannenderes Thema. Weiterlesen

Ein Ja-Wort mit Folgen

Ein Büchlein über Luthers Hochzeit, Ehe und die Sache mit der richtigen Partnerschaft

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Elke Strauchenbruch hat schon mehrere Bücher über Luthers Leben in Wittenberg geschrieben, hat sich mit Haushalt, Kindern, Ehe, Garten und Landwirtschaft beschäftigt. Kaum jemand weiß so viel darüber, wie dieser Theologieprofessor tatsächlich lebte und welche Rolle Katharina in seinem Leben spielte. Fehlte noch ein besonderes Stück: Luthers Hochzeit. Immerhin: Das war 1525 ein Politikum. Weiterlesen

Eine kluge These, aber leider nicht ganz stimmig

Wie die Schießpulvertechnologie den Europäern half, die Welt zu unterjochen

Foto: Ralf Julke

Der Titel klingt spannend, die Frage überzeugend. Denn wer sich die Weltgeschichte anschaut, der wundert sich ja tatsächlich: Warum haben ausgerechnet die Europäer mit ihren winzigen Staaten ein halbes Jahrtausend lang die Welt kolonialisiert und teils viel reichere und kulturvolle Länder erobert und beherrscht? Steckt dahinter vielleicht ein Gesetz? Dutzende Wissenschaftler haben sich darüber schon den Kopf zerbrochen. Weiterlesen

Buchpremiere am 3. November: Unzertrennlich trotz Mauer und Eisernem Vorhang von Hanno Speich

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Zusammen in Leipzig aufgewachsen trennen sich 1948 die Wege von Hanno und Manfred, nachdem Hanno mit seiner Familie nach Triest fliehen muss. Ein außergewöhnlich Briefwechsel entsteht, in dem sich die Geschichte der Zeit in den mitgeteilten Hoffnungen, Emotionen, Erfolgen, aber auch Sorgen und Ängste widerspiegelt. 1992 können sich Hanno und Manfred endlich wieder in den Armen halten. Drei Jahre nach der Wiedervereinigung und 44 Jahre nach Hannos Flucht aus Leipzig. Es ist, als wären sie immer zusammen geblieben und niemand hätte sie entzweit. Weiterlesen

Ein verstörender Briefwechsel aus dem Nachlass der Eltern

Die Frames der NS-Ideologie, Liebe, Hoffen und Zweifeln in den Briefen dreier junger Menschen

Foto: Ralf Julke

Ist es tatsächlich so, dass erst die Enkelgeneration die Lügen und Täuschungen der Großväter entlarvt? Es sieht ganz so aus. Auch wenn es die Kindergeneration war, die in den 1960ern die Aufarbeitung der Nazi-Zeit endlich ins Rollen brachte. Nur hatten die Kinder ein gewaltiges Problem: Sie trauten sich nicht, die eigenen Eltern infrage zu stellen. Vielleicht sollten sie tatsächlich die Kisten auf dem Dachboden mal öffnen. Weiterlesen

Nur auf den ersten Blick ein Bericht über ein finsteres Kapitel im Kalten Krieg

Wolfgang Bauernfeind beschreibt die Menschenraub-Maschinerie der Stasi und erzählt die Schicksale einiger namhafter Entführungsopfer

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Wolfgang Bauernfeind gehört zu den Leuten, die mit 66 Jahren ganz und gar nicht daran dachten, sich auf Malle zur Ruhe zu setzen. Vier Jahrzehnte war er als Redakteur beim Rundfunk tätig. Aber das heißt ja nicht, dass man da alle Themen bearbeiten konnte, die einen beunruhigen. Ein Thema hat ihn nicht ruhen lassen: der systematische Menschenraub der Stasi in den 1950er Jahren. Weiterlesen

Briefe zwischen Leipzig, Triest und Mailand

Die Lebensgeschichte zweier Leipziger Jugendfreunde in Rückblenden und Briefen über Grenzen hinweg

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Wenn man älter wird und die Beanspruchungen des Berufslebens aufhören, dann sollte man sich nicht unbedingt hinsetzen und so tun, als würde sich die Gegenwart jetzt nach der Vergangenheit richten müssen. Aber leider tun das viele Alte. Nur die wenigsten setzen sich wirklich hin wie Hanno Speich in Mailand und gehen ihrer eigenen Geschichte auf den Grund. Es ist auch ein Stück Leipzig-Geschichte. Weiterlesen

Individuelle Geschichten, kollektive Erinnerungen

Wie haben die Leipziger ihren Aufbruch von 1989 erlebt?

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Es ist ein Rätsel, oder? Ein Wunder? Eine Weihnachtsüberraschung? So alle fünf Jahre beginnt ja immer wieder das große Rätselraten über den Hebst 1989 und über die Frage: War es nun eine Revolution? Ein Zusammenbruch? Eine Wende? Oder irgendetwas anderes? Und welche Rolle spielten eigentlich die Bürger? Das wollte die Kulturwissenschaftlerin Susan Baumgartl 2009 mal herausbekommen. Weiterlesen

Wie Herr H. zum Radikalen wurde

Der Historiker Thomas Weber demontiert die frühen Münchner Legenden des Selfmade-Nazis Adolf Hitler

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2011 sorgte der Historiker Thomas Weber für den ersten Paukenschlag, als er mit „Hitlers erster Krieg“ erstmals ausführlich beleuchtete, was Adolf Hitler im Ersten Weltkrieg eigentlich so trieb. Und er entsorgte damit auch gleich mal einen ganzen Stapel von Legenden, die bis heute durch die Hitler-Literatur geistern. Jetzt hat es Weber auch gleich noch für die Jahre getan, in denen aus Hitler tatsächlich erst ein Nazi wurde. Weiterlesen

Ein Aha-Erlebnis im Doppelpack

Endlich ein Buch mit den Reden auf den Leipziger Montagsdemonstrationen von 1989 und ein paar Töne aus dem Schattenreich der Macht

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Am Ende bleibt einem die Sprache weg. Nicht nach dem Lesen des Buches, das auf seine Weise eine ähnlich eindrucksvolle Fleißarbeit ist wie es 2012 die beiden Dokumentenbände zur Friedlichen Revolution und 2014 der Band zur „Redefreiheit“ waren. Aber dem Band liegt auch eine CD bei, die hörbar macht, wie die anderen sprachen, die Noch-Mächtigen im Jahr 1989. Natürlich ist es ein Grauen. Weiterlesen

Fast vergessen und doch noch hochaktuell

Natalie von Anrep rekonstruiert das tragische Leben von Mahidevran, der ersten Frau an der Seite Suleiman des Prächtigen

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Manchmal muss man, um die Gegenwart zu verstehen, tief in die Geschichte tauchen. Denn ein großer Teil unserer Gegenwart baut auf den Mythen der eigenen Vergangenheit auf. Das geht den Deutschen nicht anders als den Türken. Wo die einen ihre alten Könige und Kanzler verklären, machen es die anderen mit ihren Sultanen. Mit Suleiman dem Prächtigen zum Beispiel. Weiterlesen

Die L-IZ empfiehlt den Lehrern lieber zwei andere Bücher

„Mein Kampf“ als Lehrinhalt in sächsischen Schulen? Landesschülerrat Sachsen hat da so seine Zweifel

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Ab heute ist Adolf Hitlers „Mein Kampf“ im deutschen Handel in einer wissenschaftlich kommentierten Ausgabe erhältlich und damit auch für sächsische Schüler frei zugänglich. Der deutsche Lehrerverband hat schon angekündigt, dass im Unterricht mit dem Buch gearbeitet werden soll. Der LandesSchülerRat Sachsen aber hat so seine Zweifel am Einsatz des Buches. Weiterlesen

Demokratie jetzt, Teil 2 der Buchbesprechung

Wie aus der Sprachverweigerung der Mächtigen erst der turbulente Herbst 1989 wurde

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1986 gehörte Gerhard Weigt noch nicht zu den Initiatoren von "Absage an Praxis und Prinzip der Abgrenzung". Er stieß erst später zu der Gruppe. Aber mit emsiger Recherche hat er auch diese Entstehungsgeschichte rekonstruiert, zu der auch die frühen und intensiven Kontakte nach Polen gehörten. Ohne die Veränderungen in Polen (von wo die DDR-Bürgerrechtler dann auch die Idee der Runden Tische importierten) ist die Geschichte der Initiativgruppe nicht zu verstehen. Weiterlesen

Demokratie jetzt, Teil 1 der Buchbesprechung

Ohne die Blockpolitik von 1945 ist das Ende der SED-Alleinherrschaft 1989 nicht zu verstehen

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Kein Leipziger Verlag bemüht sich derzeit so emsig um neue Veröffentlichungen zur Friedlichen Revolution wie die Evangelische Verlagsbuchhandlung. Dass es da ab und zu sehr christlich und religiös wird, verwundert nicht. Eher verblüfft die Bandbreite der Ansätze. Und mittendrin gibt es jetzt auch mal ein richtig dickes Buch von einem, der es wissen muss, wie es war. Weiterlesen

Twist, Punk und Rock'n'Roll

17 Autoren erinnern sich an die rumorende Musikszene im nur amtlich tristen Osten

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Der fehlte noch. Unbedingt. Denn 2015 war nicht nur das Jahr 1000 nach der Ersterwähnung für Leipzig. Es war auch der 50. Jahrestag der legendären Leipziger Beat-Demo. Die fand am 31. Oktober 1965 statt. Es wird meist einfach ignoriert: Den Herbst 1989 hat auch die aufmüpfige Musikszene der DDR mit vorbereitet. Darunter natürlich ein ganzer Haufen von Leipziger Musikern. Weiterlesen

Wetterkatastrophen, Eiszeiten, Regen, Dürren und Klimawandel

Ohne dramatische Klimaveränderungen sind weite Teile der Menschheitsgeschichte nicht zu begreifen

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In letzter Zeit tauchen immer wieder neue Buchtitel auf, die sich mit der Frage beschäftigen, wie sehr Wetter und Klima eigentlich die menschliche Geschichte beeinflusst haben. Wetter und Klima sind zwei verschiedene paar Schuhe. Und auch der Historiker Ronald D. Gerste kann sich nicht so recht entscheiden, welchem er den Vorzug gibt. Denn beide Einflussfaktoren zeigen beeindruckende (und erschreckende) Folgen. Weiterlesen

Schmausen wie bei Luthers

Wie sah es wirklich in Katharinas Küche aus und was wurde in Wittenberg wirklich aufgetischt?

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Bei Luthers kennt sich die Wittenberger Historikerin Elke Strauchenbruch bestens aus. Immerhin hat sie lange als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Lutherhaus gearbeitet. Seit 1990 ist sie Buchhändlerin, hat aber in der Evangelischen Verlagsanstalt schon mehrere Titel veröffentlicht, die Martin Luther mal nicht nur von der wissenschaftlichen Seite zeigen, sondern von der menschlichen. Weiterlesen

Mitarbeiter des Evangelischen Pressedienstes schreiben ihr Buch zur Friedlichen Revolution

Die Entstehung einer Revolution in lauter kleinen, knackigen Reportagen erzählt

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Es ist ein echtes Fleißprojekt, dem sich die Mitarbeiter des Evangelischen Pressedienstes (epd) zwei Jahre lang gewidmet haben. Sie haben ihre Sicht auf das Ende der DDR, die Friedliche Revolution und den Weg zur Deutschen Einheit zusammengetragen in lauter gut lesbaren Kapiteln und ein Buch draus gemacht. Hier ist es. Sogar Manfred Stolpe war überrascht. So umfassend habe er die Geschichte noch nicht gelesen. Weiterlesen