Hier isses nich. Hier isses auch nich. Weihnachten ist mühsam. Das weiß jedes Kind. Die Alten verraten einfach nicht, wo sie die Geschenke versteckt haben. Die Armbanduhr für Schröder war leicht zu finden. Sie liegt bei Amalia zwischen den Seidennachthemdchen, die sie nur im Sommer trägt. Im Winter schwört sie auf Omas frottierte Nachthemden.
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Und selbstgestrickte Socken in Rot-Weiß. Und die hübschen Rotgepunkteten, die sich auch so gut für ein Katernickerchen zwischendurch eignen. Aber danach ist mir nicht. Was interessiert mich die Uhr mit dem kleinen Schiffchen, das den ganzen Tag um den Kompass kreist? Und die neue Packung schöner blaukarierter Schnupftücher XXL? Und das kleine rosa Plüschkaninchen, das so innig sein rotes Herz umklammert, auf dem in Silberborte gestickt ist "Mein Häschen"? Ich lausch doch nicht an der Tür, wenn die beiden fröhlich sind.
Ich geh dann immer höflich zu Pieps ins Bad. Pieps weiß dann schon immer gleich Bescheid.
Pieps?
Ja.
Pipipi-pieps!
Kann man wohl laut sagen.
Die Geschenke für Pieps hat Amalia übrigens zwischen den rot-geringelten Socken versteckt: Eine kleine Bommelmütze und ein Schürzchen, hergestellt aus einem alten Schnupftuch (rotkariert) XXL. Mädchen! - Versteckt ist da auch eine große Packung Weinbrandbohnen. Aber ich möchte wetten, die liegt dann eingewickelt unterm Baum und es steht Amalia drauf und alle gucken sich an und fragen sich, wer Amalia die Weinbrandbohnen geschenkt hat. Und Schröder die Steingutflasche mit Waldkräuterlikör. Die ist nämlich hinter dem Stapel mit Schröders Hawaii-Hemden versteckt. Zusammen mit einer verplombten Flasche Baldrian. Da möcht ich gar nicht mutmaßen, was der Bursche damit bezweckt.
Nur: Ich find einfach nichts Katermäßiges. Nicht im großen Steinguttopf auf der Anrichte, nicht in Schröders Geheimkiste im Flur. Auch nicht hinter den Salami-Würsten in der Speisekammer. Da liegt nur ein Zettel mit krakeligen Druckbuchstaben: "SUCH WEITER." Hat wohl Schröder seine Klaue verstellt und wollte Amalia ärgern. Oder umgekehrt. Auch im Hutfach von der Garderobe im Flur liegt so ein Zettel. Und hinter den Joghurtbechern im Kühlschrank. Und hinter dem Stapel mit Liebesromanen in Amalias Nachtschränkchen.
Schröder hat auf seiner Seite auch ein Nachtschränkchen stehen, aber da hat er vor drei Wochen eine dicke Kette drumgewickelt und ein Schloss davorgehängt. Den Schlüssel hat er sich an einem Kettchen um den Hals gehängt. Und als ich gestern Nacht versucht hab, ihm das Kettchen mit dem Schlüssel zu mausen, ist er aufgewacht und hat gebrummelt: "Lassdas isnischfürdisch."
Was ich so interpretiere: Die wirklich feschen Sachen für Amalia hat er in seinem Nachtschränkchen gebunkert. Eine große Packung mit Weinbrandbohnen zum Beispiel.
Aber was ist im Schuhschrank im Flur versteckt? Seine alten ausgetreten Slipper wird Schröder ja wohl kaum mit einem Hängeschloss sichern. Und den Schlüssel dazu dann mit einem Klebestreifen unter seinem Sessel verstecken. Wo ich ihn ja bei jedem kleinen Spaziergang finde.
Pieps?
Kann sein. Aber dann würde der Schuhschrank nach Käse riechen.
Pieps!
Klar. Ein bisschen riecht er so. Aber auch ein bisschen nach Kräuterlikör.
Pieps.
Das hab ich auch schon überprüft. Amalias Seidenhemdchen ticken. Der Schuhschrank aber tickt nicht. Um ihn aber über die Balkonbrüstung zu schmeißen, müssten wir erst die Balkontür aufkriegen. Aber auch da hängt seit letzter Woche ein dickes Vorhängeschloss. Und irgendwer hat ganz unten an die Scheibe geschrieben "SUCH WEITER." Dabei steht da draußen nur der eingewickelte Baum, den ich nicht inspizieren darf. Und eine Tupperdose mit Käsewürfelchen drin. Nah genug, dass man die Würfelchen zählen kann.
Pieps.
Nein. Genau 24.
Pieps.
Hab ich mich auch schon gefragt. Wer hat den Schlüssel zum Schloss an der Balkontür?
Rätsel über Rätsel. Früher war das mit Weihnachten einfacher.
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