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Neu im Kino: „Die Thomaner“ feiert den Chor mit zu oberflächlichem Blick

Sebastian Beyer
Fußballspiele gegen die eigenen Lehrer oder den Dresdner Kreuzchor schaffen einen Ausgleich.
Fußballspiele gegen die eigenen Lehrer oder den Dresdner Kreuzchor schaffen einen Ausgleich.
© NFP
Ein Jahr lang begleiteten die Dokumentarfilmer Paul Smaczny und Günter Atteln den Chor und stellen dabei zwei Generationen Thomaner in den Mittelpunkt. Einerseits die Abiturienten, die nun aus dem Chor ausscheiden, andererseits die Neulinge, die das Internats- und Chorleben erst erfahren.


Und ebenso wie die Musik der Thomaner in ihrer 800-jährigen Geschichte – auf die mit dem Ansatz der Regisseure kaum eingegangen wird – oftmals Gott lobpreist, so preist der Film das Wirken des Chores. Dabei scheinen die beiden Filmemacher zu nah an das Objekt ihrer Betrachtung gerückt zu sein. Zwar gibt es interessante Einblicke in das Leben der Chormitglieder und der Verantwortlichen, auch entsteht ein recht gutes Porträt von Thomaskantor Christoph Biller und seiner Art, den Chor mit ständig wechselnden Mitgliedern konstant auf Weltniveau zu halten: „Mein System ist, kein System zu haben. Denn ein System ist zu bequem für die Schüler.“

Denn den Alltag bestimmen neben der Schule die Proben.
Denn den Alltag bestimmen neben der Schule die Proben.
© NFP

Getrübt werden diese gelungenen Aspekte jedoch durch ungeschickte Zwischentöne, die bei einer Chorprobe wohl zur Wiederholung des Abschnitts geführt hätten. Ein Zitat der Rektorin klingt etwas zu sehr nach Eigenlob und auch wenn hier und da anklingt, dass ein Leben auf so engem Raum Probleme birgt und zu Konflikten führt, ist zu viel heile Welt zu sehen. Irgendwie unfertig, nicht durchkomponiert, mutet der Streifen an.

Hinzu gesellen sich nicht gerade einfallsreiche Kamera-Einstellungen. Sie werden eher einer ausführlichen TV-Reportage gerecht als einer Produktion für die Großleinwand. In Sachen Stimmung muss so die Musik den Ton angeben und verdrängt die Bedeutung der Bilder an den Rand der Bühne. Zu berücksichtigen ist, dass während der Konzertaufnahmen die Kamera-Positionen natürlich eingeschränkt sind. Dennoch bleibt eine Sehnsucht nach etwas mehr Bildästhetik, wie sie gegen Ende des Films bei prachtvollen Winterbildern aufblitzt, wenn auch kurz.

Konzertreisen bilden die Jahreshöhepunkte, allerdings kann nur eine Auswahl an Sängern mitfahren.
Konzertreisen bilden die Jahreshöhepunkte, allerdings kann nur eine Auswahl an Sängern mitfahren.
© NFP

Trotz der interessanten Hintergründe und wichtigen Stationen der „Thomasser“ und akustisch beeindruckender Auftritte des Chores fehlt es eben dem Film an dem gewissen Etwas, das ihn zu einer erinnerungswürdigen Erfahrung macht. Dafür kann allerdings kein Mitglied des Chores etwas, sie bringen am ehesten Leben in den Film und überraschen in den Interviews mit offenherzigen und unverfälschten Äußerungen.

D 2012 R: Paul Smaczny, Günter Atteln Spieldauer: 113 Minuten FSK: ohne Altersbeschränkung

Filmstart ist der 16. Februar, zu sehen im CineStar, Passage Kinos und in der Schauburg.

Die offizielle Filmseite:
www.thomaner-derfilm.de


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